Die Kalorien im Kaffee sind in den USA über 15 Jahre deutlich gestiegen, obwohl die Menschen kaum mehr Kaffee tranken. Eine Auswertung von Ernährungsdaten aus rund 30.000 Erwachsenen zeigt, dass vor allem zusätzliche Zutaten dafür verantwortlich waren. Überraschend ist, dass pflanzlicher Kaffeeweißer inzwischen mehr Kalorien beisteuert als Zucker oder Milch. Die Ergebnisse beschreiben einen langfristigen Trend und belegen nicht, dass Kaffeeweißer allein zu Gewichtszunahme führt.
Schwarzer Kaffee enthält praktisch keine Kalorien. Wer Kalorien sparen möchte, denkt deshalb oft zuerst an den Zucker, den er in die Tasse gibt. Eine neue Untersuchung der Friedman School of Nutrition Science and Policy an der Tufts University zeigt jedoch, dass diese Rechnung zu kurz greifen kann: Nicht nur die Menge des Kaffees, sondern auch die Zutaten, mit denen er verändert wird, bestimmen den Energiegehalt des Getränks.
Das Forschungsteam wertete Daten von etwa 30.000 US-Amerikanern ab 20 Jahren aus, die zwischen 2003 und 2018 an der nationalen Ernährungs- und Gesundheitsbefragung NHANES teilgenommen hatten. Die Teilnehmer gaben jeweils zweimal an, was sie innerhalb der vorangegangenen 24 Stunden gegessen und getrunken hatten. Die Originalmeldung der Tufts University ordnet die Ergebnisse ein; die Studie erschien im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics. Die zentrale Beobachtung: Die tägliche Kaffeemenge blieb im Mittel nahezu gleich, die damit aufgenommene Energie stieg aber von 43 auf 60 Kilokalorien.
Der Unterschied von 17 Kilokalorien pro Tag wirkt auf den ersten Blick klein. Über ein Jahr gerechnet entspricht er rechnerisch rund 6.200 Kilokalorien. Daraus lässt sich allerdings keine konkrete Gewichtszunahme ableiten, denn der Körperverbrauch, andere Mahlzeiten und Veränderungen im Alltag sind dabei nicht berücksichtigt. Die Zahl beschreibt außerdem einen Durchschnitt über alle Erwachsenen in der Untersuchung, nicht den Wert einer einzelnen Tasse und auch nicht ausschließlich den Konsum regelmäßiger Kaffeetrinker.
Die Forschenden trennten den Kaffee selbst von den Zusätzen. Dazu gehörten unter anderem Milch, Sahne, pflanzliche Milchalternativen, Kaffeeweißer, Zucker, Sirup und Süßstoffe. Auch fertig gemischte Kaffeegetränke und Pulver wurden berücksichtigt; ihre Zutatenmengen schätzte das Team mithilfe passender US-Lebensmitteldatenbanken. So ließ sich nachvollziehen, ob sich der Energiegehalt vor allem durch mehr Kaffee oder durch Veränderungen bei den Zusätzen verschob.
Das Ergebnis fiel deutlich aus: Die Gesamtmenge des konsumierten Kaffees veränderte sich statistisch nicht wesentlich. Zugenommen hatten dagegen nicht-milchbasierte Zusätze. Ihr durchschnittlicher Verbrauch stieg von 3,65 Gramm pro Tag auf 10,5 Gramm. Besonders stark nahm die Verwendung von Kaffeeweißer zu, während die Mengen von Milch und Zucker keinen statistisch signifikanten Anstieg zeigten.
Im letzten untersuchten Zeitraum lieferte nicht-milchbasierter Kaffeeweißer im Durchschnitt 18,5 Kilokalorien pro Tag. Zucker oder Sirup kamen auf 16 Kilokalorien, Milch auf elf. Damit war Kaffeeweißer in dieser Auswertung die größte einzelne Quelle zusätzlicher Energie im Kaffee. Zu Beginn des Beobachtungszeitraums hatte er noch 7,71 Kilokalorien pro Tag beigetragen. Sein Beitrag war also deutlich gewachsen, während die durchschnittliche Kaffeemenge stabil blieb.
Das erklärt sich nicht allein aus der Bezeichnung „pflanzlich“ oder „nicht-milchbasiert“. Kaffeeweißer sind keine einheitliche Produktgruppe: Zusammensetzung und Nährwerte unterscheiden sich je nach Produkt. Manche enthalten pflanzliche Fette, Zucker oder weitere Zutaten, die den Energiegehalt erhöhen können. Die Studie verglich jedoch nicht systematisch einzelne Marken und Produkte und erlaubt daher keine pauschale Aussage über jeden Kaffeeweißer, jede Hafermilch oder jede andere pflanzliche Alternative.
