Mediziner bestätigen

Frauen haben andere Herzinfarkt-Symptome als Männer

Dennis L.

Herz-Kreislauferkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache - bei Frauen und Männern. Dennoch wird die Gefahr eines Herzinfarkts bei Frauen häufig unterschätzt und die Symptome oftmals übersehen oder nicht richtig gedeutet.

München (Deutschland). Obwohl Herz-Kreislauferkrankungen weltweit für die meisten Todesfälle bei Frauen und Männern verantwortlich sind, übersieht die moderne Medizin ein Herzinfarkt bei Frauen häufiger als bei Männern. Als Ursache sehen die Forscher vor allem, dass die Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen ganz anders als bei Männern sein können, dass Medikamente zu ungewollten Nebenwirkungen führen können, dass das Herz einer Frau im Regelfall kleiner ist und schneller schlägt, dass Frauenherzen anders altern und dass Frauen die Risikofaktoren oftmals unterschätzen.

Nicht förderlich ist es, dass fast alle Herzinfarkt-Studien überwiegend an Männern durchgeführt werden. Warum sich die Kardiologie auf den Mann als klassischen Herzinfarkt-Patienten fokussiert hat, ist nicht klar. Studien zum Thema, die zwar an Frauen und Männern durchgeführt wurden, machen zudem bei der Auswertung der Daten oftmals keine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern. So beträgt der Anteil der verwertbaren Studien, welche sich mit dem Risiko eines Herzinfarkts bei Frauen oder mit anderen Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems des weiblichen Geschlechts beschäftigen, nur rund 24 Prozent aus.

Symptome für einen Herzinfarkt bei Frauen

Aus besagten Gründen werden Herzinfarkte bei Männern in den meisten Fällen viel eher erkannt und behandelt als bei Frauen. Schmerzen im linken Arm sind vor allem für Männer ein typisches Herzinfarkt-Symptom, ebenso Atemnot und Schmerzen hinter dem Brustbein.

Bei Frauen hingegen können die Symptome für einen Herzinfarkt ganz anders aussehen. Hier sind es vor allem plötzlich auftretende Schmerzen zwischen den Schulterblättern die auch in den Nacken und Hals strahlen können. Zudem können starke Schmerzen im Kiefer und Kopf sowie im Oberbauch auftreten. Oftmals werden diese von starken Schweißausbrüchen und Übelkeit begleitet.

Bei Frauen werden Symptome oft zu spät als Herzinfarkt erkannt

Anstatt dass das verschlossene Herzkranzgefäß sofort wieder durch einen Herzkatheter wieder geöffnet wird, bekommen Frauen oftmals eine Spritze gegen die Übelkeit, Schmerztabletten oder ein Asthmaspray gegen die akute Atemnot. Dadurch geht viel wertvolle Zeit verloren, denn sind die Herzgefäße verstopft, wird der Muskel nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt und das Herzmuskelgewebe beginnt abzusterben. Da der Herzinfarkt bei Frauen dadurch viel später erkannt wird, startet die passende Behandlung im Schnitt etwa 30 Minuten später als bei Männern.

Problematisch ist zudem, dass die typischen Infarktzeichen im EKG (Elektrokardiogramm) sowie das Blutbild bei Frauen weniger ausgeprägt und damit viel unauffälliger sind als bei Männern. Dies hat nicht selten zur Folge, dass Frauen nicht so intensiv wie Männer behandelt werden und manchmal sogar wieder nach Hause geschickt werden.

Dosierung und Wirkung von Herz-Medikamenten ist bei Frauen anders

Zu den weiteren gravierenden Unterschieden zählt, dass sich auch die Wirkung von Herz-Medikamenten bei Frauen unterscheidet. Wie Studien gezeigt haben, müssen Männer und Frauen daher ganz unterschiedliche Medikamente bzw. Dosierungen erhalten. Dies liegt daran, dass ein Frauenherz anders pumpt als ein Männerherz. Auch die Herzgefäße sich bei beiden Geschlechtern unterschiedlich. Bei Frauen sind die Gefäße kleiner und dünner, zudem verlaufen sie oftmals geschlängelt und neigen vermehrt zu Rissen.

Auch altert ein Frauenherz anders als ein Männerherz. Während das Herz eines Mannes im Alter weit und schlaff wird, wird ein Frauenherz kleiner und schlägt schneller - dehnt sich dabei aber nicht mehr so gut. Forscher schreiben, dass sich eine Herzschwäche an der sogenannten Auswurfleistung diagnostizieren lässt. Diese muss bei einem Infarktverdacht sofort analysiert werden, da diese bei einer klassischen Ultraschalluntersuchung meistens nicht erkannt wird. Gerade bei Frauen wird dies jedoch häufig nicht gemacht.

Das Herzinfarktrisiko steigt bei Frauen in den Wechseljahren

Um einen Herzinfarkt vorzubeugen, sollten Frauen auf ihre Risikofaktoren achten und sich zudem regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen. Das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigt bei Frauen mit den Wechseljahren, denn dann reduzieren sich die schützenden Östrogene.

Studien haben gezeigt, dass Frauen im Vergleich zu Männer später am Herzen erkranken, dann sind sie aber genauso stark betroffen wie Männer. Daher sollten sie ab Mitte 50 regelmäßig den Blutdruck kontrollieren (Forscher empfehlen eine 24-Stunden-Messung), denn bei körperlicher Anstrengung kann ein erhöhter Blutdruck ein Anzeichen für eine Herz-Kreislauferkrankung sein.

Zudem sind Frauen mit Vorerkrankungen gefährdeter als Männer. Gerade Bluthochdruck, Cholesterin, Diabetes, Rauchen und Übergewicht wirken sich bei Frauen schlimmer als bei Männern auf die Gesundheit des Herzens aus.

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