Rund 270.000 deutsche Staatsangehörige haben im Jahr 2024 Deutschland verlassen und sich ins Ausland abgemeldet. Genau erfasst die amtliche Wanderungsstatistik 269.986 Fortzüge, ein Anstieg um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Auswanderung deutscher Staatsbürger bewegt sich damit weiter auf hohem Niveau, bleibt aber nur ein kleiner Teil der gesamten Fortzüge aus Deutschland. Über alle Nationalitäten hinweg standen den Fortzügen weiterhin deutlich mehr Zuzüge gegenüber.
Die Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamtes erfasst alle Zu- und Fortzüge über die deutschen Grenzen innerhalb eines Jahres. Als Fortzug gilt dabei jede Abmeldung ins Ausland, unabhängig davon, ob jemand dauerhaft auswandert oder nur für einige Zeit im Ausland lebt und später zurückkehrt. Insgesamt wurden für das Jahr 2024 rund 1,26 Millionen Fortzüge registriert. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf ausländische Staatsangehörige, die Deutschland wieder verlassen, während deutsche Staatsbürger mit knapp 270.000 Fällen etwa ein Fünftel ausmachen. Die Zahl der Auswanderung deutscher Staatsangehöriger ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen, bewegt sich aber in einer Größenordnung, die seit einigen Jahren ähnlich hoch liegt. Ein einzelner Höchstwert lässt sich daraus nicht ableiten.
Wichtig für die Einordnung ist der Unterschied zwischen Fortzügen und dem sogenannten Wanderungssaldo. Der Saldo ergibt sich aus der Differenz zwischen Zuzügen und Fortzügen und zeigt, ob unter dem Strich mehr Menschen kommen oder gehen. Bei den deutschen Staatsangehörigen fiel dieser Saldo 2024 negativ aus, es verließen also mehr Deutsche das Land, als aus dem Ausland zurückkehrten. Über alle Nationalitäten hinweg blieb die Zuwanderung nach Deutschland jedoch weiterhin höher als die Abwanderung. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass die Rohdaten der Wanderungsstatistik nicht bereinigt sind und auch sehr kurze Aufenthalte sowie Mehrfachzählungen enthalten. Die tatsächliche dauerhafte Auswanderung liegt deshalb niedriger, als die reine Zahl der Fortzüge zunächst nahelegt.
Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, dass die öffentliche Debatte häufig verschiedene Gruppen vermischt. Von den rund 1,26 Millionen Fortzügen des Jahres 2024 entfielen etwa eine Million auf ausländische Staatsangehörige, die Deutschland nach kürzerem oder längerem Aufenthalt wieder verlassen. Die knapp 270.000 deutschen Auswanderer sind demgegenüber eine deutlich kleinere Gruppe. Viele von ihnen gehen nicht für immer, sondern für einen befristeten Zeitraum ins Ausland, etwa aus beruflichen Gründen, für ein Studium oder eine Ausbildung. Untersuchungen zur Abwanderung deutscher Staatsbürger deuten darauf hin, dass ein erheblicher Teil später zurückkehrt. Die statistische Erfassung ist dabei nicht lückenlos, weil sich nicht alle Auswandernden ordnungsgemäß abmelden oder im Zielland registrieren lassen. Die genaue Zahl der dauerhaft im Ausland lebenden Deutschen lässt sich deshalb nur schätzen.
Dass unter den deutschen Staatsangehörigen im Jahr 2024 ein Wanderungsverlust entstand, ist für sich genommen kein neuer Befund, sondern ein Muster, das sich über mehrere Jahre zeigt. Für die Motive gibt es keine einheitliche Erklärung, denn berufliche Chancen, familiäre Gründe, Lebensqualität und persönliche Vorlieben spielen ineinander. Studien zur internationalen Mobilität kommen zu dem Ergebnis, dass das subjektive Wohlbefinden vieler Menschen nach einem Umzug ins Ausland steigt, was ein Beweggrund unter mehreren sein kann. Besonders häufig zieht es deutsche Auswanderer in andere europäische Länder, oft in geografischer Nähe und in Staaten mit vertrauter Sprache oder Kultur. Die vollständigen Daten und methodischen Hinweise dokumentiert das zuständige Bundesamt in seinem amtlichen Migrationsbericht zur Abwanderung, der die Zahlen einordnet.