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Rezeptorblocker

Forscher verwandeln Schmerz in Lust

Schwedische Forscher haben bei Mäusen eine Hormon-Andockstelle ausfindig machen können, mit der sich mit Hilfe eines Rezeptorblockers negative Wahrnehmungen, wie beispielsweise Schmerzen, in positive Gefühle, wie Lust oder Freude verwandeln lassen.

Linköping (Schweden). Wie Forscher in einem Experiment nachweisen konnten, werden positive sowie negative Wahrnehmungen im Gehirn von denselben Hormon-Andockstellen verarbeitet. Diese Erkenntnis hat entscheidende Konsequenzen für das Wohlbefinden, wie die Forscher anhand von Mäusen herausgefunden haben. Haben die Forscher diesen Rezeptor blockiert, nahmen die Mäuse Schmerzen, Fieber und Übelkeit nicht mehr als negativ wahr – im Gegenteil.

Diese neue Erkenntnis könnte eine große Chance für neue therapeutische Behandlungsansätze sein. Würde man diese Andockstellen bei Patienten mit chronischen Schmerzen blockieren können, so könnte man diesen von ihrem Unwohlsein befreien.

Genetische Manipulation

Der Psychologe Michael Fritz und seine Kollegen von der schwedischen Universität Linköping haben für ihr Experiment an den Mäusen durch eine genetische Manipulation die Bildung des sogenannten Melanocortin-4-Rezeptors (MC4R) unterbinden können. Mäuse, die zuvor so behandelt wurden, ließen sich im Gegensatz zu den nicht behandelten Tieren, nicht von einer Kammer abschrecken, in der sie mit einigen Unannehmlichkeiten konfrontiert wurden. Bakterien die Fieber zur Folge hatten, Lösungen die eine akute Übelkeit auslösten oder andere Wirkstoffe, die den Stimmungshaushalt der Mäuse negativ beeinflussten, schreckten diese Tiere nicht ab. Der Versuch zeigte zudem, dass die behandelten Mäuse öfter in der Kammer aufzufinden waren, als in einer anderen Kammer, wo sie aus biologischer Sicht nichts zu befürchten hatten.

Wenn aus Schmerz etwas Schönes wird

Die Forscher erhielten dieselben Resultate, wenn sie den MC4R blockierenden Wirkstoff den Mäusen nasal verabreichten. Diesen Tieren waren Schmerzen völlig egal. Die Forscher fanden zudem heraus, dass Schmerzen, Fieber oder Übelkeit, nicht wie sonst üblich, zum Absenken des Dopaminspiegels führte – im Gegenteil, in einigen Hirnregionen stieg das Glückshormon sogar an. „Dadurch nehmen die Tiere Dinge wie Übelkeit, Infektionen oder inneren Stress als positiv wahr“, erklärt Fritz.

Im Fachmagazin The Journal of Clinical Investigation schreiben die Forscher, dass das Gehirn eine Nervenverbindung geschaffen hat, welche positive wie auch negative Wahrnehmungen unter der Kontrolle eines einzelnen Rezeptortyps verarbeitet. Vielleicht war dies bei der Evolution wichtig, um bei Bedarf schnell die Wahrnehmung bestimmter Umweltreize ändern zu können, spekulieren die Forscher.

Neue Behandlungen für chronische Schmerzen

Die Forschung auf diesem Gebiet könnte in Zukunft eine hohe medizinische Relevanz für den Menschen haben. So könnten Patienten mit chronischen Schmerzen vielleicht in Zukunft behandelt werden, dass sie das Unwohlsein nicht mehr empfinden.

Die Experimente mit dem MC4R-Blocker könnten vielleicht auch erklären, warum einige Menschen beim Liebesspiel auf Schmerzen stehen oder generell ein gestörtes Schmerzempfinden haben. Vielleicht besitzen diese Menschen einen natürlichen Rezeptorblocker.

Kritisch sei jedoch angemerkt, dass die Umwandlung von Schmerz in Lust und Glück auch Gefahren beherbergen kann. Immerhin sind Schmerzen eine natürliche Schutzreaktion des Körpers, die uns vor größeren Verletzungen bewahren soll. Eine Unterdrückung, gar eine Umwandlung in Lust, könnte unabsehbare Folgen haben.

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