Bakterielle Infektionen

Antibiotikaresistenzen verursachen Millionen Todesfälle

Robert Klatt

Antimikrobiellen Resistenzen gegenüber Antibiotika (AMR) verursachten im Jahr 2019 fast fünf Millionen Todesfälle. An Infektionen mit multiresistenten Bakterien sterben demnach mehr Menschen als an Malaria und Aids.

Genf (Schweiz). Bei den häufigsten Todesursachen denken die meisten Menschen an Herzkreislauferkrankungen und Krebs. Eine kürzlich im Fachmagazin The Lancet publizierte Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offenbart nun, dass auch Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien global zu den häufigsten Todesursachen gehören.

Laut der bisher umfangreichsten Analyse zu diesem Thema starben im Jahr 2019 4,95 Millionen Menschen an Krankheiten, die mit einer Antibiotikaresistenz in Verbindung standen. Rund 1,3 Millionen der Todesfälle waren eine direkte Folge einer antimikrobiellen Resistenz gegenüber Antibiotika (AMR). Arzneimittelresistente Infektionen sind demnach für mehr Todesfälle verantwortlich als Malaria und Aids.

Umfangreiche Datenanalyse

Obwohl die Medizin schon seit Langem auf die Auswirkungen von AMR aufmerksam macht, gab es bisher noch keine Studien, die die globalen Auswirkungen des Problems vollständig zeigen. Die nun publizierte Studie nutzt unter anderem Informationen aus der 2019 Global Burden of Diseases, Injuries and Risk Factors Study (GBD). Die GBD ist eine Erhebung von 369 Krankheiten und Verletzungen in 204 Ländern, die auf Daten von Krankenhaus- und Überwachungssystemen, einer systematischen Literaturübersicht und anderen Datenquellen basiert. Insgesamt wurden über 470 Millionen Datensätze analysiert.

Todesfälle durch Infektionen abgeschätzt

Die umfangreichen Daten ermöglichten es den Autoren, die Anzahl der Todesfälle durch Infektionen mit multiresistenten Bakterien abzuschätzen. Zudem konnten die Wissenschaftler die Todesfälle einzelnen Erregern zuordnen.

Die sechs tödlichsten bakteriellen Krankheitserreger sind demnach für fast drei Viertel aller Todesfälle verantwortlich. Allein an einer Infektion mit dem antibiotikaresistenten Escherichia coli Bakterium starben 2019 etwa 200.000 Menschen. Auch Staphylococcus aureus, Klebsiella pneumoniae, Streptococcus pneumoniae, Acinetobacter baumannii oder Pseudomonas aeruginosa haben in diesem Jahr für jeweils mehr als 100.000 Todesfälle geführt.

Überdies zeigt die Studie, dass das Einkommen einer Region sich stark auf die Todesfälle durch ARM auswirkt. In Regionen, in denen die Menschen ein eher hohes Einkommen haben, sind S. aureus und E. coli für etwa die Hälfte der Todesfälle verantwortlich. In eher armen Regionen, etwa in Ländern südlich der Sahara sorgten 2019 hingegen S. pneumoniae und K. pneumoniae für die meisten Todesfälle.

The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(21)02724-0

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