Rot-Grün-Schwäche

Neue Brillen für Farbenblinde verbessern das Sehen deutlich

Dennis L.

Neuartige Brillen mit speziellen Spektralkerbfiltern in den Gläsern ermöglichen Farbenblinden unterschiedlichen Farben erheblich besser zu sehen als mit bisherigen Hilfsmitteln. Das Besondere an den neuen Filtern: Der positive Effekt bleibt auch nach dem Absetzen der Brille erhalten.

Sacramento (U.S.A.). Umgangssprachlich wird bereits bei einer Rot-Grün-Farbfehlsichtigkeit von Farbblindheit gesprochen. Laut medizinischer Definition ist dies aber nicht korrekt, da es sich bei der Rot-Grün-Schwäche, unter der weltweit rund 350 Millionen Menschen leiden, lediglich um eine Fehlsichtigkeit in Bezug auf Farben handelt.

Während gesunde Menschen rund eine Millionen Farbtöne und Schattierungen unterscheiden können, sehen Menschen mit Rot-Grün-Schwäche eine sehr reduzierte Farbpalette. Zudem nehmen sie Farben gedämpfter bzw. verwaschener wahr, was zu Verwirrungen im Alltag und zu Unterscheidungsproblemen (verdorbene Lebensmittel, Ampelfarben, etc.) führen kann.

Moderne Spektralkerbfiltern in den Brillengläsern

Das UC Davis Eye Center in den USA hat in Zusammenarbeit mit dem ISERM Stem Cell and Brain Research Institute aus Frankreich eine spezielle Brille für Farbblinde entwickelt, welche durch besondere Spektralkerbfilter Menschen mit den häufigsten Formen der Rot-Grün- Farbfehlsichtigkeit wieder besser sehen lässt. Das Besondere an der neuen Brille für Farbenblinde ist jedoch, dass der Effekt, Farben besser erkennen und unterscheiden zu können, auch nach dem Absetzen der Brille für eine Zeit erhalten bleibt.

Im Rahmen der Studie zur Wirksamkeit der Brille für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche wurden Testpersonen angehalten, die neue Brille zwei Wochen zu tragen. Die Forscher erhofften sich durch die neuartigen Spektralkerbfilter, dass sich die chromatischen Reaktionen bei den Probanden verbessern würden. Dafür sollten die Spezialfilter den Abstand zwischen den Farbkanälen vergrößern, wodurch Menschen mit einer Rot-Grün-Farbfehlsichtigkeit Farben deutlicher, klarer und lebendiger wahrnehmen können.

Ablauf der Studie mit echter und mit Placebo-Brille

Wie die Forscher im Fachmagazin Current Biology schreiben, wurden die Studienteilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt, wovon eine Gruppe die richtige Brille mit den modernen Spektralkerbfiltern und die andere lediglich eine wirkungslose Placebo-Brille trug. Während beide Gruppen die Brille für Rot-Grün- Fehlsichtigkeit bzw. die wirkungslose Brille trugen, führten die Probanden Tagebuch und schrieben ihr subjektives Farbempfinden nieder. Zudem testeten die Forscher an Tag zwei, vier und elf die Farbwahrnehmung der Testpersonen – natürlich ohne Brille.

Die Forscher dokumentierten, dass die neue Brille für Farbenblinde tatsächlich die körperliche Reaktion auf die chromatische Kontrastreaktion erhöhte. Unklar ist jedoch noch, wie lange dieser Effekt ohne das Tragen der Spezialbrille anhält. Die Daten deuten jedoch darauf hin, dass die verbesserte Farbwahrnehmung schon eine Zeit lang anhält.

Klare Verbesserung der Rot-Grün-Farbfehlsichtigkeit – auch ohne Brille für Farbenblinde

„Die erweiterte Verwendung dieser Brille erhöht die chromatische Reaktion bei Patienten mit anomaler Trichromie (Rot-Grün-Sehschwäche)“, erklärt Professor für Augenheilkunde vom UC Davis Eye Center John S. Werner. „Wir haben festgestellt, dass eine anhaltende Verwendung über zwei Wochen nicht nur zu einer erhöhten chromatischen Kontrastreaktion führte, sondern dass diese Verbesserungen auch bei Tests ohne Filter bestehen blieben, wodurch eine adaptive visuelle Reaktion gezeigt wurde.“

Die Forscher schreiben, dass der anhaltende Effekt mit modernen Brillen für Farbenblinde nicht erreicht werden kann. Diese Brillen mit Breitbandfiltern müssen permanent getragen werden, um Farben klarer und lebendiger darzustellen. Die Forscher vermuten, dass die Studienergebnisse darauf hindeuten, dass Modifikationen von Photorezeptorsignalen ein plastisches postrezeptorales Substrat im menschlichen Gehirn aktivieren, welches möglicherweise für die visuelle Rehabilitation genutzt werden kann.

Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2020.05.054

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