Von: Dennis L.
Zahnmedizin

Neue Behandlung erhält Zähne trotz Wurzelkanalbehandlung am Leben

Wer mit großen Zahnschmerzen und einer stark entzündeten Pulpa, welche vom Patienten oft fälschlicherweise als Zahnnerv bezeichnet wird, zum Zahnarzt ging, bei dem musste diese dentale „Lebensader“ bisher durch eine Wurzelkanalbehandlung entfernt werden. Ein neues Verfahren ermöglicht Zahnärzten nun, die ausgehöhlten Wurzelkanäle wieder mit Blutgefäßen auszustatten und den betroffenen Zähnen erneute Vitalität und Widerstandsfähigkeit zu verleihen.

Neues Verfahren erhält die Vitalität der Zähne trotz Wurzelbehandlung.
© Spectrumfamily / wikipedia.org

Portland (U.S.A.). Um einen schmerzenden Zahn nicht gleich ziehen zu müssen, wird das entzündete Pulpengewebe aus dem Wurzelkanal entfernt. Die dadurch entstandenen Hohlräume werden anschließend mit synthetischen Material aufgefüllt und der betroffene Zahn anschließend wieder versiegelt. Diese Behandlungsart ist gängige Praxis und verhindert die Gefahr einer schwelenden oder ausufernden Infektion, hat jedoch den Nachteil, dass sie den betroffenen Zahn zu einem leblosen Objekt im Kiefer macht.

Luiz Bertassoni von der Oregon Health and Science University in Portland berichtet im Fachmagazin Nature: „Die Behandlungsmethode beseitigt die Blut- und Nervenversorgung des Zahnes und nimmt ihm dadurch die Fähigkeit zur Reparatur. Ohne ihre Vitalität können Zähne dann schnell verloren gehen, was letztendlich Prothesen oder Zahnimplantate nötig macht.“ Um den Zahn und seine Vitalität zu erhalten haben Bertassoni und seine Kollegen nun ein neues Behandlungsverfahren entwickelt.

Kohlenstoff-Fasern, Hydrogel und Zellkulturen retten den Zahn

Das neue Behandlungskonzept beginnt mit dem ersten üblichen Schritt einer Wurzelkanalbehandlung. Der Zahn wird angebohrt und das geschädigte Pulpengewebe wird durch herausfeilen entfernt. In dem dadurch entstandenen Hohlraum wird zunächst eine dünne Kohlenstoff-Faser bis in die Zahnwurzel geschoben. Der übrige Hohlraum wird anschließend mit einem speziellen Hydrogel gefüllt, welches mit dentalen Zellen aus Zellkulturen bestückt ist und später das Pulpengewebe ersetzen soll.

Nachdem sich dann das Hyrogel verfestigt hat, wird die Kohlenstoff-Faser wieder herausgezogen. Dabei hinterlässt sie einen sogenannten Mikrokanal, der von der Wurzelspitze bis in den oberen Bereich des Zahns reicht. Dieser Kanal wird anschließend mit sogenannten Endothelzellen aus Zellkulturen gefüllt. Diese begünstigen die Bildung neuer Blutgefäße, welche den lebendigen Teil des Zahnes weiterhin mit Blut versorgen können.

Erfolgreicher Probelauf im Labor

Theorie und Praxis sind in der Forschung immer zwei Paar Schuhe. Aus diesem Grund haben die Forscher erste Versuche mit isolierten Zähnen im Labor unternommen. Wie sie berichten, haben sich bereits nach sieben Tagen neue Blutgefäße in der künstlichen Pulpa gebildet. Auch die Dentin produzierenden Zellen haben sich vermehrt. „Unsere Ergebnisse belegen, dass die Herstellung von künstlichen Blutgefäßen eine effiziente und hochwirksame Strategie ist, um die Funktion von Zähnen vollständig zu regenerieren“, erklärt Bertassoni.

Auch in Deutschland wird der neue Behandlungsansatz von Dentisten mit Hochspannung verfolgt. Dr. Andreas Schröder vom Medentes Zahnarztzentrum in Berlin Wittenau sieht das neue Verfahren als echte Alternative zur bisherigen Behandlungsmethode: „Wenn wir die Chance haben die Zähne unserer Patienten zu retten, ohne dass die Zähne ihre Vitalität verlieren, ist dies ein echter Fortschritt in der Zahnmedizin.“

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