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Kann ein THC Liquid so präzise abgegeben werden wie ein Arzneistoff aus einem Inhalator? Labor-Messungen zeigen, wie stark Partikelgröße und Zugprofil die respirable Dosis beeinflussen. Dabei werden Werte im Bereich unter 5 µm sowie Mikrogramm pro Zug relevant. Was bedeutet das für die Entwicklung kontrollierter Therapien und wo beginnen die Unsicherheiten?
THC Liquid bezeichnet eine flüssige Formulierung, in der Δ9-Tetrahydrocannabinol in einem Träger gelöst oder verteilt ist und beim Erhitzen als inhalierbares Aerosol abgegeben wird. Für die medizinische Anwendung ist dabei nicht das Rauschpotenzial der entscheidende Punkt, sondern die Möglichkeit, Wirkstoffmengen in sehr kleinen Schritten über den Lungenweg aufzunehmen. Der Umweg über den Magen-Darm-Trakt entfällt, der First-Pass-Effekt der Leber spielt eine geringere Rolle, und der Wirkungseintritt kann prinzipiell schneller erfolgen. Im klinischen Alltag wird medizinisches Cannabis vor allem dann diskutiert, wenn eine rasch einsetzende Symptomlinderung gefragt ist und gleichzeitig eine feine Dosisanpassung nötig bleibt. Aus pharmakologischer Sicht ist das attraktiv, weil THC an Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems bindet und damit Prozesse wie Schmerzverarbeitung, Appetit und Übelkeit modulieren kann. Im Kontext von Cannabis rückt dadurch eine alte Frage neu in den Mittelpunkt, nämlich wie sich eine reproduzierbare Abgabe erreichen lässt, ohne dass Anwender auf grobe Schätzwerte angewiesen sind. Genau hier beginnt die technische Herausforderung: Ein THC Liquid ist kein reiner Wirkstoff, sondern ein komplexes Gemisch, dessen Zusammensetzung, Viskosität und thermisches Verhalten die Freisetzung bestimmen. Ob eine Dosis im Milligramm-Bereich am Ende tatsächlich in den Blutkreislauf gelangt, hängt zudem von Atemtechnik, Gerätegeometrie und der Verteilung in der Lunge ab.
Damit ein inhalierter Wirkstoff planbar wird, muss das Aerosol selbst messbar werden. Entscheidend ist die Partikelgröße, weil sie steuert, ob Aerosolpartikel bereits im Mund-Rachen-Raum abgeschieden werden oder bis in die tieferen Atemwege gelangen. Als grobe Orientierung gilt, dass Teilchen unter 5 µm leichter in der Lunge deponieren, während größere Tröpfchen häufiger vorher abgefangen werden. Bei Geräten, die ursprünglich für Nikotin entwickelt wurden, kommen weitere Variablen hinzu, etwa Heizleistung, Luftstrom und die chemische Stabilität der Trägerflüssigkeit. Das erklärt, warum Forscher in der Debatte über E-Zigaretten immer wieder zwischen potenziellem Nutzen und potenziellen Belastungen unterscheiden. Für ein THC Liquid im medizinischen Kontext wird diese Abwägung noch strenger, weil die Anforderungen an Reinheit und Reproduzierbarkeit näher an Arzneimittelstandards liegen. Genau deshalb gewinnt die Vaporizer Technologie als Mess- und Dosierplattform an Bedeutung, auch wenn viele Daten bislang aus Laboraufbauten stammen und erst in klinischen Studien bestätigt werden müssen.
