R-Wert

Deutschland – Laut Simulation bald 20.000 SARS-CoV-2-Fälle pro Tag

Robert Klatt

Laut eines Berechnungsmodells der Universität des Saarlandes sind 20.000 SARS-CoV-2-Infektionen pro Tag in Deutschland bereits in zwei bis drei Wochen wahrscheinlich.

Saarbrücken (Deutschland). Innerhalb der letzten sieben Tage (Stand 19. Oktober 2020) kam es in Deutschland zu etwa 40.000 SARS-CoV-2-Neuinfektionen. Laut einem Berechnungsmodell der Universität des Saarlandes (UdS) könnte es in zwei bis drei Wochen schon zu 20.000 Neuinfektionen pro Tag kommen, wenn die aktuelle Ansteckungsrate beibehalten wird. Als Basis des Onlinesimulators, der es ermöglicht verschiedene Szenarien zu betrachten, dienen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie der Kreis- und Landesgesundheitsämter aber auch Fallzahlen einiger Zeitungen, darunter die Berliner Morgenpost. Zusätzlich haben die Wissenschaftler Gesundheitsdaten von 8.000 hospitalisierten COVID-19 Patienten aus 100 Kliniken in Deutschland und offizielle Daten der Gesundheitsministerien analysiert.

Laut Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der UdS „analysieren die Wissenschaftler zudem, wie sich die politischen Interventionen während der Pandemie auf das Infektionsgeschehen auswirken.“ Lehr erklärt, dass „aktuell leider ein starker Anstieg des R-Wertes, der für Deutschland aktuell auf 1,56 geschätzt wird, verzeichnet wird.“

Mehr Covid-19-Patienten im Krankenhaus

Lehr warnt, dass „wenn die Infektionslage so anhält wie derzeit, erwarten wir in einzelnen Bundesländern wie dem Saarland in zwei bis vier Wochen ähnlich viele COVID-19 Patienten auf den Normal- und Intensivstationen, wie sie in Spitzenzeiten der ersten Welle Mitte April zu verzeichnen waren.“ Laut den Daten der Wissenschaftler ist die Anzahl der Krankenhauspatienten vor allen vom Alter der neuinfizierten Personen abhängig. Derzeit kann das Gesundheitssystem die rapide steigenden Fallzahlen noch gut bewältigen, weil viele jüngere Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert werden. Die Anzahl der hospitalisierten Patienten inklusive der Intensivpatienten ist deshalb noch niedrig.

Laut Lehr „erwarten die Forscher jedoch bereits in zwei bis drei Wochen eine Versiebenfachung der dann nötigen intensivmedizinischen Betreuung im Vergleich zum Sommer und gehen bundesweit von 200.000 COVID-19-Erkrankten aus, wenn die Infektionsraten so bleiben wie derzeit.“ Verantwortlich dafür ist eine höhere Durchmischung mit der älteren Bevölkerung durch die aktuell steigenden Fallzahlen. Lehr konstatiert, dass „selbst wenn bis Anfang November der R-Wert wieder unter 1 liegt mit täglichen Fallzahlen von über 10.000 Infizierten zu rechnen ist.“

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