Arbeitsproduktivität und Co.

Long Covid verursacht bis zu 115 Milliarden Euro Langzeitkosten

 Robert Klatt

Frau leidet unter Long Covid )moc.sotohptisoped22beegroeg(Foto: © 

Long Covid verursacht bis 2035 Gesamtkosten von bis zu 115,3 Milliarden Euro. Diese entstehen sowohl durch die höhere Belastung des Gesundheitssystems als auch durch die geringere Arbeitsproduktivität.

Paris (Frankreich). Long Covid sind anhaltende oder neue Beschwerden nach einer Infektion mit Covid-19, die über mehrere Monate bestehen können. Zu den typischen Symptomen gehören Erschöpfung, Atemprobleme sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, die je nach Person unterschiedlich stark ausgeprägt sind und zu starken Einschränkungen im Alltag führen können. Wissenschaftler der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben nun analysiert, welche ökonomischen Effekte die Krankheit in den kommenden zehn Jahren auslösen wird.

Die Analyse zeigt, dass Long Covid bis 2035 Kosten von 58,54 Milliarden bis 115,3 Milliarden Euro verursachen wird, also Kosten, die höher sind als die Gesamtkosten des spanischen Gesundheitssystems. Die Krankheit reduziert das Bruttoinlandsprodukt (BIP) somit um 0,1 bis 0,2 Prozent.

Gesundheitskosten durch Long Covid

Laut der OECD entfallen rund 9,5 Milliarden Euro pro Jahr auf Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen. Long Covid erhöht zudem das Risiko für andere chronische Krankheiten, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, die das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren ebenfalls stark belasten werden. Die genauen ökonomischen Auswirkungen werden deshalb erst mittel- bis langfristig sichtbar.

Long Covid hat außerdem einen starken Einfluss auf den Bildungs- und Arbeitsbereich. Die oft lang anhaltenden Symptome führen dazu, dass der Bildungsstand von vielen Kindern abnimmt. Die dadurch entstehenden wirtschaftlichen Aspekte können nur schwer berechnet werden.

Geringere Produktivität auf der Arbeit

Die analysierten Daten zeigen zudem, dass Long Covid bei vielen Betroffenen zu einer Unterbrechung der Beschäftigung (20 %) oder einer geringeren Produktivität auf der Arbeit führt. Laut dem Bericht kann eine bessere Gesundheits- und Sozialfürsorge den Gesundheitszustand von Menschen mit Long Covid schneller verbessern und ihnen dabei helfen, ihre ursprüngliche Produktivität zurückzuerlangen. Entsprechende Pläne, die die Wiedereingliederung in das Berufsleben vereinfachen sollen, haben bisher aber nur Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und die Niederlande erarbeitet.

„Während chronische Erkrankungen wie Schlaganfall und Multiple Sklerose den größten Teil ihrer Kosten durch Ausgaben für das Gesundheitswesen und informelle Pflege verursachen, ergibt sich die anhaltende Belastung durch Long Covid hauptsächlich aus einer geringeren Erwerbsbeteiligung und Produktivitätseinbußen, was eine breitere makroökonomische Auswirkung widerspiegelt als die medizinischen Ausgaben allein.“

Quellen:

Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), doi: 10.1787/119b0e8f-en

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