Oxytocin-Stoffwechsel

Gen beeinflusst Liebesbeziehungen des Menschen

Robert Klatt

Die C-Variante des CD38-Gens macht Menschen in Beziehungen verständnisvoller und zugewandter. Menschen mit der A-Variante sind hingegen verschlossener und zeigen häufiger negative Reaktionen auf ihren Partner. Verantwortlich dafür ist der Oxytocin-Stoffwechsel, der durch das Gen gesteuert wird.

Montreal (Kanada). Die „Qualität“ einer Liebesbeziehung hängt von verschiedenen psychologischen Faktoren, darunter das Vertrauen in den Partner, die Kommunikation und die Loyalität ab. Die Wissenschaft hat aber auch herausgefunden, dass auch biologische Einflussfaktoren von hoher Bedeutung sind. Besonders das Hormon Oxytocin, das auch von Haustieren freigesetzt wird, kann die Bindung und die Treue in einer Beziehung stärken und sorgt dafür, dass kleine Fehler des Partners kaum stören.

Wissenschaftler der McGill University in Kanada haben nun analysiert, ob genetische Faktoren sich auf das Kuschelhormon Oxytocin auswirken. Laut der im Fachmagazin Scientific Reports untersuchte das Team um Gentiana Sadikaj dafür das CD38-Gen, weil bereits vorherige Studien mit Mäusen Hinweise darauf geliefert haben, dass diese Genvariante den Oxytocin-Stoffwechsel und das Beziehungsverhalten beeinflusst.

CD38-Gen beim Menschen

Die C-Variante des CD38-Gens scheint laut vorherigen Studien auch beim Menschen dafür zu sorgen, dass dieser im Vergleich zu Menschen mit der A-Variante des Gens sowohl in familiären als auch in partnerschaftlichen Beziehungen insgesamt positiver auf sein Umfeld wirkt.

Um diese Annahme zu untersuchen, haben die Studienautoren psychologische Verhaltensstudien von 111 Paaren mit einer Analyse ihres CD38-Gentyps kombiniert. Es konnten so analysiert werden, ob die unterschiedlichen Genvarianten einen Einfluss auf Liebesbeziehungen haben.

Beziehungsverhalten durch Genvariante verändert

Laut den Wissenschaftler „zeigten sich signifikante Effekte der Genvariante auf das partnerschaftliche Verhalten.“ Menschen, mit der CC-Variante des Gens verhalten sich gegenüber ihrem Partner im Alltag insgesamt positiver und liebevoller als Träger der AC- und AA-Genvariante. Außerdem beurteilten Menschen mit der CC-Genvariante ihre Beziehung als positiver und stabiler, was sich vor allen darin zeigten, das sie sich der Liebe ihres Partners im Vergleich zu Trägern der AC- und AA-Genvariante deutlich sicherer waren.

Diese Einschätzung spiegeln Menschen mit der CC-Genvariante auch auf ihren Partner, dessen Verhalten sie unabhängig von seiner Genvariante ebenfalls als liebevoller beurteilten. Beziehungen, in denen beide Partner die CC-Variante des Gens besitzen, werden deshalb insgesamt als am positivsten beurteilt, gefolgt von gemischten Paaren. Am negativsten werden Beziehungen beurteilt, wenn beide Partner die AA-Genvariante tragen.

Wirkungskette noch unklar

Sadikaj konstatiert, dass „die das Team damit zum ersten Mal zeigt, dass das mit der Oxytocin-Ausschüttung und dem Sozialverhalten in Nagern verknüpfte CD38-Gen auch in der menschlichen Partnerschaft das alltägliche Beziehungsverhalten beeinflusst.“ Sie erklärt, dass „weil die alltäglichen Interaktionen für die Qualität einer Beziehung eine wichtige Rolle spielen, sich dies auch auf die Partnerschaft als Ganzes auswirkt.“ Welche Wirkungskette diese Effekte auslöst und wie genau das Hormon Oxytocin durch die Genvarianten beeinflusst wird, ist aber weiterhin unklar.

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-020-69520-y

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