Krebstherapie

Lichttherapie tötet 92 Prozent Hautkrebszellen mit LED Licht

 Dennis L.

(KI Symbolbild). Licht kann mehr als sichtbar machen, es kann auch gezielt Energie in Gewebe bringen. In der Lichttherapie entscheidet die Kombination aus Wellenlänge, Leistungsdichte und Material darüber, ob Wärme dort entsteht, wo sie therapeutisch nützt. Neue Nanomaterialien sollen die lokale Erwärmung in Tumoren verstärken, ohne benachbarte Zellen mitzunehmen. Entscheidend ist am Ende, wie selektiv sich der Effekt in biologischen Tests nachweisen lässt. )IKnessiW dnu gnuhcsroF(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • LED Licht trifft Krebszellen durch Photothermie gezielt

Eine Lichtquelle, die eher nach Alltag klingt als nach Hightech, rückt in der Krebsforschung in den Fokus. Im Zentrum steht Nahinfrarotlicht um 810 nm, das in Gewebe vergleichsweise tief eindringen kann und Wärme an einem sehr kleinen Ort erzeugen soll. Entscheidend ist dabei ein Nanomaterial, das Lichtenergie mit hoher Effizienz in Wärme umsetzt. Ob daraus eine praktikable Lichttherapie wird, hängt an Messwerten wie Temperaturanstieg, Stabilität und der Reaktion verschiedener Zelltypen.

Wenn Licht zur Behandlung eingesetzt wird, geht es nicht um Beleuchtung, sondern um Energietransport. Phototherapien nutzen Photonen, um entweder chemische Reaktionen anzustoßen oder Wärme zu erzeugen, und genau diese Wärme kann Zellen über ihren Toleranzbereich drücken. Besonders attraktiv ist Nahinfrarotlicht, weil es im Vergleich zu sichtbarem Licht weniger stark an oberflächlichen Strukturen gestreut und absorbiert wird und dadurch eine größere Eindringtiefe erreichen kann. Gleichzeitig bleibt die Physik gnadenlos: Auch Nahinfrarotlicht deponiert Energie entlang seines Weges, und die Frage lautet immer, wie sich die Energieabgabe auf einen Zielort konzentrieren lässt. Bei Licht spielen Wellenlänge, Intensität und Bestrahlungsdauer zusammen, und die biologische Antwort hängt von Temperaturgradienten, Sauerstoffversorgung und zellulären Stressreaktionen ab, die schon bei moderaten Temperaturerhöhungen messbar werden.

Die Idee der photothermischen Therapie ist, Tumorgewebe lokal zu erhitzen, ohne den Organismus systemisch zu belasten. Im Gegensatz zu medikamentösen Ansätzen verteilt sich Wärme nicht über Blutkreislauf und Stoffwechsel, sondern entsteht dort, wo Strahlung absorbiert wird. Für oberflächennahe Tumoren ist das grundsätzlich attraktiv, weil sich die Geometrie der Bestrahlung und die Energiedosis technisch präzise einstellen lassen. Trotzdem bleibt die Selektivität die zentrale Hürde: Ohne einen Verstärker absorbieren viele Gewebearten Nahinfrarotlicht nur begrenzt, was hohe Leistungsdichten erfordern kann. Genau hier kommen Nanomaterialien ins Spiel, die Licht in Wärme umsetzen und sich idealerweise an Tumorzellen anlagern oder zumindest lokal applizieren lassen. Bei Hautkrebs ist der klinische Bedarf an schonenden Verfahren besonders hoch, weil frühe Läsionen häufig gut zugänglich sind, Rückfälle aber lokal auftreten können und Nachbehandlungen die Lebensqualität stark beeinflussen.

Warum Nahinfrarotlicht für Wärmebehandlung geeignet ist

Nahinfrarotlicht wird in der Medizin oft als Kompromiss zwischen Eindringtiefe und kontrollierbarer Energieabgabe betrachtet. Je nach Gewebe, Pigmentierung und Wassergehalt variiert die Absorption, doch im nahinfraroten Spektralbereich können Photonen typischerweise tiefer vordringen als kurzwelliges sichtbares Licht. Für eine Wärmebehandlung ist das relevant, weil die Temperaturerhöhung nicht allein von der eingestrahlten Leistung abhängt, sondern auch davon, wie schnell Wärme abgeführt wird. Blutfluss, Wärmeleitfähigkeit und Geometrie eines Tumors bestimmen, ob ein lokaler Hotspot entsteht oder sich die Wärme verteilt. Eine LED Quelle liefert im Vergleich zu Lasern meist weniger Kohärenz und andere Strahlprofile, was das Risiko extrem fokaler Überhitzung verringern kann, aber die notwendige Energiedosis bleibt trotzdem messbar und muss biologisch verträglich sein. Genau deshalb sind belastbare Kenngrößen wie Leistungsdichte, Bestrahlungszeit und Temperaturanstieg so entscheidend, bevor über Anwendungsszenarien nachgedacht werden kann.

