Herz-Kreislauf-Erkrankung

Auto- oder Fahrrad: Welche Pendler leben gesünder?

Robert Klatt

Fahrradpendler sind körperlich aktiver als Autofahrer. Eine Studie hat nun untersucht, ob dies tatsächlich Auswirkungen auf die Gesundheit und die Lebenserwartung hat.

London (England). Das Pendeln per Fahrrad statt mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln soll sich positiv auf die Fitness und die Gesundheit auswirken. Ein Nachweis dieser Annahme ist aber nur schwer möglich, weil eventuell vorliegende positive Effekte des Fahrradpendelns erst nach langer Zeit zu sichtbar werden.  

Ein Team aus Wissenschaftlern des Imperial College London und der University of Cambridge hat deshalb Zensusdaten von 300.000 Personen aus Wales und England analysiert, die zwischen den Jahren 1991 und 2016 aufgezeichnet wurden. Neben dem Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit enthalten die Zensusdaten auch Informationen über schwere Krankheiten und einen frühen Tod.

Autopendler leben ungesund

Die Analyse zeigt, dass Autofahren die ungesündeste Art des Pendelns ist. Im Vergleich zu Autopendler haben Menschen, die mit Fahrrad zur Arbeit gelangen ein 20 Prozent geringeres Risiko frühzeitig zu sterben. Bei Bahnfahrern ist das Risiko um zehn Prozent geringer.

Die positiven Auswirkungen des Fahrradfahrens auf die Gesundheit wird ebenfalls bei der Wahrscheinlichkeit durch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben deutlich, die bei Radpendler gegenüber Autofahrern um 24 Prozent sinkt. Bei Bahnfahrern sind es 20 Prozent. Auch bei anderen ernsten Krankheiten wurden ähnliche Zusammenhänge ermittelt. Demnach haben Radfahrer ein 11 Prozent geringeres Risiko an Krebs zu sterben als Autopendler.

Als Grund dafür sehen die Studienautoren laut ihrer Publikation im Fachmagazin The Lancet Planetary Health die zusätzliche körperliche Aktivität, die gegenüber Autofahrern sowohl bei Fahrradpendler auch als bei Menschen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, vorliegt.

Studie aus den Niederlanden bestätigt

Die britische Metastudie bestätigt somit Ergebnisse einer Studie der Universität Utrecht aus dem Jahr 2015, laut der die Lebenserwartung durch das häufige Radfahren in den Niederlanden im Mittel um sechs Monate steigt. Die niederländischen Wissenschaftler kamen überdies zu dem Ergebnis, dass das Radfahren statisch betrachtet 6.500 Todesfälle pro Jahr verhindert.

Ob das Fahrradpendeln sich auch auf das allgemeine Wohlbefinden oder vorübergehende Krankheiten auswirkt, haben die Studien nicht untersucht. Auch weitere Einflussfaktoren wie Rauchen, Bewegungsgewohnheiten abseits des Pendelns und Übergewicht wurden nicht berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen dennoch, dass zwischen einem aktiven Lebensstil und dem Risiko an einer schweren Krankheit zu versterben oder einen anderweitig frühzeitigen Tod zu erleiden ein Zusammenhang besteht.

Verkehrssystem für Fahrräder optimieren

Als Reaktion die Studienergebnisse sprechen sich die Wissenschaftler für einen Umbau des Verkehrssystemes aus, um bessere Bedingungen für Fahrradfahrer und Fußgänger zu schaffen.

Dr. Richard Patterson, University of Cambridge: „Da mit der Lockerung der Covid-19-Sperre eine große Zahl von Menschen beginnt, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, ist es jetzt ein guter Zeitpunkt für uns alle, die Wahl des Verkehrsmittels zu überdenken. Da die Kapazität der öffentlichen Verkehrsmittel wahrscheinlich stark und über längere Zeiträume reduziert wird, wäre der Umstieg auf das private Auto katastrophal für unsere Gesundheit und die Umwelt. Wenn mehr Menschen dazu ermutigt werden, zu Fuß zu gehen und Rad zu fahren, wird dies dazu beitragen, die längerfristigen Folgen der Pandemie zu begrenzen.“

The Lancet Planetary Health, doi: 10.1016/S2542-5196(20)30079-6

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