Auch beim Gewicht der Zusätze ergibt sich ein anderes Bild als bei den Kalorien. Milch war mit durchschnittlich 21,4 Gramm pro Tag weiterhin der am häufigsten verwendete Zusatz nach Masse. Kaffeeweißer lag bei 8,1 Gramm, Zucker bei 4,4 Gramm. Ein kleineres Gewicht kann also einen größeren Anteil an der zusätzlichen Energie liefern, wenn die jeweilige Zutat energiereicher ist. Was auf der Waage wenig aussieht, muss deshalb nicht automatisch kalorienarm sein.
Die Untersuchung liefert keine Empfehlung, Kaffee grundsätzlich schwarz zu trinken. Sie zeigt vielmehr, dass sich der Energiegehalt einer alltäglichen Gewohnheit verändern kann, ohne dass sich die Gewohnheit selbst offensichtlich ändert. Wer wissen möchte, wie viele Kalorien das eigene Getränk enthält, sollte deshalb neben Zucker auch Sirup, Sahne, Kaffeeweißer und die jeweilige Portionsgröße berücksichtigen. Bei Fertigpulvern und aromatisierten Produkten hilft ein Blick auf die Nährwerttabelle; besonders relevant sind die Angaben pro tatsächlich verwendeter Portion.
Für die Einordnung von Lebensmitteln ist zudem wichtig, was eine Kalorienangabe überhaupt aussagt. Der Brennwert eines Lebensmittels beschreibt die Energie, die bei seiner Verwertung verfügbar ist. Er allein sagt jedoch nicht, ob ein Lebensmittel insgesamt gesund ist oder wie sich ein einzelnes Getränk auf das Körpergewicht auswirkt. Entscheidend ist die Ernährung über längere Zeit und nicht eine einzelne Zutat isoliert betrachtet.
Wer Kalorien digital erfasst, sollte außerdem bedenken, dass auch Schätzungen nicht immer genau sind. Eine Untersuchung zu KI-gestützten Kalorien-Apps fand bei mehreren Anwendungen systematische Abweichungen bei der Bewertung von Mahlzeiten. Bei Getränken kann es ähnlich leicht passieren, dass Zusätze oder Portionsgrößen nicht vollständig erfasst werden. Für eine möglichst realistische Einschätzung sind konkrete Produktangaben hilfreicher als eine pauschale Annahme, eine Tasse Kaffee habe immer denselben Energiegehalt.
Die Ergebnisse müssen mit Blick auf ihre Grenzen gelesen werden. Die Daten beruhen auf Angaben der Teilnehmer und nicht auf einer lückenlosen Messung jeder konsumierten Tasse. Ernährungsprotokolle über 24 Stunden können unvollständig sein und bilden die Gewohnheiten eines Menschen nicht unbedingt zuverlässig ab. Die Forschenden nutzten mehrere Befragungszeiträume und standardisierte Datenbanken, um die Schätzungen zu verbessern, doch die grundsätzliche Unsicherheit bleibt bestehen.
Außerdem enden die ausgewerteten Daten im Jahr 2018. Sie zeigen, wie sich der Kaffeekonsum in den USA über die vorherigen 15 Jahre verändert hatte, aber nicht, wie sich die Gewohnheiten seitdem entwickelt haben. Auch lassen sich die Zahlen nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen, weil Produktangebote, Portionsgrößen und Trinkgewohnheiten unterschiedlich sein können. Die Arbeit untersuchte zudem weder Gewichtsveränderungen noch Erkrankungen als Folge der Zusätze. Sie kann deshalb nicht belegen, dass der Anstieg der Kaffee-Kalorien Übergewicht verursacht hat.
Der wichtigste praktische Schluss ist entsprechend einfach: Nicht nur der Zucker zählt. Wer seinen Kaffee süßt oder cremiger macht, kann mit einem Blick auf die Zutatenliste und die Nährwerte besser einschätzen, was tatsächlich in der Tasse landet. Die Studie zeigt, dass sich die Zusammensetzung alltäglicher Getränke auf Bevölkerungsebene verändern kann, auch wenn die konsumierte Menge nahezu gleich bleibt. Ob das für eine einzelne Person relevant ist, hängt vor allem davon ab, welche Produkte sie verwendet, wie viel davon in die Tasse kommt und wie sich ihre gesamte Ernährung zusammensetzt.
Yongyi Pan, Bingjie Zhou, Fang Fang Zhang. Trends in the Consumption of Coffee and Coffee Additions Among U.S. Adults Aged 20 Years, The National Health and Nutrition Examination Survey 2003–2018. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics; doi:10.1016/j.jand.2026.156908
Tufts University, Americans Are Putting More Additives—and Calories—in Their Coffee
Mit KI-Unterstützung erstellt
Wählen Sie Forschung und Wissen bei Google als bevorzugte Quelle oder folgen Sie uns per RSS-Feed.