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Wissenschaftler warnen

Künstlicher Pockenvirus könnte Millionen Menschen töten

Forscher befürchten, dass in Zukunft künstlich hergestellte Viren Millionen Menschen töten könnten. Sie wollen weitere Forschung in diese Richtung aufgrund der großen Gefahr verhindern.

Edmonton (Kanada). Eigentlich wurde der Pockenvirus durch eine globale Impfkampagne der WHO im Jahr 1977 besiegt. Allein im vergangenen Jahrhundert sind bis zu 500 Millionen Menschen an Pocken gestorben. Der Krankheitserreger zählt damit zu den tödlichsten der gesamten Menschheitsgeschichte. Inzwischen existiert der Pockenvirus offiziell nur noch an weltweit zwei Orten, nämlich in Atlante (U.S.A.) am Forschungszentrum Seuchenbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) und in Kolzowo (Russland) in der Nähe von Nowosibirsk.

Wissenschaftler warnen nun eindringlich vor künstlich im Labor herstellten Erregern der tödlichen Krankheit. Virologen der University of Alberta in Edmonton haben besorgniserregende Experimente dazu durchgeführt. Die Ergebnisse des Experiments mit dem ebenfalls als ausgestorbenen geltenden Pferdepockenvirus wurden im Fachjournal PLOS One veröffentlicht. Den Wissenschaftlern gelang es, aus DNS-Fragmenten den Pferdepockenvirus wiederherzustellen.

Künstliche Viren aus dem Labor

Laut eigenen Angaben des Teams haben sie das bisher größte künstliche Virus erzeugt, indem sie Genabschnitte zusammengefügt haben. Aufgrund der großen Gefahren wird die Forschung kritisch gesehen. Evans gibt an, durch die Forschung Grundlagen für neue sichere Viren-Impfstoffe zu legen. Andere Wissenschaftler befürchten, dass die Forschungsergebnisse in den falschen Händen missbraucht werden können. Es wäre auch möglich für den Menschen tödliche Viren aus vorhandenem Erbmaterial künstlich neu zu erzeugen.

Tom Frieden der frühere Leiter des CDS sagte dazu in einem Interview: "Es ist eine schöne neue Welt dort draußen, die einigen Personen mittlerweile die Möglichkeit bietet, Organismen zu rekonstruieren, die es in der Vergangenheit gegeben hat, oder auch solche, die nie zuvor existiert haben". Nachdem die Forschungsergebnisse nun in die Öffentlichkeit gelangt sind, mehreren sich kritische Stimme die sich darüber einig sind, dass die Forschung große Gefahren birgt.

Experimente nicht notwendig

Thomas Inglesby, Infektiologe von der Johns Hopkins University bezeichnete die Publikation als "schweren Fehler". Er erklärte gegenüber dem Fachmagazin Science: "Die Welt ist nun verwundbarer gegenüber dem Pockenvirus". Außerdem bezweifeln einige Wissenschaftler die Notwendigkeit der Experimente, da Impfstoffe gegen den Pockenvirus und andere tödliche Viren seit längerem verfügbar sind.

Andreas Nitsche vom Robert Koch-Institut in Berlin erklärte, dass die Veröffentlichung eine Anleitung sei: "Wenn jemand das Pockenvirus wieder auferstehen lassen will, dann hat er den entsprechenden Bauplan nun an einem Ort beisammen." Das Team rund um Evans ignoriert die Kritik der Fachwelt weitestgehend. Er erklärte, dass "sie nun in ihrem Forschungslabor diese Technologie auch bei anderen Pockenviren einsetzen wollen."

Auch Michael Osterholm, der aktuell das CDC leitet, sieht großes Missbrauchspotential in den Forschungsergebnissen. "Wir hätten eigentlich nicht erwartet, dass dieser Nachbau von einer Universität wie Alberta kommt. Sie ist nicht unbedingt eine führende Institution für Mikrobiologie und synthetische Biologie. Wir fragen uns schon: An welchen Orten werden nun ähnliche Arbeiten durchgeführt?"

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