-111,2 Grad Celsius

Neuer Kälterekord in Gewittersturm

Robert Klatt

Eine ungewöhnlich kalte Tropopause hat für einen neuen Kälterekord in einem Gewittersturm geführt.

Oxford (England). Wissenschaftler des National Centre for Earth Observation in Oxford und der University of Wisconsin berichten in den Geophysical Research Letters von einem neuen Kälterekord. Demnach wurde am 29. Dezember 2018 in einer Gewitterwolke über dem Südwestpazifik eine Temperatur von -111,2 Grad Celsius gemessen. Die Wolke war damit mehr als 30 Grad kälter als normale hoch aufsteigende Gewitterwolken.

In der Regel kommt es nur auf der Oberseite von tropischen Wirbelstürmen zu extrem niedrigen Temperaturen. Gemessen wurde der neue Kälterekord jedoch bei einem normalen Gewittersturm. Es handelt sich dabei laut Simon Richard Proud und Scott Bachmeier um einen Sonderfall, der entstanden ist, weil die Gewitterwolke in eine besonders kalte Atmosphärenschicht hereinragte.

Temperaturrekorde sind Indikatoren für Stürme

Die Wissenschaft untersucht solche Temperaturrekorde vor allem, weil sehr kalte Oberseiten von Wolken ein Indikator für sehr starke und gefährliche Stürme sind. Im Bewertungsmodell für Stürme, dessen Daten unter anderem Frühwarnsysteme nutzen, ist die Temperatur deshalb einer der wichtigsten Faktoren.

„overshoots“ erzeugen niedrige Temperaturen

In den meisten Stürmen steigt warme, feuchte Luft aus der unteren Atmosphäre auf, deren Feuchtigkeit dann kondensiert und dadurch die Luft weiter aufheizt. Der dadurch entstehende Prozess sorgt für eine weitere Beschleunigung der aufsteigenden Luft. Normalerweise wird dabei ein Gleichgewichtslevel in der Tropopause, der Luftschicht am oberen Rand der Troposphäre, erreicht, ab dem die Beschleunigung abnimmt.

Bei Stürmen mit besonders viel Wärme und Feuchtigkeit und damit auch besonders viel Energie besitzen, kann es aber zu sogenannten „overshoots“ führen. Die Luftmassen erreichen dann statt der Tropopause bis in die untere Stratosphäre. Dabei nimmt die Temperatur um etwa sieben Grad Celsius pro Kilometer ab. Gemessen wird die Temperatur solcher „Overshoot-Dome“ von Satelliten.

Besonders kalte Tropopause

Bei dem nun gemessenen Kälterekord war für die besonders niedrige Temperatur kein overshoot, sondern eine ungewöhnlich kalte Tropopause verantwortlich. Die Intensität des Sturms war deshalb trotz der Temperatur deutlich geringer als beim Taifun Kammuri von 2019, bei dem eine Temperatur von -109,4 Grad Celsius gemessen wurde.

Geophysical Research Letters, doi: 10.1029/2020GL092261

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