Kaum ein Thema wird so leidenschaftlich diskutiert wie die richtige Ernährung. Eine Studie liefert nun neuen Stoff für den Streit: Menschen mit Übergewicht, Prädiabetes und Fettleber verloren mit einer ketogenen Diät, einer Mittelmeerkost und einer fettarmen Pflanzenkost gleich viel Gewicht. Doch das Fett in ihrer Leber schwand unter der ketogenen Diät deutlich stärker. Die Studie hat allerdings Grenzen, die für die Einordnung wichtig sind.
Die Fettleber gehört zu den häufigsten Lebererkrankungen und hängt eng mit Übergewicht und gestörtem Zuckerstoffwechsel zusammen. Wenn sich Fett in der Leber ansammelt, reagiert das Organ schlechter auf Insulin, der Blutzucker steigt, und es kann sich ein Diabetes entwickeln. Die wichtigste Behandlung ist eine Gewichtsabnahme. Wie diese am besten gelingt, ist jedoch umstritten. Die Mittelmeerkost gilt vielen Fachleuten als besonders gesund, weil sie auf Gemüse, Olivenöl, Nüsse und maßvolle Mengen Fisch und Milchprodukte setzt. Fettarme, pflanzenbetonte Diäten werden ebenfalls häufig empfohlen. Die ketogene Diät dagegen ist umstritten, weil sie fast ohne Kohlenhydrate auskommt und viel Fett enthält, darunter gesättigte Fettsäuren aus tierischen Produkten, die mit einem höheren Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht werden. Wird der Körper kaum mit Kohlenhydraten versorgt, stellt er seinen Stoffwechsel um und verbrennt verstärkt Fett, wobei die Leber sogenannte Ketonkörper bildet. Dieser Zustand heißt Ketose.
Ob die Zusammensetzung der Nahrung bei gleicher Gewichtsabnahme einen Unterschied für den Stoffwechsel macht, wollte ein Team um den Mediziner Samuel Klein von der Washington University School of Medicine in St. Louis klären. Viele Diätvergleiche leiden darunter, dass die Teilnehmer unterschiedlich viel abnehmen, sodass sich die Wirkung der Ernährung nicht von der Wirkung des Gewichtsverlusts trennen lässt. Die Forscher wählten deshalb einen besonders aufwendigen Ansatz. Sie verteilten Menschen mit Adipositas, Prädiabetes und Fettleber zufällig auf drei Diäten und stellten ihnen sämtliche Mahlzeiten zur Verfügung. Die Teilnehmer trafen sich jede Woche mit einer Ernährungsberaterin, um bei ihrem Plan zu bleiben. Mehr als 95 Prozent der Studienmahlzeiten wurden nach den Aufzeichnungen tatsächlich gegessen. So ließ sich sicherstellen, dass die Teilnehmer die Diäten tatsächlich einhielten und alle Gruppen ähnlich viel abnahmen. Die Ergebnisse erschienen am 27. August 2026 in der Fachzeitschrift Cell Metabolism.
Für die Studie wurden 55 Erwachsene aufgenommen, 42 von ihnen schlossen sie ab. Die drei Diäten unterschieden sich deutlich in ihrer Zusammensetzung. Bei der ketogenen Diät stammten nur 4 Prozent der Kalorien aus Kohlenhydraten und 73 Prozent aus Fett, davon 23 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Die Mittelmeerkost lieferte etwa 50 Prozent der Kalorien aus Kohlenhydraten und 35 Prozent aus Fett. Die fettarme, pflanzenbetonte Kost bestand zu rund 70 Prozent aus Kohlenhydraten und zu 15 Prozent aus Fett. Nach vier bis fünf Monaten hatten alle drei Gruppen etwa 10 Prozent ihres Körpergewichts verloren. Doch in der Leber zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Das Leberfett sank unter der ketogenen Diät im Durchschnitt um 67 Prozent, in den beiden anderen Gruppen um jeweils etwa 45 Prozent. Die Ketogruppe verbesserte zudem die Insulinempfindlichkeit ihrer Leber zwei- bis dreimal stärker, wie eine Zusammenfassung der Cell-Press-Mitteilung zur Keto-Studie beschreibt.
Auch beim Blutzucker schnitt die ketogene Diät besser ab. Der durchschnittliche Blutzucker über 24 Stunden sank in der Ketogruppe um etwa 20 Prozent, in den anderen beiden Gruppen um rund 8 Prozent. Nach vier bis fünf Monaten erfüllte etwa die Hälfte der Teilnehmer mit ketogener Ernährung nicht mehr die Kriterien für einen Prädiabetes. In der Mittelmeergruppe waren es 29 Prozent, in der Gruppe mit fettarmer Pflanzenkost nur 7 Prozent. Die Forscher vermuten, dass die sehr geringe Zufuhr von Kohlenhydraten den Körper stärker auf die Verbrennung von Fett umstellt und die Aktivität des Hormons Glukagon erhöht, das den Fettabbau in der Leber fördert. Überraschend war ein weiterer Befund. Trotz des hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren zeigten sich beim LDL-Cholesterin, beim Apolipoprotein B und bei den Blutfetten über 24 Stunden keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Das HDL-Cholesterin, das als schützend gilt, stieg tendenziell nur in der Ketogruppe an. Die befürchtete Verschlechterung der Blutfette blieb damit aus.
So deutlich die Ergebnisse ausfallen, sie gelten nur unter bestimmten Bedingungen. Die Studie war klein, dauerte weniger als fünf Monate und untersuchte eine eng umrissene Gruppe von Menschen mit Adipositas, Prädiabetes und Fettleber. Alle Mahlzeiten wurden gestellt, was im Alltag kaum möglich ist. Ob Menschen eine so strenge Diät, die nahezu vollständig auf Brot, Nudeln, Reis und Obst verzichtet, über Jahre durchhalten, ist fraglich. Zudem fanden andere Studien, dass eine ketogene Ernährung das LDL-Cholesterin erhöhen kann, wenn Menschen dabei nicht abnehmen. Die fehlende Verschlechterung der Blutfette könnte also an der gleichzeitigen Gewichtsabnahme liegen. Die Studie belegt deshalb nicht, dass die ketogene Diät die gesündeste Ernährung für alle ist. Sie zeigt aber, dass die Zusammensetzung der Nahrung für die Leber einen Unterschied machen kann, selbst wenn das Gewicht gleich stark sinkt. Wer eine so einschneidende Umstellung plant, sollte das insbesondere bei Vorerkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten mit einem Arzt besprechen.
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