Ein aktueller Ansatz kommt aus der Arzneistofftechnik, in der Verdampfer nicht als Lifestyle-Produkt, sondern als Inhalationssystem betrachtet werden. In Mercier et al. 2026 wurden zwei Geräteklassen gegenübergestellt, ein CE-gekennzeichnetes System für den medizinischen Einsatz und ein handelsüblicher Pen, wobei die Forscher die Abgabe unter standardisierten Zugprofilen quantifizierten. Getestet wurden vier Formulierungen, darunter Lösungen mit 20 mg/mL und 40 mg/mL THC in 1,3-Propanediol sowie Destillate mit und ohne Terpenzusatz. Statt subjektiver Eindrücke standen Messgrößen im Vordergrund: die Aerosolmasse pro Zug in Milligramm, die respirable Dosis in Mikrogramm und die aerodynamische Partikelverteilung, erfasst unter anderem mit einem Next Generation Impactor. Die resultierenden Aerosole lagen im submikroskopischen Bereich, mit einer massenmedianen aerodynamischen Partikelgröße von 0,89 bis 0,99 µm, und die Feinstfraktion unter 5 µm erreichte Werte von 99,17 % bis 100 %. Solche Zahlen sind mehr als Laborstatistik, weil sie anzeigen, dass ein THC Liquid prinzipiell so vernebelt werden kann, dass ein großer Anteil der Teilchen physikalisch überhaupt für eine tiefe Lungenablagerung geeignet ist.
Aus Sicht der Inhalationsmedizin ist damit jedoch noch nicht geklärt, wie viel THC am Ende systemisch verfügbar wird. Ein Aerosol kann in der Lunge deponieren, ohne dass die volle Masse auch in den Blutkreislauf übertritt, etwa durch Anlagerung an Schleim, Rücklösung in Tröpfchen oder Ausatmung eines Teils der Wolke. Gerade bei lipophilen Molekülen wie THC beeinflussen Trägerstoff, Tröpfchenviskosität und Temperaturverlauf, in welcher Zeit der Wirkstoff aus der Partikelmatrix freigesetzt wird. Die Bioverfügbarkeit kann daher zwischen Geräten, Einstellungen und Anwendern schwanken, selbst wenn die gemessene Partikelgröße ähnlich bleibt. Für Forscher ist das dennoch ein wichtiger Schritt, weil die Aerosolphysik die obere Grenze dessen definiert, was klinisch überhaupt erreichbar ist. Wenn ein System überwiegend Teilchen im Bereich weniger Mikrometer erzeugt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Dosis den Ort erreicht, an dem rasche Resorption stattfinden kann. Die gleiche Logik macht auch deutlich, warum Qualitätskontrolle in der Vaporizer Technologie relevant wird: Nur wenn Partikelgrößen, Temperaturfenster und Zugprofile reproduzierbar sind, lässt sich eine Pharmakokinetik sinnvoll modellieren.
Der stärkste Praxishebel in der Studie war nicht die chemische Rezeptur, sondern die Streuung von Zug zu Zug. Für das medizinische Ziel einer Dosissteuerung ist entscheidend, ob ein Gerät bei identischem Puff eine ähnliche Aerosolmasse liefert oder ob die abgegebene Menge driftet, sobald sich Temperatur und Luftstrom geringfügig ändern. Das medizinische System erzeugte im Versuch eine Aerosolmasse von ungefähr 6 mg pro Zug mit geringer Variabilität, während der Pen zwar höhere Mengen lieferte, aber deutlich ungleichmäßiger. Auch die respirable Dosis unterschied sich stark: Je nach Konzentration wurden beim kontrollierten Gerät etwa 50 µg oder 95 µg THC pro Zug als lungengängige Fraktion bestimmt, beim Pen lagen die Werte im Bereich von 1,7 mg bis 2,0 mg pro Zug. Beide Systeme erreichten Transferwirkungsgrade von etwa 45 % bis 54 %, was darauf hindeutet, dass ein erheblicher Teil des Wirkstoffs den Schritt vom Reservoir in das Aerosol schafft. Für ein THC Liquid sind solche Kennzahlen zentral, weil sie die Bandbreite zeigen, in der identische Wirkstoffmengen je nach Technik entweder als Mikrodosis oder als deutlich größere Abgabe am Patienten ankommen können.
