Von: Dennis L.
Neue Chance für HIV-Patienten

HIV-Versteck im menschlichen Körper aufgespürt

HIV-Infektionen lassen sich inzwischen durch Medikamente eindämmen. Eine vollständige Heilung ist bislang jedoch nicht möglich, denn das Virus hält sich im Körper versteckt und kann jederzeit wieder aktiv werden. Neueste Erkenntnisse eines Teams von Wissenschaftlern der Universität Montpellier könnten jedoch die Viren künftig auch an ihrem Rückzugsort aufspüren und vernichten.

HIV infizierte H9 T Zellen.
© NIAID / wikipedia.org

London (Großbritannien). Ein kürzlich von dem Fachmagazin Nature veröffentlichter Artikel eines französischen Wissenschaftlerteams weckt bei Ärzten und HIV-infizierten Patienten neue Hoffnung. Die Arbeitsgruppe des Labors für Molekulare Virologie um Benjamin Descoursund Gaël Petitjean hatte sich am Institut für Humangenetik der Universität von Montpellier mit der Frage beschäftigt, wie sich das Versteck von HIV im menschlichen Körper sicher identifizieren lasse. Die Fähigkeit der Viren, sich in bestimmten Zellen zu verstecken, wo sie vom Immunsystem nicht aufgespürt werden können, ist bislang das größte Hindernis auf dem Weg zur endgültigen Heilung einer HIV-Infektion. Wenngleich sich die Infektion heute schon medikamentös eindämmen lässt und damit für die Betroffenen nicht mehr so bedrohlich ist wie noch vor einigen Jahren, können die Viren jahrelang im Körper überdauern und zu jedem beliebigen Zeitpunkt erneut aktiv werden. Bislang war bekannt, dass sie sich in bestimmten ruhenden Immunzellen, den sogenannten CD4-T-Zellen, verstecken, doch ließ sich bisher nicht feststellen, welche Zellen das Virus enthalten und welche nicht.

Ein einziges Molekül half den Forschern

Descours und Petitjean konnten dieses Problem nun offenbar mit ihrem Team lösen. Sie identifizierten ein Molekül, an dem das Versteck von HIV-Viren sicher zu erkennen ist. Das Molekül mit der Bezeichnung CD32a ist nur auf der Oberfläche jener ruhenden T-Zellen zu finden, die mit HIV infiziert sind, während es bei den übrigen nicht vorkommt. Die Wissenschaftler der Universität Montpellier hatten im Rahmen ihrer Forschungen einen markierten HIV-Erreger genutzt und 16 Proteine aufgespürt, die die in der Membran der Zellen stecken und somit auch von außen erkennbar sind. Dabei hatte sich gezeigt, dass das Molekül CD32a unter diesen nicht nur dasjenige war, das am stärksten produzierte wurde, sondern auch an Zellen ohne HIV-Infektion nicht auftauchte. Mithilfe von Antikörpern gegen dieses Protein waren sie in der Lage, aus dem Blut von Patienten mit einer medikamentös nahezu komplett unterdrückten HIV-Infektion gezielt diejenigen T-Zellen herauszufiltern, die HIV-Erreger in sich trugen. Sollten sich die Thesen der Forscher bestätigen, ließe sich das Oberflächenprotein als Zielmarkierung verwenden und das Virus können mittels entsprechender Wirkstoffen an seinem letzten Rückzugsort im Körper vernichtet werden, sofern es nicht über weitere Rückzugsmöglichkeiten verfügt.

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