Deutschland

Politisches Vertrauen hängt am Gefühl der Zugehörigkeit

 Dennis Lenz

Politisches Vertrauen hängt am Gefühl der Zugehörigkeit
(Symbolbild) Das politisches Vertrauen fällt in Deutschland je nach Institution sehr unterschiedlich aus. Menschen in der zweiten Lebenshälfte vertrauen Polizei, Wissenschaft und Justiz deutlich stärker als Parteien oder Medien. Wie hoch das Vertrauen ist, hängt eng mit dem Gefühl gesellschaftlicher Zugehörigkeit zusammen. (Foto: © Forschung und Wissen)

Wie stark Menschen politischen Institutionen vertrauen, unterscheidet sich erheblich. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass Polizei, Wissenschaft und Justiz das größte Vertrauen genießen, während Parteien, Bundestag, Bundesregierung und Medien deutlich schlechter abschneiden. Besonders auffällig ist ein anderer Zusammenhang: Das politisches Vertrauen hängt eng damit zusammen, wie eingebunden sich Menschen in die Gesellschaft fühlen. Auch Einkommen und soziale Lage spielen eine Rolle. Wo die Unterschiede am größten sind, ordnen die Daten aus der zweiten Lebenshälfte ein.

Politisches Vertrauen bezeichnet das Zutrauen, das Menschen in politische Institutionen und Akteure setzen, also etwa in Parlament, Regierung, Parteien, Justiz oder Verwaltung. Es gilt als wichtige Grundlage einer funktionierenden Demokratie, weil Entscheidungen und Regeln eher mitgetragen werden, wenn ein grundlegendes Vertrauen besteht. Gerade in Krisenzeiten, in denen unpopuläre Maßnahmen nötig werden können, ist dieses Vertrauen von Bedeutung. Die vorliegende Auswertung stützt sich auf den Deutschen Alterssurvey, eine bundesweit repräsentative Befragung von Menschen in der zweiten Lebenshälfte ab etwa 43 Jahren. Untersucht wurde, wie stark das Vertrauen in einzelne Institutionen ausgeprägt ist und mit welchen sozialen Merkmalen es zusammenhängt. Damit liefert die Studie eine belastbare Momentaufnahme für eine große und wachsende Bevölkerungsgruppe.

Die Ergebnisse zeichnen ein zweigeteiltes Bild. Ein großer Teil der Befragten vertraut jenen Institutionen, die als eher sachlich und unparteiisch wahrgenommen werden. Der Polizei, der Wissenschaft sowie der Justiz und den Gerichten sprechen zwischen rund 79 und 89 Prozent der Menschen Vertrauen aus. Deutlich zurückhaltender fallen die Urteile über die primär politischen Akteure aus. Dem Bundestag, der Bundesregierung, den Parteien und der Europäischen Union sowie den Medien vertrauen nur zwischen etwa 22 und 40 Prozent. Diese Lücke zwischen ordnenden Institutionen einerseits und dem parteipolitischen Betrieb andererseits ist ein zentrales Muster der Untersuchung. Sie zeigt, dass pauschale Aussagen über einen allgemeinen Vertrauensverlust zu kurz greifen, weil das Vertrauen stark davon abhängt, um welche Institution es geht.

Warum Einkommen und Zugehörigkeit den Ausschlag geben

Besonders aufschlussreich ist der Zusammenhang mit der sozialen Lage, den die zugrunde liegende Auswertung des Deutschen Zentrums für Altersfragen herausarbeitet und statistisch absichert. Menschen mit höherem Einkommen vertrauen den Institutionen im Schnitt stärker als armutsgefährdete Personen, und diese Unterschiede sind statistisch signifikant. Noch enger ist der Zusammenhang mit dem Gefühl gesellschaftlicher Eingebundenheit. Wer sich zugehörig und nicht ausgeschlossen fühlt, bringt politischen Institutionen deutlich mehr Vertrauen entgegen. Wahrgenommene soziale Exklusion geht dagegen mit geringerem Vertrauen einher. Das legt nahe, dass Vertrauen nicht allein eine Frage politischer Zufriedenheit ist, sondern auch davon abhängt, ob sich Menschen als Teil der Gesellschaft erleben.

Was der Befund für die Demokratie bedeutet

Für die politische Debatte hat der Zusammenhang praktische Bedeutung. Wenn politisches Vertrauen eng mit dem Gefühl der Zugehörigkeit verknüpft ist, dann lässt es sich nicht allein durch bessere Kommunikation einzelner Institutionen stärken. Ebenso wichtig sind Teilhabechancen und die Frage, ob sich benachteiligte Gruppen gesehen und einbezogen fühlen. Die Studie betont zugleich, dass ein Grundvertrauen gerade in Krisen wichtig ist, weil es die Bereitschaft erhöht, gemeinsame Regeln mitzutragen. Die Ergebnisse beziehen sich auf die zweite Lebenshälfte und lassen sich nicht ohne Weiteres auf jüngere Menschen übertragen. Sie zeigen jedoch, dass Vertrauen in Institutionen und sozialer Zusammenhalt zwei Seiten derselben Medaille sind und dass eine gezielte Stärkung von Teilhabe auch dem politischen Vertrauen zugutekommen kann.

DZA Aktuell 01/2026, Politisches Vertrauen und wahrgenommene soziale Exklusion in der zweiten Lebenshälfte; doi:10.60922/hw6c-hh79

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