Die Daten zeigen gleichzeitig, warum Konsumgeräte nur begrenzt als medizinische Plattform taugen, selbst wenn die Partikelphysik grundsätzlich passt. Für medizinisches Cannabis geht es nicht nur um den Wirkstoff, sondern um reproduzierbare Abgabe, definierte Reinheit und nachvollziehbare Dosisangaben, ähnlich wie bei anderen inhalierbaren Arzneien. Das betrifft auch Hilfsstoffe: Lösungsmittel wie 1,3-Propanediol oder andere Träger können das thermische Profil verändern und damit die Bildung von Nebenprodukten beeinflussen, was in toxikologischen Prüfungen berücksichtigt werden muss. Zudem entscheidet die Gerätegeometrie, ob Kondensation in der Kartusche oder im Mundstück auftritt und wie stark sich ein THC Liquid während eines Zuges lokal abkühlt oder überhitzt. Die praktische Konsequenz ist eine Verschiebung von der Bastellogik hin zu standardisierten Spezifikationen, wie sie bei medizinischem Cannabis ohnehin gefordert wird. Für Forscher öffnet das eine klare Forschungsagenda: Geräte müssen nicht nur THC abgeben, sondern eine definierte Dosis pro Atemzug, damit klinische Studien Ergebnisse sauber mit Pharmakokinetik und Wirkung verknüpfen können.
Wie stark die Pharmakokinetik vom Applikationsweg abhängt, zeigen klinische Daten aus inhalierbaren Systemen, die unabhängig von klassischem Dampfen entwickelt wurden. In Almog et al. 2020 erhielten 27 Patienten in einem randomisierten Cross-over-Design Einzeldosen von 0,5 mg oder 1 mg Δ9-THC als inhalierbare Gabe, und die Forscher bestimmten die Plasmaspiegel bis 150 min nach der Inhalation. Der maximale Plasmaspiegel lag im Mittel bei 14,3 ng/mL für 0,5 mg und bei 33,8 ng/mL für 1 mg, jeweils mit deutlicher Streuung zwischen den Probanden, während der Zeitpunkt des Maximums mit etwa 4 min sehr früh erreicht wurde. Solche Zeitkonstanten erklären, warum inhalierte Systeme als Option diskutiert werden, wenn ein schneller Wirkungseintritt therapeutisch relevant ist. Gleichzeitig wird sichtbar, wie stark die Dosisfrage die Interpretation prägt: Schon im Milligramm-Bereich unterscheiden sich Konzentrationen, Flächen unter der Kurve und Nebenwirkungen, weshalb genaue Abgabe nicht nur Komfort, sondern Voraussetzung für belastbare Nutzen-Risiko-Bilanzen ist.
Überträgt man diese Logik auf ein THC Liquid, wird die Brücke zwischen Laborphysik und klinischer Anwendung greifbar. Wenn ein Verdampfer die respirable Dosis in Mikrogramm-Schritten stabil liefert, könnte ein Arzt Zielbereiche für Plasmakonzentrationen definieren und die Gabe schrittweise an Symptome und Verträglichkeit anpassen. Genau hier liegt der potenzielle Vorteil gegenüber oralen Formen, deren Wirkungseintritt oft verzögert ist und deren Resorption durch Magenfüllung, Leberenzyme und Fettgehalt der Nahrung schwankt. Die Kehrseite ist, dass inhalative Produkte zusätzliche Sicherheitsfragen mitbringen, weil Aerosolpartikel nicht nur Wirkstoffträger, sondern auch Vektoren für thermische Zersetzungsprodukte und Verunreinigungen sein können. Für eine belastbare Bewertung braucht es daher klinische Studien, die Bioverfügbarkeit, Atemwegsbelastung und Langzeiteffekte gemeinsam quantifizieren, statt nur subjektive Effekte zu erfassen. Die aktuellen Messdaten liefern dafür vor allem ein Werkzeug: Sie machen sichtbar, welche technische Präzision bereits möglich ist und wo die großen Unsicherheiten beginnen, sobald reale Nutzung, unterschiedliche Zugmuster und komplexe Formulierungen ins Spiel kommen.
Journal of Drug Delivery Science and Technology, Aerosolized THC for medical use: assessing the potential of vaping technology as a drug delivery device; doi:10.1016/j.jddst.2025.107758
European Journal of Pain, The pharmacokinetics, efficacy, and safety of a novel selective‐dose cannabis inhaler in patients with chronic pain: A randomized, double‐blinded, placebo‐controlled trial; doi:10.1002/ejp.1605