Robert Klatt
Parodontitis, eine chronische Zahnfleischentzündung, an der über die Hälfte der Deutschen in ihrem Leben erkrankt, kann bisher nur schwer behandelt werden. Eine neue Zahnpasta, die bereits online bestellt werden kann, kann das Wachstum der Parodontitiserreger selektiv hemmen, ohne nützliche Mundbakterien zu schädigen.
Halle (Saale) (Deutschland). Im Mund des Menschen leben über 700 verschiedene Bakterien, von denen manche Parodontitis auslösen können. In Deutschland entwickelt rund die Hälfte der Erwachsenen in ihrem Leben diese chronische Zahnfleischentzündung, die das Risiko für viele andere Krankheiten erhöht, darunter laut einer Studie der Harvard University auch das Risiko für Speiseröhrenkrebs und Magenkrebs und im schlimmsten Fall einen kompletten Zahnverlust auslöst.
Die Medizin bekämpft Parodontitiserreger wie das Bakterium Porphyromonas gingivalis bisher mit spezieller Zahnpasta und Mundspülungen, die aber auch nützliche Mundbakterien töten. Zudem haben Parodontitiserreger bei der Regeneration der Mundflora nach der Behandlung einen deutlichen Vorteil, weil sie im entzündeten Zahnfleisch deutlich schneller wachsen als die nützlichen Bakterien.
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) haben deshalb nach einer Substanz gesucht, die das Wachstum von Parodontitiserregern wie Porphyromonas gingivalis gezielt blockieren kann, ohne nützliche Mundbakterien zu schädigen. Es gelang ihnen, einen Wirkstoff zu entdecken, der die Bakterienzusammensetzung im Mund normalisiert und die Symptome der chronischen Zahnfleischentzündung reduziert.
„Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht einfach ab, sondern blockiert nur deren Wachstum.“
In den ersten Studien hat die Substanz die Biofilme, in denen die Bakterien auf den Zähnen leben, deutlich reduziert (- 25 %) und die bakterielle Aktivität verringert. Das Eindringen von Porphyromonas gingivalis, dem Haupterreger von Parodontitis, ist das Zahnfleisch wurde ebenfalls stark gesenkt und die Entzündungsmarker gingen zurück.
Anschließend haben die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) eine marktreife Zahnpasta entwickelt, die die bekannten Parodontitiserreger blockiert und für den Menschen nicht giftig ist. Inzwischen haben die Forscher gemeinsam das Unternehmen PerioTrap gegründet, das die spezielle Antiparodontitiszahnpasta verkauft. Die Wirkstoffe der Zahnpasta wirken nur im Mund und gelangen nicht in den Blutkreislauf.
„Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis. Wie eine normale Zahnpasta enthält es aber auch Putzstoffe und Fluorid zur Vorbeugung von Karies.“
„Wir haben nicht einfach eine gute Zahnpasta mit einer neuen Substanz entwickelt, sondern ein hochwertiges Zahnpflegeprodukt in medizinischer Qualität.“
Zudem haben die Forscher ein spezielles Gel entwickelt, das nach einer professionellen Zahnreinigung aufgetragen werden kann, um die Mundflora zu stabilisieren und die Zahnfleischgesund aufrechtzuerhalten. In Zukunft möchten sie noch eine Mundspülung auf den Markt bringen, die ebenfalls gegen Parodontitiserreger wirken soll.
Quellen:
Pressemitteilung der Fraunhofer-Gesellschaft
Unternehmen PerioTrap