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Vergleichsstudie zeigt

Geburtsrisiken durch künstliche Befruchtung nicht erhöht

Eine Vergleichsstudie mit finnischen Geschwistern hat widerlegt, dass durch eine künstliche Befruchtung Geburtsrisiken wie ein zu geringes Gewicht und eine Frühgeburt erhöht auftreten. Ein erhöhtes Geburtsrisiko besteht bei Paaren mit Empfängnisproblemen generell, unabhängig davon ob das Kind auf natürlichen oder künstlichen Weg gezeugt wurde.

Rostock (Deutschland). Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, der London School of Economics und der Universität Helsinki (PDF) haben durch eine Vergleichsstudie mit Geschwistern festgestellt, dass Geburtsrisiken durch eine künstliche Befruchtung nicht steigen. Die im Fachmagazin The Lancet veröffentlichte Studie widerspricht damit älteren Studien, die zu dem Ergebnis gekommen sind, dass künstliche Befruchtungen häufig ein zu niedriges Geburtsgewicht von unter 2.500 Gramm verursachen und das Risiko von Frühgeburten vor der 37. Schwangerschaftswoche erhöhen.

Da sowohl Frühgeburten als auch Kinder mit einem geringem Geburtsgewicht häufig unter Herzproblemen, Atembeschwerden oder einer Beeinträchtigung der Entwicklung des Gehirns und der kognitiven Fähigkeiten leiden, haben in der Vergangenheit Ärzte oft auch Paaren, deren letzte Chance eine künstliche Befruchtung ist, von dieser Option abgeraten. Als Ursache für die widersprüchlichen Ergebnissen sehen die Wissenschaftler die geringe Anzahl untersuchter Geburten in den vorherigen Studien, bei denen häufig eine statisch nicht signifikante Stichprobe zur Ermittlung der Geburtsrisiken genutzt wurde.

Vergleich finnischer Geschwister

Im Zuge der Studie haben die Wissenschaftler erstmals eine große Anzahl finnischer Geschwister analysiert, von denen jeweils mindesten eins natürlich und eins künstlich gezeugt wurde. Aus den vorhandenen Daten von 65.000 Kindern, die im Zeitraum von 1995 bis 2000 geboren wurden, hat die Studie eine Stichprobe von 1.245 Geschwistern zufällig ausgewählt. Aufgrund des relativ kurzen Zeitraums, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Eltern kaum verändert haben und somit auch die Geburtsrisiken nicht deutlich durch andere Faktoren wie zum Beispiel das höhere Alter der Frau beeinflusst wurden.

Die genutzte Geschwister-Methode gilt in der Wissenschaft als zuverlässiges Verfahren, um Ursachen gesundheitlicher Risiken auszuschließen oder zu bestätigen. In vielen Fällen kann sie aufgrund einer zu kleinen Datenbasis jedoch nicht genutzt werden. Das staatliche Geburtenregister Finnlands bildet hierbei eine Ausnahme, da es neben dem Geburtsdatum, dem Geburtsgewicht und der Schwangerschaftsdauer auch die für den Vergleich nötige Verknüpfung zu den Geschwistern und den Eltern des Neugeborenen enthält. In Deutschland gibt es eine solche zentrale Speicherung nicht.

Geburtsrisiko unabhängig von künstlicher Befruchtung höher

Der Vergleich der Geschwister ergab, dass eine künstliche Befruchtung die untersuchten Geburtsrisiken nicht beeinflusst. Im Vergleich zu natürlich gezeugten Kindern, besteht bei künstlich gezeugten Kindern trotzdem das erhöhte Risiko einer Frühgeburt oder eines zu leicht geborenen Babys. Die Ursache dafür ist jedoch nicht der medizinische Eingriff, sondern die Eltern. Paare mit Empfängnisproblemen haben generell ein höheres Geburtsrisiko, unabhängig davon ob die Zeugung auf natürlichen oder künstlichen Weg erfolgt ist. Die Risiken sind also vollkommen unabhängig von der künstlichen Befruchtung bei dieser Personengruppe immer erhöht. Alice Goisis, Co-Autoren der Studie sieht dafür „die reduzierte Fruchtbarkeit“ als Ursache. Wissenschaftlich belegt ist dies allerdings noch nicht.

Unbelastete Entscheidung 

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland laut dem Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung mehr als 63.000 künstliche Befruchtungen durchgeführt. Möglicherweise werden die nun veröffentlichten Studienergebnisse für einen weiteren Anstieg sorgen. Die Autoren der Studie sehen ihre Ergebnisse als große Erleichterung für Paare an, die über eine künstliche Befruchtung nachdenken. Mikko Myrskylä, Autor der Studie und Direktor am Rostocker Max-Planck-Institut erklärt, dass „Paare mit einem unerfüllten Kinderwunsch sich nicht mehr gegen eine künstliche Befruchtung entscheiden müssen, weil sie dadurch nicht das Geburtsrisiken für ihr Kind erhöhen.“ Goisis fügte hinzu, dass es „psychisch eine große Rolle spielt, ob Paare durch ihre Entscheidung das erhöhte Geburtsrisiko willentlich in Kauf nehmen oder ob sie an dem ohnehin vorhandenen Risiko durch ihre Entscheidung nichts ändern.“ Die Wissenschaftler sprechen daher nun von einer Entscheidung, die „unbelastet“ und „ohne schlechtes Gewissen“ getroffen werden kann.

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