Aerosole

Hohes Covid-19-Infektionsrisiko im Aufzug?

Robert Klatt

Einmaliges Husten einer an Covid-19 erkrankten Person kann für 30 Minuten infektiöse Aerosoltröpfchen in einem Aufzug verteilen. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb in Aufzügen die Nutzung einer Maske mit Aerosolfilter und das Unterlassen von Husten und Sprechen.

Amsterdam (Niederlande). SARS-CoV-2 wird durch Tröpfchen übertragen, die beim Sprechen, Atmen und Husten ausgestoßen werden. Größere Tröpfchen sinken meist in kurzer Zeit zu Boden, können aber auch bis zu 14 Minuten in der Luft bleiben. Aerosole, dies sind winzige Schwebetröpfchen, bleiben hingegen bei ungünstigen Bedingungen mehrere Stunden in der Luft. Ungelüftete Innenräume und andere Bereiche mit fehlender Luftzirkulation sind deshalb ein besonderes Covid-19-Infektionsrisiko.

Wissenschaftler der Universiteit van Amsterdam (UVA) haben aus diesem Grund untersucht, wie hoch das Infektionsrisiko in Aufzugkabinen ist, in denen nur ein geringer Luftaustausch erfolgt und die täglich von vielen Menschen genutzt werden. Besonders in Aufzügen von Arztpraxen und Krankenhäusern ist laut den Autoren der im Fachmagazin indoor Air publizierten Studie das Risiko hoch, den Lift gemeinsam mit oder nach Covid-19-Patienten zu nutzen.

Husten im Aufzug simuliert

Untersucht wurde das Covid-19-Infektionsrisiko, indem die Wissenschaftler um Cees van Rijn mithilfe einer Sprühdose ein einmaliges Husten in einer herkömmlichen Aufzugkabine simulierten. Die Aerosoltröpfchen wurden anschließend mit einem Laser sichtbar gemacht, um ihre Anzahl und Schwebedauer zu erfassen. Während des Experiments waren die Aufzugtüren wie beim normalen Betrieb etwa zehn bis 20 Prozent der Zeit geöffnet.

Aerosoltröpfchen für 30 Minuten im Aufzug

Laut Co-Autor Daniel Bonn „haben die Forscher festgestellt, dass es bei normalem Betrieb zwölf bis 18 Minuten dauert, bevor die Zahl der Aerosolpartikel um den Faktor 100 absinkt.“ Wenn der Aufzug nach dem Husten mit geschlossenen Türen stillsteht, können sich die infektiösen Aerosoltröpfchen für bis zu 30 Minuten in der Luft halten. Das Infektionsrisiko in einem Aufzug besteht also noch lange, nachdem ein mit SARS-CoV-2 akut infizierter Menschen die Kabine verlassen hat.

Tausende RNA-Kopien pro Aufzugfahrt

Wie van Rijn erklärt „enthalten die Speicheltropfen eines leicht erkrankten Covid-19-Patienten können zwischen tausend und einer Milliarde RNA-Kopien des Coronavirus pro Milliliter Flüssigkeit.“ Bereits lautes Sprechen kann deshalb innerhalb des Aufzugs hunderttausende Aerosoltröpfchen pro Minuten freisetzen, ein einmaliger Huster sogar mehrere Millionen Aerosoltröpfchen.

Dies führt laut van Rijn dazu, dass „wenn man die Luft in einer bis zu 15 Kubikmeter großen Kabine einatmet, nachdem ein infizierter Patient dort gesprochen oder gehustet hat, dann kann man dabei je nach Infektiosität des Patienten zehn bis tausende RNA-Kopien des Coronavirus pro Minute aufnehmen.“

Masken im Aufzug

Die Wissenschaftler halten Aufzüge deshalb für eine potenzielle Infektionsquelle. Um das Risiko zu minimieren, empfehlen sie deshalb eine Maske mit Aerosolfilter zu nutzen sowie Husten und Sprechen in Aufzügen generell zu unterlassen. Außerdem sollen Aufzugbetreiber die Türen so umstellen, dass diese bei Nichtnutzung permanent offenbleiben, um eine bessere Luftzirkulation zu beschaffen. Laut den Studienergebnissen „verringert sich die Aerosol-Haltbarkeit auf zwei bis vier Minuten, wenn die Aufzugtüren permanent offenbleiben.“

indoor Air, doi: 10.1111/ina.12744

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