Keine Entzugserscheinungen

Medikament gegen Cannabissucht zeigt hohe Wirksamkeit

Robert Klatt

Gehirn eines Cannabissüchtigen )kcotS ebodAakcin0rev(Foto: © 

Ein neues Medikament reduziert die positiven Stimmungseffekte von Cannabis. Die drogensüchtigen Probanden konnten dadurch ihren Konsum stark reduzieren, ohne dass es zu Entzugserscheinungen kam.

Bordeaux (Frankreich). Ein Mensch mit einer Cannabiskonsumstörung (CUD), die auch als Cannabissucht oder Marihuanasucht bezeichnet wird, kann seinen Cannabiskonsum nicht reduzieren, obwohl dieser bei ihm bereits Probleme verursacht. Medikamente gegen die Sucht, die unter anderem das Thromboserisiko erhöht, sind bisher nicht zugelassen. Forscher der Columbia University Irving Medical Center (CUIMC) und des französischen Biopharmaunternehmen Aelis Farma haben nun Ergebnisse einer klinischen Phase-2a-Studie mit dem Mittel AEFO117 publiziert.

Laut der Publikation im Fachmagazin Nature Medicine kompensiert AEFO117 den durch Tetrahydrocannabinol (THC) ausgelösten Rauschzustand. Die Auswirkungen von Cannabis bei regelmäßigem Konsum werden dadurch signifikant reduziert, ohne dass das Medikament die Funktionen der Typ-1-Cannabinoidrezeptoren des Gehirns, die unter anderem das Gedächtnis, den Schlaf und das Essverhalten steuern, beeinflusst.

Hohe Wirksamkeit in klinischer Studie

Die 29 Probanden mit CUD der klinischen Phase-2a-Crossover-Studie erhielten in einer 5-Tage-Phase eine von zwei verschiedenen Dosen von AEF0117 oder ein Placebo. Laut den Bewertungen der Teilnehmer hat das Medikament die cannabisbezogenen positiven Stimmungseffekte im Mittel um 38 Prozent reduziert. Die Probanden reduzierten daraufhin ihren Cannabiskonsum, weil die erwünsche Wirkung der Droge ausbliebt. Es kam dabei auch bei Probanden, die zuvor mehrere Gramm Cannabis pro Tag rauchten, zu keinerlei Entzugserscheinungen.

Erstes Medikament einer neuer Klasse

Das Medikament AEF0117 ist das erste Medikament der neuen pharmakologischen Klasse CB1-SSi. Es nutzt einen bisher einzigartigen Wirkmechanismus, der es ermöglicht, die zellulären Signale der CUD zu hemmen. zellulären Signale wirkt somit deutlich anders als frühere CB1-Rezeptorantagonisten, bei denen es zu starken Nebenwirkungen kam, weil diese alle CB1-Rezeptoraktivitäten beeinflusst haben. Entdeckt wurde der natürliche Gehirnmechanismus von Forscher um Dr. Pier Piazza, dem CEO von Aelis Farma.

„Der Artikel in Nature Medicine ist die Krönung von mehr als einem Jahrzehnt Forschung, von der Entdeckung dieses natürlichen Gehirnmechanismus bis zu unserer klinischen Machbarkeitsstudie. Wir freuen uns, mit einer Klasse von Medikamenten beitragen zu können, die noch nie zuvor beim Menschen getestet wurden.“

Bis das Medikament im klinischen Alltag verwendet werden kann, sind weitere Studien mit größeren Probandengruppen nötig. Verlaufen auch diese erfolgreich, kann das Unternehmen bei der Food and Drug Administration (FDA) eine Zulassung für die U.S.A. beantragen. Allein in den U.S.A. leiden etwa 14 Millionen Menschen unter einer CUD.

Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-023-02381-w

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