Busse und Bahnen in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 rund 2 Prozent mehr Fahrgäste befördert als ein Jahr zuvor. Im öffentlichen Nahverkehr summierte sich das auf 5,7 Milliarden Fahrten, drei Jahre nach dem Start des Deutschlandtickets. Doch das Wachstum hat sich deutlich verlangsamt, und im Fernverkehr sank die Zahl der Reisenden. Ein Verkehrsmittel legte dort allerdings kräftig zu.
Der öffentliche Personennahverkehr, kurz ÖPNV, umfasst alle Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen und Nahverkehrszüge, die im Linienverkehr innerhalb von Städten und Regionen fahren. Für Millionen Menschen ist er das tägliche Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen. Mit dem Deutschlandticket hat sich die Nutzung in den vergangenen Jahren stark verändert, denn seither reicht ein einziges Monatsabonnement für den gesamten Nahverkehr im ganzen Land. Das Statistische Bundesamt erfasst die Zahl der Fahrgäste im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen regelmäßig und hat am 21. September 2026 die Ergebnisse für das erste Halbjahr veröffentlicht. Danach waren von Januar bis Juni 2026 rund 2 Prozent mehr Fahrgäste im Linienverkehr unterwegs als im Vorjahreszeitraum. Getragen wurde dieses Plus vom Nahverkehr, während der Fernverkehr mit Zügen und Bussen insgesamt Fahrgäste verlor. Die Zahlen zeigen damit zwei gegenläufige Entwicklungen im öffentlichen Verkehr des Landes.
Um die Zahlen einzuordnen, hilft ein Blick auf die Größenordnungen. Der öffentliche Nahverkehr macht 99 Prozent des gesamten Linienverkehrs mit Bussen und Bahnen aus. Wer von der Entwicklung der Fahrgastzahlen in Deutschland spricht, spricht damit fast ausschließlich über den Nahverkehr. Der Fernverkehr mit Fernzügen und Fernbussen ist zwar für Reisen zwischen Städten wichtig, spielt bei der reinen Zahl der Fahrten aber eine vergleichsweise kleine Rolle. Im ersten Halbjahr 2026 standen 5,7 Milliarden Fahrgästen im Nahverkehr rund 75 Millionen Fahrgäste im Fernverkehr gegenüber. Diese Unterschiede in der Größe erklären, warum ein leichtes Plus im Nahverkehr das Gesamtergebnis bestimmt, obwohl der Fernverkehr Fahrgäste verloren hat. Sie zeigen aber auch, welches Gewicht Busse, Straßenbahnen und Nahverkehrszüge für die Mobilität im Alltag haben. Für die Verkehrsplanung ist entscheidend, wie sich dieser große Block entwickelt und ob das Deutschlandticket weiterhin neue Fahrgäste gewinnt.
Im öffentlichen Nahverkehr wuchs das Fahrgastaufkommen im ersten Halbjahr 2026 um 2 Prozent auf insgesamt 5,7 Milliarden Fahrgäste. Das ist die Zahl aller Fahrten, nicht die Zahl der Menschen, denn wer täglich pendelt, geht mehrfach in diese Statistik ein. Die vollständige Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts zum Personenverkehr schlüsselt die Ergebnisse nach Verkehrsmitteln auf und stellt sie den Vorjahreswerten gegenüber. Dabei wird deutlich, dass sich die Verkehrsmittel des Nahverkehrs recht einheitlich entwickelt haben, während im Fernverkehr Züge und Busse in entgegengesetzte Richtungen liefen. Das Statistische Bundesamt ordnet das Ergebnis selbst ein: Drei Jahre nach Einführung des Deutschlandtickets gab es im Nahverkehr noch einen geringen Anstieg der Fahrgastzahlen. Der große Schub aus der Anfangszeit des Tickets ist damit vorbei, eine Trendwende nach unten zeigen die Daten aber ebenfalls nicht.
