Covid-19

Beeinflussen mRNA-Impfungen die Fruchtbarkeit von Männern?

Robert Klatt

Kritiker befürchten Erbgutschäden und eine geringere Fruchtbarkeit durch die Covid-19-mRNA-Impfungen. Eine Studie aus den U.S.A. hat nun erstmals untersucht, wie sich die Impfstoffe auf die Spermienkonzentration und die Spermienanzahl auswirken.

Coral Gables (U.S.A.). In Deutschland lehnen eine Covid-Impfung etwa zehn Prozent der Bevölkerung prinzipiell ab. Als Grund dafür nennen vor allen Frauen das Risiko aufgrund von Erbgutschäden unfruchtbar zu werden. Laut einer Stellungnahme der Universitätsklinik für Geburtsmedizin in Jena (PDF) auf Basis der Studien erhöhen Impfungen gegen Covid-19 die Infertilität bei Frauen jedoch nicht.

Wissenschaftler der University of Miami haben nun im Fachmagazin JAMA eine erste Studie zum Einfluss von mRNA-Impfungen auf die Fruchtbarkeit von Männern veröffentlicht. Besonders in den westlichen Ländern ist die Spermienkonzentration in den letzten 50 Jahren stark gesunken. Würden Covid-19-Impfungen dafür sorgen, dass noch weniger gesunde und beweglichen Spermien vorhanden sind, könnte dies stark negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben.

Zwei Spermienproben untersucht

Im Rahmen der relativ kleinen Studie entnahmen die Wissenschaftler 45 gesunden Männern zwischen 18 und 50 Jahren vor der ersten Impfung eine Spermienprobe. 75 Tage nach der zweiten Impfung gaben die im Mittel 28 Jahre alten Probanden eine zweite Spermienprobe ab. Ähnlich wie bei Samenproben im Kinderwunschzentrum hielten die Probanden vor den Probanden jeweils Abstinenztage ein. Etwa die Hälfte der Probanden erhielt den Moderna-Impfstoff, die übrigen Probanden den Biontech-Pfizer-Impfstoff.

Verbesserung des Ejakulateinhalts

Im Median kam es nach der Impfung sogar zu einer Verbesserung des Ejakulateinhalts. Die Spermienkonzentration stieg im Mittel von 26 Millionen pro Milliliter auf 30 Millionen. Die Anzahl der beweglichen Spermien stieg von 36 Millionen auf 44 Millionen. Auch die Gesamtbeweglichkeit und das Samenzellvolumen nahmen im Mittel zu. Eine Azoospermie trat bei keinem der Probanden auf. Acht der 45 Probanden zeigten bei der ersten Probe eine bedenkliche Spermienkonzentration von unter 15 Millionen pro Milliliter. Bei sieben der acht Probanden tendierte die Spermienkonzentration bei der zweiten Probe im Normbereich.

Keine negativen Auswirkungen

Die Autoren schlussfolgern daraus, dass mRNA-Impfungen sich nicht negativ auf die Spermienkonzentration und die Spermienanzahl auswirken. Bei den verbesserten Werte handelt es sich demnach wahrscheinlich um übliche Schwankungen. Die Wissenschaftler erklären jedoch, dass die Anzahl der Probanden und das Altersmittel relativ gering waren. Außerdem ist die Spermienanalyse kein „perfektes Vorhersagemittel“ für die tatsächliche Fertilität.

JAMA, doi: 10.1001/jama.2021.9976

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