Vulkanologie

Meerwasser hält Santorin-Vulkan im Zaum

Dennis L.

Eine aktuelle Studie über die Veränderungen des Meeresspiegels, während der letzten vier Eiszeiten zeigt, dass ein anhaltender Rückgang des Meeresspiegels zu Zeiten vulkanischer Aktivität geführt haben.

Oxford (Großbritannien). Die beliebten Inseln der griechischen Santorin-Gruppe ziehen jedes Jahr Tausende von Touristen aus aller Welt an. Die Inselgruppe ist umgeben von der eingestürzten Magmakammer, der Caldera eines noch aktiven Vulkans, der etwa 360.000 Jahre alt ist. Britische Wissenschaftler haben nun erstmals den Zusammenhang zwischen der Höhe des Meeresspiegels und den Ausbrüchen des Vulkans ermittelt und präsentieren ihre Resultate in der Fachzeitschrift Nature Geoscience.

Der Meeresspiegel scheint auf einer Zeitskala von Tausenden und Abertausenden von Jahren der vorherrschende Faktor für den Zeitpunkt der Eruptionen auf Santorin zu sein. Zusammen mit seinen Kollegen analysierte Chris Satow von der Oxford Brookes University dazu die Eruptionen und die schwankenden Meeresspiegelhöhen, die seit 360.000 Jahren durch Sedimentablagerungen und historische Aufzeichnungen gut dokumentiert sind. Die Geowissenschaftler konnten 208 der insgesamt 211 untersuchten Ausbrüche Phasen mit ausgeprägt niedrigen Meeresspiegeln während der vergangenen Eiszeiten zuordnen.

Hoher Wasserdruck auf der Magmakammer

Die Geologen führten daraufhin neue Berechnungen durch, die es ihnen ermöglichten, den genauen Zusammenhang zwischen Meeresspiegel, Magmakammern und Vulkanausbrüchen zu ermitteln. Darüber hinaus verwendeten sie geologische Modelle, um die Wasserbelastung des Vulkans in verschiedenen Phasen der Geschichte zu messen. Ihre Berechnungen ergaben, dass es für das Magma viel einfacher war, durch Risse im nah gelegenen Gestein an die Erdoberfläche zu gelangen und einen Vulkanausbruch auszulösen, wenn der Wasserspiegel 40 Meter niedriger war als heute. In den Eiszeiten der vergangenen Jahrtausende sank der Meeresspiegel erheblich, wobei jeder Temperaturanstieg mit einem starken Anstieg der Eruptionen einherging.

Obwohl sich der Meeresspiegel auf einem hohen Niveau befindet und infolge des Klimawandels sogar ansteigt, gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Magmakammer des Santorin-Vulkans gefüllt hat. Tatsächlich deuteten Beobachtungen vor zehn Jahren darauf hin, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorstand; dieser blieb jedoch bis jetzt aus.

Insgesamt befinden sich etwa 57 Prozent der Vulkane der Welt in der Nähe des Meeres oder von Küstengebieten. Bei diesen Vulkanen könnte der Anstieg des Meeresspiegels das Ausbruchsverhalten in ähnlicher Weise beeinflussen wie die des Santorin-Vulkans. Küstenvulkane neigen dazu, in groben Zyklen auszubrechen, und folgen oft einem starken Anstieg des Meeresspiegels. Die Kenntnis dieses Zusammenhangs könnte zu einer besseren Abschätzung des derzeitigen und künftigen Eruptionsrisikos führen, insbesondere für die Menschen, die an den Küsten leben.

Quelle: Nature Geoscience; doi: 10.1038/s41561-021-00783-4

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