Sechs Subtypen

Prädiabetes - Vorstadium zeigt Diabetesrisiko frühzeitig

Robert Klatt

Die Wissenschaft hat sechs Prädiabetes-Subtypen identifiziert, anhand derer man das spätere Diabetes-Krankheitsrisiko erkennen kann.

Tübingen (Deutschland). In Deutschland leiden an der „Zuckerkrankheit“ Diabetes-Typ-2 etwa sieben Millionen Menschen. Neben einer genetischen Prädisposition gelten eine falsche Ernährung und Übergewicht als Faktoren, die das Krankheitsrisiko beeinflussen. Bei den meisten Betroffenen kann vor der eigentlichen Diabetes eine Vorstufe diagnostiziert werden. Bei dieser sogenannten Prädiabetes haben Patienten bereits einen erhöhten Blutzuckerspiegel, der aber noch nicht im krankhaften Bereich liegt.

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) haben nun im Fachmagazin Nature Medicine eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass man anhand von sechs Subtypen der Prädiabetes das spätere Diabetesrisiko erkennen kann.

Hans-Ulrich Häring, Universität Tübingen: „Bisher konnte man bei Menschen mit Prädiabetes nicht vorhersehen, ob sie einen Diabetes entwickeln und Risiken zu schweren Folgeerkrankungen wie Nierenversagen haben, oder nur eine harmlose Form von leicht höheren Blutzuckerwerten ohne bedeutsames Risiko bekommen.“

Langzeitstudie mit 899 Probanden über 20 Jahre

Die Langzeitstudie mit 899 Probanden dauerte über 20 Jahre. Die Teilnehmer wurden während des Studienzeitraums regelmäßig medizinisch untersucht. Erfasst wurden dabei Werte wie der Blutzucker, das Leberfett, der Blutfettspiegel und die Körperfettverteilung sowie das genetische Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Anhand der Daten konnten die Wissenschaftler sechs Subtypen von Typ-2-Diabetes-Vorstadien identifizieren, anhand derer erkannt werden kann, wie sich die Gesundheit der Menschen entwickeln wird.

Drei Subtypen (1,2 & 4) haben ein geringes Diabetesrisiko. Personen mit den Subtypen 1 und 2 haben kein oder nur ein geringes Übergewicht, normale Blutzuckerwerte und eine funktionierende Insulinausschüttung. Personen des Subtyps 4 haben zwar Übergewicht aber einen gesunden Stoffwechsel. Sie bilden damit die Gruppe der „gesunden Dicken“.

Drei Subtypen mit hohem Diabetes-Typ-2-Risiko

Die übrigen Subtypen (3, 5 & 6) haben hingegen ein hohes Risiko für Diabetes-Typ-2 und weitere Folgekrankheiten. Beim Subtyp 3 handelt es sich um Mensch mit einer genetischen Vorbelastung und Übergewicht, die eine gestörte Insulinproduktion haben. Personen mit Subtyp 5 besitzen ebenfalls eine Disposition und haben überdies eine stark ausgebildete Fettleber. Ihr Körper ist bereits im Vorstadium der Diabetes-Typ-2 resistent gegenüber der blutzuckersenkenden Wirkung von Insulin.

Am höchsten ist das Krankheitsrisiko beim sechsten Subtyp. Es handelt sich dabei um Menschen mit starkem Übergewicht, bei denen besonders an den Nieren und im Bauchraum viel Fett vorhanden ist. Es kommt bei diesen Personen deshalb bereits in der Diabetes-Vorstufe zu Schaden der Niere und zu einer reduzierten Insulin-Sensitivität der Zellen.

Robert Wagner, Universität Tübingen: „Wie beim Diabetes gibt es auch im Vorstadium unterschiedliche Krankheitstypen, die sich durch Blutzuckerhöhe, Insulinwirkung und Insulinausschüttung, Körperfettverteilung, Leberfett sowie genetischem Risiko unterscheiden.“

Gezieltere Behandlung der Betroffenen

In Zukunft soll laut den Wissenschaftler das neue Wissen über die sechs Prädiabetes-Subtypen dazu genutzt werden, Menschen besser zu behandeln, um so einer Diabetes-Typ-2-Erkrankung vorzubeugen.

Martin Hrabe de Angelis vom DZD: „Die Identifizierung von Subtypen im Vorstadium des Typ-2-Diabetes ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Präzisionsmedizin bei der Prävention des Diabetes und seiner Begleiterkrankungen.“

Andreas Fritsche, Universitätsklinikum Tübingen: „In den nächsten Schritten werden wir zuerst in prospektiven Studien prüfen, wie weit die neuen Erkenntnisse für die Einteilung von einzelnen Personen in Risikogruppen anwendbar sind.“

Es soll so untersucht werden, ob in Zukunft Menschen mit einem hohen Risikoprofil frühzeitig erkannt und spezifisch behandelt werden können.

Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-020-1116-9)

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