Satellitendaten

Flussdeltas sinken global ab und gefährden Hunderte Millionen Menschen

 Robert Klatt

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Die Flussdeltas, in denen hunderte Millionen Menschen leben, sinken global ab, unter anderem aufgrund der hohen Grundwasserentnahme. Langfristig ist die Gefahr durch den Klimawandel, der den Meeresspiegel immer mehr ansteigen lässt, aber größer.

Irvine (Deutschland). Eine Studie des Virginia Polytechnic Institute and State University (Virginia Tech) hat 2024 anhand von Satellitenbildern belegt, dass mehrere Großstädte an der US-Ostküste zunehmend absinken, darunter auch New York City, wo die Überflutungsgefahr in vielen Stadtteilen kontinuierlich zunimmt. Wissenschaftler der University of California, Irvine (UCI) haben nun analysiert, mit welcher Geschwindigkeit die globalen Flussdeltas, in denen hunderte Millionen Menschen leben, absinken und welche Ursachen dafür verantwortlich sind.

„Unsere Studie liefert die ersten deltaweiten, hochauflösenden Beobachtungen der Landabsenkung in 40 großen Flussdelta-Systemen und zeigt nicht nur, wo das Land absinkt, sondern quantifiziert auch, wie stark. Wir haben außerdem die relativen Beiträge konkreter menschlicher Faktoren quantifiziert: Grundwasserentnahme, Sedimentmangel und Urbanisierung in diesen Deltas, wodurch wir den dominierenden Treiber des Absinkens identifizieren können.“

Wie die Forscher erklären, schließt ihre Studie eine Forschungslücke, weil die Wissenschaft zuvor mangels ausreichend präziser Messdaten nicht klar unterscheiden konnte, wie groß die Gefahr durch Landabsenkung im Vergleich zum steigenden Meeresspiegel ist.

Satellitendaten von 40 großen Flussdeltas

Die neue Studie basiert auf Satellitenradardaten, die die Höhenverluste an der Oberfläche von 40 großen Flussdeltas präzise zeigen. In den untersuchen Deltas gibt es deutliche Unterschiede bei der Landabsenkung. Diese liegt in manchen Regionen bei weniger als einem Millimeter pro Jahr, etwa im Fraser-Delta in Kanada, und in manchen Regionen bei mehr als einem Zentimeter pro Jahr, etwa im Gelben-Fluss-Delta in China. In manchen Regionen ist die Geschwindigkeit der Landabsenkung damit mehr als doppelt so hoch wie der globale Meeresspiegelanstieg.

„Dass die Landabsenkung den Meeresspiegelanstieg übertrifft, war verbreiteter als erwartet, und in jedem Delta, das wir beobachtet haben, sinkt zumindest ein Teil schneller ab, als die Meeresoberfläche steigt. Während das in Deltas wie dem Rio Grande weniger als ein Prozent der Fläche betrifft, sinken in anderen wie dem Mekong, dem Chao Phraya und dem Nil riesige Gebiete, die einen großen Teil des Deltas umfassen, schneller als die aktuellen Meeresspiegelanstiegsraten.“

Grundwasserentnahme und Klimawandel

Laut den analysierten Daten ist in mehr als einem Drittel der Deltas (35 %) die Grundwasserentnahme durch den Menschen, die laut einer Studie des Jet Propulsion Laboratory (JPL) bereits die Erdachse verschoben hat, hauptverantwortlich für die Landabsenkung. Die Wissenschaftler erklären jedoch, dass, obwohl die Landabsenkung in vielen Deltas aktuell einen Großteil der direkten Gefährdung verursacht, der durch den Klimawandel verursachte Meeresspiegelanstieg langfristig die größte Bedrohung darstellt. Aktuell nimmt der Meeresspiegel durch die abschmelzenden Gletscher um vier Millimeter pro Jahr zu.

Die neuen Daten können den in den Deltas lebenden Menschen dabei helfen, die Gefahren besser einzuschätzen und zeitnah entsprechende Gegenmaßnahmen zu planen.

„Diese Ergebnisse geben Delta-Gemeinschaften ein klareres Bild einer zusätzlichen Bedrohung, die zu einer höheren Überschwemmungsgefährdung führen kann, und diese Klarheit über die Gefahr, der sie gegenüberstehen, ist wichtig. Wenn das Land schneller absinkt als das Meer steigt, dann werden Investitionen in Grundwassermanagement, Sediment-Wiederherstellung und widerstandsfähige Infrastruktur zu den unmittelbarsten und wirksamsten Wegen, um die Gefährdung zu verringern.“

Quellen:

Pressemitteilung der University of California, Irvine (UCI)

Studie im Fachmagazin Nature, doi: 10.1038/s41586-025-09928-6

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