Wie stark sich das Wachstum verlangsamt hat, zeigt der Vergleich mit den Vorjahren. Im ersten Halbjahr 2024 hatte der Anstieg der Fahrgastzahlen im Nahverkehr gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch 6 Prozent betragen. Im ersten Halbjahr 2025 waren es nur noch 1 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 nun 2 Prozent. Der Einführung des Deutschlandtickets folgte demnach ein deutlicher Sprung, danach pendelte sich das Wachstum auf niedrigem Niveau ein. Für diese Entwicklung gibt es eine naheliegende Erklärung im Muster selbst: Viele Menschen, die durch das günstige Abonnement neu in Busse und Bahnen umgestiegen sind, taten dies bereits in der Anfangszeit. Weitere Zuwächse müssen seither aus Gruppen kommen, die bisher andere Verkehrsmittel nutzen. Die amtliche Statistik weist allerdings keine Gründe für die Veränderungen aus, sie beschreibt nur die Zahl der Fahrgäste. Ob Preisänderungen beim Ticket, das Angebot vor Ort oder andere Faktoren den Ausschlag geben, lässt sich aus den Halbjahreszahlen nicht ablesen.
Innerhalb des Nahverkehrs entwickelten sich die großen Verkehrsmittel ähnlich. Die Zahl der Fahrgäste im Nahverkehr mit Eisenbahnen stieg um 1 Prozent auf 1,4 Milliarden. Das Fahrgastaufkommen in Straßenbahnen wuchs ebenfalls um 1 Prozent auf rund 2 Milliarden Fahrgäste. Straßenbahnen und Nahverkehrszüge zusammen tragen damit mehr als die Hälfte aller Fahrten im öffentlichen Nahverkehr. Den übrigen Anteil teilen sich vor allem Busse sowie weitere Verkehrsmittel im Linienverkehr. Gerade bei den Bussen im Nahverkehr sind die Angaben nach Einschätzung des Statistischen Bundesamts allerdings besonders unsicher, weil sich die Fahrgäste dort schwerer erfassen lassen. Die Entwicklung auf der Schiene gilt deshalb als verlässlicherer Anhaltspunkt für den Trend. Sie bestätigt das Gesamtbild eines leichten, aber stetigen Wachstums. Für Städte und Verkehrsverbünde bedeutet das, dass die Auslastung ihrer Züge und Straßenbahnen weiter steigt, wenn auch in deutlich kleineren Schritten als in den Jahren unmittelbar nach dem Start des Deutschlandtickets.
Im Fernverkehr zeigt sich ein anderes Bild. Die Zahl der Fahrgäste sank im ersten Halbjahr 2026 auf 75 Millionen, ein Rückgang um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Eisenbahnfernverkehr fuhren 69 Millionen Fahrgäste, 3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Als eine mögliche Ursache nennt das Statistische Bundesamt witterungsbedingte Beeinträchtigungen des Bahnbetriebs im ersten Quartal 2026. Ganz anders entwickelten sich die Fernbusse. Mit ihnen reisten rund 5,4 Millionen Fahrgäste, ein Zuwachs von 10 Prozent. Die Fernbusse bleiben damit zwar ein kleiner Teil des Fernverkehrs, sie wachsen aber deutlich schneller als jedes andere Verkehrsmittel in der Statistik. Ob Reisende gezielt vom Zug auf den Bus umgestiegen sind, etwa wegen der Störungen im Bahnbetrieb, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Die Gegenüberstellung zeigt aber, dass der Rückgang im Fernverkehr allein auf die Schiene entfällt, während die Straße im Fernverkehr Fahrgäste hinzugewonnen hat.
Bei der Bewertung der Ergebnisse weist das Statistische Bundesamt auf mehrere Einschränkungen hin. Seit dem ersten Quartal 2026 gilt ein neu festgelegter Berichtskreis, also ein veränderter Kreis von Verkehrsunternehmen, die ihre Daten melden. Für einige Verkehrsarten könnten die rechnerischen Veränderungsraten dadurch verzerrt sein, weshalb das Amt sie auf Basis bereinigter Vorjahreswerte berechnet hat. Hinzu kommt eine Folge des Deutschlandtickets selbst. Weil das Ticket sowohl regional als auch über zentrale Vertriebsstellen verkauft wird, fällt es den örtlichen Verkehrsunternehmen schwerer, das Fahrgastaufkommen festzustellen. Wer ein bundesweit gültiges Abonnement nutzt, taucht nicht automatisch in den Verkaufsdaten des Unternehmens auf, dessen Busse er fährt. Besonders unsicher sind deshalb die Angaben zum Nahverkehr mit Bussen. Die Richtung der Entwicklung ist dennoch klar erkennbar: Der Nahverkehr wächst weiter leicht, der Fernverkehr auf der Schiene schwächelt, und die Fernbusse legen zu.