Großstudie zeigt

Britische Coronavirus-Variante B.1.1.7 doch tödlicher

Robert Klatt

Das Sterberisiko bei einer Infektion mit der britischen Coronavirus-Variante B.1.1.7 ist laut einer Großstudie 61 Prozent höher als bei den älteren Virus-Varianten.

London (England). Die erste Untersuchung der Public Health England (PHE) kam im Dezember 2020 noch zu dem Ergebnis, dass die britische Coronavirus-Variante B.1.1.7 nicht mehr schwere Verläufe und Todesfälle verursacht als die alten Virus-Varianten. Die Studie umfasste aber nur knapp 1.800 Infizierte und wurde zu einem Zeitpunkt erstellt, an dem sehr wahrscheinlich noch nicht alle Todesfälle erfasst waren. In der Forschung waren die Ergebnisse deshalb umstritten.

Eine von der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) im Fachmagazin Nature publizierte Studie zeigt nun, dass die zuerst in Großbritannien nachgewiesene Coronavirus-Variante B.1.1.7 tatsächlich ein deutlich höheres Risiko auslöst, an der Infektion zu sterben.

1,1 Millionen Patientendaten

Das Team um Nicholas Davies hat für die Studie 1,1 Millionen Patientendaten, von Menschen, bei denen mittels eines PCR-Tests spezifische Merkmale der neuen Variante erkannt wurden, ausgewertet. Demnach liegt die Sterblichkeit bei B.1.1.7 um 61 Prozent höher als bei Infektionen mit älteren Viren.

In der Altersgruppe von 70 bis 84 Jahren liegt das Sterberisiko demnach bei Frauen bei 4,4 Prozent und bei Männern bei 7,2 Prozent. Bei Menschen unter 70 Jahren liegt das Sterberisiko auch bei einer Infektion mit B.1.1.7 weiterhin bei unter einem Prozent.

Eine Studie der University of Exeter, die kürzlich im British Medical Journal veröffentlicht wurde, kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Laut der Analyse von Gesundheitsdaten von rund 100.000 mit B.1.1.7 infizierten Menschen über 30 Jahren liegt das Sterberisiko bei dieser Virus-Variante um 64 Prozent höher als bei anderen Varianten von SARS-CoV-2.

Reales Risiko geringer

Außerdem merkt die Arbeitsgruppe an, dass das reale Risiko noch geringer ist, weil die Studie lediglich positiv getestete Infizierte umfasst. Mit B.1.1.7 infizierte Personen, die keine oder milde Symptome hatten, wurden hingegen kaum getestet und sind in den ausgewerteten Patientendaten daher auch nicht erfasst. Das errechnete Sterberisiko bezieht sich demnach nur auf infizierte Personen, die getestet wurden, aber nicht auf alle B.1.1.7-Infektionen.

Zielsequenzen des Virus fehlen

Identifiziert wird die Virus-Variante B.1.1.7 in PCR-Tests durch das Fehlen einer Gensequenz, die die Gensonde im Erbgut nicht mehr erkennen kann. Dies bezeichnet die Medizin als „spike gene target failure“ (SGTF). Die übrigen Marker erkennt der PCR-Test hingegen weiterhin als positiv.

Nature, doi: 10.1038/s41586-021-03426-1

British Medical Journal, doi: 10.1136/bmj.n579 

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