Subtile Mengenunterschiede

Computerspiele verbessern den Zahlensinn

Robert Klatt

Regelmäßiges Computerspielen verbessert den Zahlensinn. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit, die durch die Spiele trainiert wird.

Tübingen (Deutschland). Eine Reihe von Studien haben bereits Effekte von Computerspielen wie eine verbesserte Lernfähigkeit und eine positive Beeinflussung des Sozialverhaltens belegt. Besonders intensives Spielen trainiert einige Regionen des Gehirns sogar so intensiv, dass diese sich vergrößern. Nun haben Wissenschaftler des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) außerdem nachgewiesen, dass Computerspielen den Zahlensinn des Menschen verbessern kann.

Es handelt sich dabei um eine angeborene Fähigkeit, die es ermöglicht Mengen und Mengenunterschiede, ohne nachzuzählen, abzuschätzen. Wie bei anderen Sinnesreizen fällt dies den meisten Menschen leichter, umso größer die Unterschiede zwischen zwei Mengen sind. „Wir können allerdings unsere Wahrnehmung trainieren. Es interessierte uns, ob sich auch der Zahlensinn trainieren lässt“, erklärt Joana Stäb von der Universität Tübingen.

Experimente mit passionierten Computerspielern

Die Wissenschaftler rekrutierten deshalb laut ihrer im Fachmagazin Addiction Biology publizierten Studie eine Gruppe passionierter Computerspieler, die pro Woche mindestens vier Stunden spielen. Die Kontrollgruppe bestand aus Personen die signifikant weniger Zeit mit Computerspielen verbrachten. Während der Experimente wurden den Probanden auf einem Bildschirm jeweils zwei Kreise mit einer unterschiedlichen Zahl an zufällig angeordneten Punkten gezeigt. Sie sollten dann bestimmen, in welchem Kreis die Anzahl der Punkte höher war. Dabei variierten die Unterschiede zwischen beiden Kreisen stark.

Computerspieler erkennen kleine Unterschiede

Dabei machten beide Gruppen ähnlich viele Fehler. Im Mittel konnten die Probanden aus der Computerspielergruppe aber deutlich leichter kleine Unterschiede erkennen. „Vereinfacht ausgedrückt: Computerspieler können intuitiv und ohne nachzuzählen, besser unterscheiden, ob mehr Äpfel oder mehr Orangen im Einkaufswagen liegen“, erklärt Ilg. Die Genauigkeit der numerischen Auflösung nahm dabei mit der Zeit, die pro Woche mit Computerspielen verbraucht wurde, zu.

„Die Fähigkeit, Mengen auf einen Blick zu schätzen, lässt sich demnach tatsächlich trainieren“, konstatiert Ilg. Häufiges Computerspielen kann demnach die Sensibilität des Zahlensinns für Mengenunterschiede verbessern.

Höhere Aufmerksamkeit durch Computerspiele

Die Forscher halten es nicht für wahrscheinlich, dass dafür Effekte der Computerspiele verantwortlich sind, die gezielt einzelne Regionen des Gehirns trainieren. Stattdessen könnten die positiven Effekte dadurch ausgelöst werden, dass Computerspiele bestimmte Formen der Aufmerksamkeit verbessern. „Die Unterschiede zwischen Nichtspielern und Spielern beruhen wahrscheinlich auf den Top-Down-Prozessen, die durch das dorsale Aufmerksamkeits-Netzwerk kontrolliert werden“, erklären die Autoren. Es ist somit wahrscheinlich, dass Computerspieler im spezifischen Fall relevante und irrelevante Informationen besser voneinander unterscheiden können.

Addiction Biology, doi: 10.1111/adb.13065

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