Immunsystem

Autoantikörper als mögliche Ursache für Long-Covid identifiziert

 Robert Klatt

Frau leider unter Long-Covid )moc.sotohptisopedgnon9(Foto: © 

Obwohl hunderte Millionen Menschen unter Long-Covid leiden, waren die biologischen Hintergründe bisher nicht bekannt. Nun wurde entdeckt, dass das Post-Covid-Syndrom wohl durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems ausgelöst wird.

Utrecht (Niederlande). Long-Covid sind anhaltende oder neue Beschwerden, die nach einer Infektion mit Covid-19 auftreten und für Wochen oder Monate bestehen bleiben. Zu den typischen Symptomen gehören Konzentrationsprobleme, die in der Medizin auch als „Brain Fog“ (Gehirnnebel) bezeichnet werden, Herzrasen oder Brustschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Atemprobleme und starke Müdigkeit (Fatigue). Obwohl global mehrere hundert Millionen Menschen betroffen sind, konnte die Wissenschaft die biologischen Hintergründe von Long-Covid bisher nicht zweifelsfrei entschlüsseln.

Nun haben Forscher der Utrecht University (UU) eine Studie publiziert, laut der das Post-Covid-Syndrom durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems ausgelöst werden könnte. Es ist demnach wahrscheinlich, dass sogenannte Autoantikörper Long-Covid verursachen. Autoantikörper sind Antikörper des Immunsystems, die sich fälschlicherweise gegen körpereigenes Gewebe richten und dadurch unter anderem Autoimmunerkrankungen verursachen.

Blutproben von 34 Long-Covid-Patienten

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie Blutproben von 34 Long-Covid-Patienten analysiert und daraus Immunglobulin G (IgG), eine Klasse von Antikörpern, extrahiert. Die Antikörper wurden Mäusen injiziert, die daraufhin eine Schmerzüberempfindlichkeit entwickelt haben, die für mindestens zwei Wochen bestand. IgG, das den Long-Covid-Patienten nach zwei Jahren abgenommen wurde, hat bei den Mäusen identische Symptome ausgelöst.

„Diese Erkenntnis deutet darauf hin, dass der zugrunde liegende Krankheitsmechanismus lange nach der ursprünglichen Infektion bestehen bleiben kann, was möglicherweise erklärt, warum viele Patienten langfristige Symptome erleben.“

Bei einer detaillierten Blutprobenanalyse haben die Forscher noch Autoantikörper identifiziert, die sich anhand von molekularen Mustern für Hirnschäden wie GFAP und NFL sowie für Immunaktivierung wie Interferon-β unterscheiden lassen. Wenn diese unterschiedlichen Antikörpern Mäusen injiziert wurden, haben die Tiere verschiedene Symptome entwickelt.

„Diese Erkenntnis unterstützt die Annahme, dass Long Covid keine einheitliche Erkrankung ist, sondern eine heterogene Krankheit mit unterschiedlichen biologischen Ursachen.“

Long-Covid-Patienten besitzen mehr Autoantikörpern

Die Blutproben zeigen zudem, dass Long-Covid-Patienten mehr Autoantikörper besitzen, die sich gegen ihre körpereigenen Proteine richten, etwa Autoantikörper gegen Proteine der Immunregulation, des Stoffwechsels und des Nervensystems. Diese waren im Blut oft noch mehrere Jahre nach der Covid-19-Infektion vorhanden.

„Was wirklich bemerkenswert ist. Ist, dass drei unabhängige Forschungsgruppen kürzlich ähnliche Ergebnisse berichtet haben, was die entstehende autoimmunologische Signatur von Long-Covid weiter untermauert.“

Laut den Wissenschaftlern können die neuen Erkenntnisse dabei helfen, Therapien zu entwickeln, mit denen die schädlichen Antikörper neutralisiert werden können.

Quellen:

Studie im Fachmagazin Cell Reports Medicine, doi: 10.1016/j.xcrm.2026.102693 

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