Von Zinnsulfid zu Zinnoxid Nanoflocken

Im Zentrum des Ansatzes stehen extrem dünne, zweidimensionale Partikel aus zinnbasierten Verbindungen, die als Nanoflocken in Wasser dispergiert werden können. In der zugrunde liegenden Arbeit werden zwei Materialklassen gegenübergestellt: defektreiches Zinnsulfid und ein gemischtphasiges Zinnoxid, das durch elektrochemische Oxidation und Exfoliation hergestellt wurde. Charakterisiert wurden die Partikel unter anderem über Dickenmessungen unter 20 nm und laterale Ausdehnungen unter 400 nm, was für die Wechselwirkung mit Licht und die Wärmeabgabe relevant ist. Entscheidend ist, dass das Zinnoxid nicht als perfekter Kristall vorliegt, sondern aus sehr kleinen, miteinander verbundenen Nanokristallen besteht, die im Bereich unter 5 nm liegen können und dadurch nichtstrahlende Relaxationspfade begünstigen. Solche Pfade bedeuten in der Praxis: Ein größerer Anteil der absorbierten Photonenenergie endet als Wärme statt als Lichtemission. Wer sich auf der Seite Nanopartikel mit ähnlichen Konzepten beschäftigt, erkennt das wiederkehrende Prinzip, dass Struktur, Defekte und Phasenmischung die makroskopische Funktion eines Materials oft stärker prägen als der reine Grundstoff.

So wurde die Wirkung gemessen, von Temperatur bis Zellviabilität

Die Messstrategie kombiniert physikalische Kennwerte der Erwärmung mit biologischen Endpunkten in der Zellkultur. Unter Bestrahlung mit 810 nm Licht wurde zunächst der Temperaturanstieg einer Dispersion verfolgt, wobei eine Konzentration von 3 mg pro Milliliter nach 30 Minuten eine Erwärmung um etwa 19 K zeigte. Zusätzlich wurde für eine niedrigere Konzentration von 0,25 mg pro Milliliter eine photothermische Konversionseffizienz von 93 Prozent berichtet, was die Rolle des Materials als Wärmeumsetzer quantifiziert. Für die biologischen Tests wurden Tumorzelllinien für Hautkarzinom und Kolorektalkarzinom sowie humane Hautfibroblasten als Vergleich herangezogen. Bei einer Partikelkonzentration von 100 bis 200 µg pro Milliliter und 30 Minuten LED Bestrahlung mit einer Leistungsdichte von 115,2 mW pro Quadratzentimeter, das entspricht 1152 W pro Quadratmeter, sank die Viabilität der Hautkarzinomzellen um 92 Prozent und die der Kolorektalkarzinomzellen um 50 Prozent, während die Fibroblasten unter denselben Bedingungen keine Zytotoxizität zeigten. Die Autoren beschreiben die photothermische Therapie damit als selektiv unter den getesteten Bedingungen in vitro.

Was die Ergebnisse bedeuten und welche Hürden bleiben

So eindrucksvoll Zahlen aus Zellkultur wirken, sie sind erst der Anfang der Übersetzung in reale Medizin. In vitro sind Gewebeaufbau, Durchblutung und Immunantwort nicht abgebildet, und genau diese Faktoren entscheiden im Körper darüber, wie Wärme verteilt wird und wie stark ein Tumor tatsächlich geschädigt wird. Auch die optischen Bedingungen ändern sich: Streuung, Absorption durch Blut und Wasser sowie die tatsächliche Eindringtiefe von Nahinfrarotlicht können die Dosis am Zielort deutlich reduzieren. Für oberflächennahe Indikationen ist das günstiger als für tiefer liegende Tumoren, weshalb der Ansatz besonders plausibel für lokale Anwendungen wirkt, etwa als Ergänzung nach einer Entfernung von Tumorgewebe. Positiv ist die berichtete Stabilität der Zinnoxid Nanoflocken über mehrere Bestrahlungszyklen, weil wiederholte Anwendungen in der Praxis häufig nötig sind. Gleichzeitig bleibt offen, wie die Partikel im Gewebe verteilt werden, wie lange sie lokal verbleiben und welche Dosisgrenzen sich in lebenden Modellen ergeben. Wer die Details der photothermische Therapie im Original nachlesen will, findet sie in der ACS Nano Studie 2025 und kann dort Methodik und Messwerte im Kontext einordnen.

ACS Nano, SnOx Nanoflakes as Enhanced Near-Infrared Photothermal Therapy Agents Synthesized from Electrochemically Oxidized SnS2 Powders; doi:10.1021/acsnano.5c03135

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