Ostdeutschland

Geburtenrückgang in Deutschland verlangsamt sich spürbar

 Dennis Lenz

Geburtenrückgang in Deutschland verlangsamt sich spürbar
(Symbolbild) Der Geburtenrückgang in Deutschland setzt sich fort, hat sich zuletzt aber deutlich abgeschwächt. Von Januar bis Mai 2026 kamen rund 260.400 Kinder zur Welt. In Ostdeutschland fiel der Rückgang stärker aus als im Westen. (Foto: © Forschung und Wissen)

Die Zahl der Geburten in Deutschland sinkt weiter, doch das Tempo des Rückgangs lässt spürbar nach. Von Januar bis Mai 2026 kamen nach vorläufigen Angaben rund 260.400 Kinder zur Welt, 1,7 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Geburtenrückgang setzt sich damit fort, fällt aber deutlich milder aus als zuletzt. Große Unterschiede zeigen sich zwischen Ost und West sowie nach der Zahl der bereits geborenen Kinder. Was hinter der Entwicklung steckt, ordnen die neuen amtlichen Daten ein.

Der Geburtenrückgang beschreibt, dass in einem bestimmten Zeitraum weniger Kinder geboren werden als zuvor. Gemessen wird das über die Zahl der Lebendgeborenen sowie über die zusammengefasste Geburtenziffer, oft schlicht Geburtenrate genannt. Diese gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens rechnerisch bekommen würde. In Deutschland ist die Geburtenziffer 2024 auf rund 1,35 Kinder je Frau gesunken. Zugleich wurden im Jahr 2024 insgesamt 677.117 Kinder geboren, der niedrigste Wert seit dem Jahr 2013. Seit der Wiedervereinigung erlebt das Land damit bereits die dritte Phase deutlich sinkender Geburten. Die Entwicklung hat weitreichende Folgen für Rentensystem, Arbeitsmarkt und Infrastruktur, weil weniger Nachwuchs langfristig die Altersstruktur der Bevölkerung verschiebt.

Der aktuelle Zeitraum zeigt allerdings, dass sich der Trend abzuschwächen scheint. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 waren die Geburten noch um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Im gleichen Abschnitt des Jahres 2026 beträgt das Minus nur noch 1,7 Prozent. Der Rückgang ist also nicht gestoppt, verliert aber deutlich an Wucht. Zugleich verändert sich die Zusammensetzung der Geburten. Von allen im Zeitraum geborenen Kindern waren 46,3 Prozent Erstgeborene, 35,0 Prozent zweite Kinder und 18,7 Prozent dritte oder weitere Kinder der Mutter. Vor allem die Zahl der Erstgeborenen war zuletzt rückläufig, und dieser Rückgang begann früher als bei den weiteren Kindern. Damit deutet sich an, dass viele Menschen die Familiengründung aufschieben.

Warum der Geburtenrückgang im Osten stärker ausfällt

Regional verläuft die Entwicklung uneinheitlich, wie die aktuellen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes zeigen und nach Landesteilen aufschlüsseln. In Ostdeutschland ging die Zahl der Geburten mit 3,2 Prozent stärker zurück als in Westdeutschland mit 1,6 Prozent. Solche Unterschiede lassen sich nicht allein mit einer einzelnen Ursache erklären. Eine Rolle spielen unter anderem die Altersstruktur, die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und regionale Wanderungsbewegungen. Da die Zahlen vorläufig und noch unvollständig sind, können sich einzelne Werte im weiteren Jahresverlauf noch verändern. Klar ist jedoch, dass der Osten des Landes den demografischen Wandel in vielen Kennzahlen früher und ausgeprägter spürt als der Westen, was langfristig auch die Versorgung mit Kitas, Schulen und Fachkräften betrifft.

Was der Trend für die Demografie bedeutet

Für die längerfristige Entwicklung der Bevölkerung ist entscheidend, ob es sich um einen dauerhaften Rückgang oder um ein vorübergehendes Aufschieben von Geburten handelt. Sinkt die Geburtenrate über viele Jahre, altert die Gesellschaft schneller, weil auf immer mehr ältere Menschen immer weniger jüngere folgen. Zuwanderung kann diesen Effekt abmildern, den grundlegenden Trend aber nicht umkehren. Die aktuelle Verlangsamung des Rückgangs ist deshalb bemerkenswert, sollte jedoch nicht überinterpretiert werden, da Monatswerte stärker schwanken als Jahreswerte. Verlässliche Aussagen über einen echten Wendepunkt lassen sich erst treffen, wenn vollständige Jahreszahlen vorliegen. Die zusammengefasste Geburtenziffer bleibt dabei die zentrale Kennzahl, um den Geburtenrückgang über die Zeit einzuordnen und mit anderen Ländern zu vergleichen.

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