Künstliche Intelligenz

App erkennt Covid-19 anhand der Sprache

Robert Klatt

Eine derzeit im Universitätsklinikum Augsburg getestete App erkennt Covid-19-Infektionen mit hoher Genauigkeit.

Augsburg (Deutschland). Ein Team aus Wissenschaftlern um Björn Schuller von der Universität Augsburg arbeitet seit März 2020 an einer Spracherkennungs-App, die mithilfe eines herkömmlichen Smartphones erkennen können soll, ob eine Covid-19-Infektion vorliegt. Laut Schuller „könnte die App in Echtzeit Daten über Bewegungs- und Ausbreitungsmuster von Corona-Infizierten darlegen.“

Als Datenbasis nutzten die Wissenschaftler anfangs Stimmaufnahmen aus Wuhan (China). Inzwischen verwenden die Wissenschaftler zum Trainieren der Künstlichen Intelligenz (KI) aufgrund der rapide steigenden SARS-CoV-2-Infektionszahlen hauptsächlich Sprachproben aus Deutschland, auf denen die Probanden einen Text mit vielen Vokalen vorlesen müssen.

Neuronales Netz vergleicht Sprache

Ein neuronales Netz vergleicht die Sprachmuster anschließend mit Personen ohne und mit Covid-19-Infektion. Laut Schuller „ist die Sprache hier quasi das neue Blut, dass zur Analyse verwendet wird. Um das System für Alle verbessern zu können, sind wie vergleicht erklärt aber „noch dringend neue Spenden“, also weitere Sprachproben infizierter und nicht infizierter Personen nötig.

80 Prozent Trefferquote

Laut Angaben der Universität und des Universitätsklinikums liegt die Trefferquote der App derzeit bereits bei knapp über 80 Prozent. Bevor die App im klinischen Alltag genutzt wird, will das Team um Schuller aber zunächst weitere Daten sammeln, um die Genauigkeit weiter zu erhöhen.

Das Ziel der Wissenschaftler ist es, die Spracherkennungs-App öffentlich verfügbar zu machen. Dabei steht laut den Entwicklern „die Privatsphäre und Ethik natürlich stets an erster Stelle.“ Problematisch dabei ist, dass bei Google Play pro Land nur eine offizielle „Corona-App“ zugelassen ist. Die Spracherkennungs-Funktion müsste laut Schuller „Somit in der offiziellen App integriert werden oder als allgemeinere Gesundheitsanalyse-Applikation beworben werden.“

Entlastung der Labore

Eingesetzt werden könnte die App laut Dr. Markus Wehler, Leiter der Notaufnahme am Universitätsklinikum sowohl von niedergelassenen Ärzten in ihrer Praxis als auch von Personen, die zu Hause nicht sicher sind, ob eine Anfrage bei einem Arzt oder ein selbstbezahlter Labortest sinnvoll sind. Die App könnte damit die in vielen Regionen überforderten Labore entlasten und dafür sorgen, dass Menschen, bei denen eine Covid-19-Infektion aufgrund ihrer Sprachprobe als wahrscheinlich eingestuft wird, bevorzugt behandelt werden.

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