Der Ausbildungsmarkt 2026 steht unter Druck. Es gibt inzwischen mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber, und dennoch bleiben viele Plätze unbesetzt, während zugleich Jugendliche ohne Vertrag bleiben. Die jüngsten amtlichen Auswertungen beziehen sich auf die 2025 neu abgeschlossenen Verträge und zeigen einen leichten Rückgang. Zugleich bleibt die duale Ausbildung für Hunderttausende der wichtigste Einstieg ins Berufsleben. Welche Berufe besonders gefragt sind und warum das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage immer schwerer fällt, ordnet dieser Überblick ein.
Der Ausbildungsmarkt beschreibt das Zusammenspiel aus angebotenen Ausbildungsstellen der Betriebe und der Nachfrage der Jugendlichen nach einem Ausbildungsplatz. Als Kennzahl dienen unter anderem die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sowie die Zahl der Bewerber, die noch keine Stelle gefunden haben. Für das laufende Jahr 2026 liegen die jüngsten belastbaren Auswertungen vor, sie erfassen die Verträge des Abschlussjahrgangs 2025 mit Stichtag 30. September 2025. Bundesweit wurden rund 475.950 neue Ausbildungsverträge geschlossen, etwa 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Rund 63,5 Prozent der Verträge entfielen auf junge Männer, 36,4 Prozent auf junge Frauen. Trotz des Rückgangs bleibt die Zahl hoch, denn die duale Ausbildung verbindet betriebliche Praxis mit theoretischem Unterricht und gilt als tragende Säule der Fachkräftesicherung.
Das eigentliche Problem liegt weniger in der Gesamtzahl als im Zusammenführen von Angebot und Nachfrage. In vielen Regionen und Branchen gibt es seit Jahren mehr offene Lehrstellen als Bewerber, gleichzeitig erreichte die Zahl der unversorgten Bewerber zuletzt einen neuen Höchststand. Diese scheinbar widersprüchliche Lage wird als Matching-Problem bezeichnet. Betriebe im Handel, im Baugewerbe und im Gastgewerbe melden häufig unbesetzte Stellen, während Jugendliche mit anderen Wünschen oder in anderen Regionen leer ausgehen. Hinzu kommen unterschiedliche Erwartungen an Arbeitszeiten, Bezahlung und Perspektiven. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie nicht mehr nur um fertige Fachkräfte, sondern zunehmend schon um Auszubildende konkurrieren müssen, was die Ausbildung als strategisches Thema aufwertet.
An der Spitze der beliebtesten Berufe steht seit Jahren derselbe Beruf, wie der offizielle Berufsbildungsbericht 2026 die aktuelle Lage im Detail beschreibt und nach Berufen aufschlüsselt. Über alle Auszubildenden hinweg führt der Kfz-Mechatroniker mit rund 24.500 Neuabschlüssen die Rangliste an, gefolgt von kaufmännischen Berufen wie Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement und dem Beruf Verkäufer. Betrachtet man nur die jungen Frauen, liegt die medizinische Fachangestellte mit rund 16.680 neuen Verträgen vorn. Die Verteilung zeigt, dass technische Berufe bei jungen Männern und medizinisch-kaufmännische Berufe bei jungen Frauen weiterhin dominieren. Diese Muster verändern sich nur langsam, obwohl neue Felder wie IT, Pflege und erneuerbare Energien deutlich an Bedeutung gewinnen.
Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt reicht weit über einzelne Betriebe hinaus. Wenn immer mehr Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, fehlen mittelfristig qualifizierte Fachkräfte in zentralen Bereichen wie Handwerk, Pflege, Technik und Verwaltung. Gleichzeitig ist jeder Jugendliche ohne Ausbildungsplatz ein Risiko für den späteren Erwerbsverlauf, denn ein fehlender Berufsabschluss erhöht die Gefahr von Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung. Damit wird die duale Ausbildung zu einer gesellschaftlichen Schlüsselfrage. Politik, Kammern und Betriebe setzen auf bessere Berufsorientierung, Mobilitätshilfen und eine engere Verzahnung von Schule und Ausbildung, um das Matching-Problem zu verringern. Ob diese Maßnahmen greifen, wird sich daran zeigen, wie sich Vertragszahlen und unbesetzte Stellen auf dem Ausbildungsmarkt in den kommenden Jahren entwickeln.