Coronavirus SARS-CoV-2

Long COVID - 76 Prozent der Covid-Patienten haben Spätfolgen

Robert Klatt

Ein Großteil der Covid-19-Patinenten zeigt sechs Monate nach der Klinikentlassung noch mindestens ein Krankheitssymptom.

Wuhan (China). Patientendaten aus aller Welt zeigen, dass Covid-19 die Gesundheit des Menschen nicht nur während der akuten Infektion angreift, sondern häufig auch Spätfolgen zum Beispiel in der Lunge hinterlässt. Weitere Spätfolgen, die auch bei milden Krankheitsverläufen noch Wochen nach der Infektion auftreten können, sind neurologische Ausfälle, Muskelschwäche, Herzentzündungen und in wenigen Fällen sogar Diabetes-Typ-1 und Parkinson.

Wissenschaftler um Chaolin Huang vom Jin Yin-tan Hospital in Wuhan haben nun im Fachmagazin The Lancet die bisher längste und detaillierteste Studie zu den Spätfolgen von Covid-19 publiziert. Sie befragten dazu 1.733 Patienten nach ihrer Entlassung auch dem Krankenhaus sechs Monate zu ihrem Gesundheitszustand. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 57 Jahren, vier Prozent wurden aufgrund von Covid-19 auf der Intensivstation behandelt. Covid-19-Patienten, die nicht stationär behandelt wurden, wurden in der Studie nicht berücksichtigt. D

Spätfolgen bei 76 Prozent der Covid-19-Patienten

Jin Yin-tan: „76 Prozent der Patienten litten noch sechs Monate nach Beginn ihrer Erkrankung unter mindestens einem Symptom.“

Ein Großteil (63 %) der Patienten berichtete von chronischer Müdigkeit und Muskelschwäche. Weitere häufige Symptome waren Schlafstörungen (26 %) und Angststörungen oder Depressionen (23 %). Einige Patienten (13 %). Entwickelten außerdem Nierenprobleme, obwohl während der Behandlung im Krankenhaus keine Störung der Nierenfunktion diagnostiziert wurde. Beobachtet wurde diese Spätfolgen sowohl von Patienten mit schweren als auch mit milden Covid-19-Krankheitsverläufen.

Lungenfunktion eingeschränkt

Laut der Studie gibt es überdies eine weitere Gruppe an Spätfolgen, deren Auftrittswahrscheinlichkeit im Verhältnis zur Schwere der akuten Covid-19-Infektion ansteigt. Mehr als die Hälfte (56 %) der Patienten, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, berichteten von einer eingeschränkten Lungenfunktion. Bei Patienten, die während ihrer Akutphase nur zusätzlichen Sauerstoff erhielten, die aber noch selbst atmeten, ist der Anteil (29 %) deutlich geringer. Bei Patienten, die im Krankenhaus die weder künstlich beamtet, noch mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt wurden, war eine eingeschränkte Lungenfunktion noch seltener (22 %).

Auch bei der Muskelschwäche ist ein Zusammenhang mit der Schwere der akuten Krankheit sichtbar. Fast ein Drittel (29 %) der beamteten Patienten konnte in den kommenden nach Covid-19 keinen Gehtest mit normaler Leistung abschließen. Bei Covid-19-Patienten mit einem weniger schweren Verlauf haben weniger Personen (22 %) den sechsminütigen Gehtest mit unterdurchschnittlichen Leistungen abgeschlossen.

Nachsorge und Rehabilitation bei Covid-19 nötig

Bin Cao: „Weil Covid-19 eine so neue Krankheit ist, beginnen wir erst zu verstehen, welche Langzeitfolgen dies für die Gesundheit der Patienten haben kann. Unsere Analyse zeigt, dass die meisten Patienten auch nach ihrer Entlassung aus der Klinik unter einigen Symptomen leiden.“

Die Studienergebnisse verdeutlichen somit, dass Covid-19 nicht mit der Entlassung aus dem Krankenhaus überstanden ist, sondern eine sorgfältige Nachsorge und Rehabilitation nötig sind.

Überdies sind laut den Wissenschaftlern weitere Studien mit anderen Populationen nötog, um die Spätfolgen von Covid-19 besser verstehen zu können.

Bin Cao: „Nur so können wir das volle Spektrum der Effekte verstehen, die Covid-19 auf Menschen haben kann.“

The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(20)32656-8

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