Candida albicans

Hefepilz macht Hautkrebs deutlich aggressiver

 Robert Klatt

Hefepilz Candida albicans fördert Bildung von Metastasen )moc.sotohptisopedxxeLi(Foto: © 

Candida albicans, ein Hefepilz, der in den meisten Menschen vorkommt, schüttet Botenstoffe aus, die den Zellstoffwechsel von Melanomzellen beeinflussen, und macht den Hautkrebs dadurch deutlich aggressiver.

Leioa (Spanien). Ein Großteil aller gesunden Menschen hat den Hefepilz Candida albicans in seinem Körper, ohne dass es dadurch zu Gesundheitsproblemen kommt. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann der Pilz sich aber stark vermehren und in das Gehirn und den Blutkreislauf gelangen. Forscher der University of the Basque Country (EHU) haben nun entdeckt, dass der Pilz zudem krebsfördernde Zellprozesse auslösen kann, die bei Hautkrebs die Bildung von Metastasen fördern.

„Dieser Pilz ist Teil des menschlichen Mikrobioms, er kommt im Mund vor, auf der Haut, im Verdauungstrakt und der Vagina.“

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie untersucht, wie Candida albicans Krebszellen beeinflusst. Dazu haben sie Kulturen von Melanomzellen mit lebenden und toten Hefepilzen versetzt. Das Experiment zeigt, dass sowohl die lebenden als auch die abgetöteten Candidazellen die Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen erhöhen und dadurch die Bewegung der Krebszellen erhöhen.

„In beiden Fällen enthüllte dies, dass sich dadurch die Beweglichkeit der Krebszellen erhöhte und sie sich leichter an Endothelzellen der Leber anheften konnten.“

Hefepilz verändert Zellstoffwechsel der Melanomzellen

Eine Analyse der Prozesse im Inneren der Melanomzellen zeigt, dass Candida albicans mit seinen Botenstoffen den Zellstoffwechsel der Melanomzellen stark beeinflusst und die Aktivität von 63 Genen erhöht, darunter mehrere Krebsgene. Entscheidend ist dabei vor allem ein Gen, das die Ausschüttung des Wachstumsfaktors VEGF steuert. Der Wachstumsfaktor führt dazu, dass das Gefäßwachstum in der Nähe der Hautkrebszellen zunimmt und diese mehr Blut erhalten. Zudem führen die Botenstoffe dazu, dass die Krebszellen ihre aerobe Glykolyse hochregeln und dadurch mehr Energie erhalten.

„Der Pilz verschafft den Krebszellen dadurch günstige Bedingungen, um mehr Sauerstoff und Energie zu gewinnen. Das erleichtert es den Melanom-Zellen, ins Blut und andere Organe zu streuen.“

Die Forscher haben anschließende Versuche mit Mäusen durchgeführt, denen entweder normale Hautkrebszellen oder Hautkrebszellen, die durch den Hefepilz umprogrammiert waren, eingepflanzt wurden. Nach nur zwei Wochen haben die durch Candida albicans aktivierten Krebszellen deutlich größere Lebermetastasen ausgelöst als die anderen Krebszellen. Die Tierversuche bestätigen somit, dass der Hefepilz Hautkrebs aggressiver macht und das Wachstum von Metastasen fördert.

Chance für neue Krebstherapien?

Die Forscher erklären, dass ihre Studie klar zeigt, dass auch Mikroben, die in der Medizin bisher als unbedenklich gelten, starke Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

„Wir haben schon häufiger die Rolle von Viren und Bakterien bei Krebserkrankungen diskutiert, aber Pilze wurden dabei vergessen. Wir müssen uns bewusst machen, dass auch diese Pilze Teil unseres Mikrobioms sind und dass sie nicht nur direkte, sondern auch indirekte Auswirkungen haben können.“

Sie sind überzeugt, dass die Ergebnisse dabei helfen können, bestehende Krebstherapien zu verbessern, indem man bei Menschen mit Hautkrebs nicht nur die Krebszellen bekämpft, sondern parallel dazu auch die Infektion mit Candida albicans behandelt.

„In Zukunft könnte es vielleicht möglich werden, Mittel gegen die Pilze als ergänzende Therapie gegen Melanome einzusetzen.“

Quellen:

Pressemitteilung der University of the Basque Country (EHU)

Studie im Fachmagazin Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-025-24055-y

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