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Zufallsfoto enthüllt seit 58 Jahren verschollene Pflanze

 Dennis Lenz

Zufallsfoto enthüllt seit 58 Jahren verschollene Pflanze
(Symbolbild) Eine seit 1967 verschollene Pflanze aus dem australischen Outback galt als eines von weltweit rund 900 in der Wildnis ausgestorbenen Gewächsen. Ein beiläufig aufgenommenes Handyfoto eines Vogelkundlers brachte die Art nun zurück auf die Landkarte der Botanik. Der Fall zeigt, wie Laien mit Smartphones die Forschung verändern. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Manchmal genügt ein einziges Foto, um eine totgeglaubte Art zurückzuholen. Im rauen Norden Australiens fotografierte ein Hobbynaturforscher beiläufig einen unscheinbaren Strauch und lud die Bilder auf die Plattform iNaturalist hoch. Ein Botaniker erkannte darauf die seit 1967 verschollene Pflanze Ptilotus senarius, die längst als in der Wildnis ausgestorben galt. Nach 58 Jahren ohne jeden Nachweis steht die Art nun wieder auf der Liste der lebenden, wenn auch stark bedrohten Gewächse.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts sind weltweit über 900 Pflanzenarten in der Wildnis ausgestorben, viele weitere gelten als verschollen, weil sie über Jahrzehnte nirgends mehr nachgewiesen wurden. Gerade in dünn besiedelten Weltregionen ist der Unterschied zwischen ausgestorben und übersehen jedoch fließend, denn kein Botaniker kann Landflächen von der Größe ganzer Staaten systematisch absuchen. In Australien verschärft die schiere Weite des Kontinents dieses Problem, weite Teile des Outbacks werden von Wissenschaftlern nur alle paar Jahrzehnte oder nie betreten. Genau hier entfalten Citizen-Science-Plattformen wie iNaturalist ihre Kraft, denn dort laden inzwischen rund vier Millionen Nutzer weltweit fast 300 Millionen Naturbeobachtungen von mehr als einer halben Million Arten hoch. Jedes dieser Fotos ist ein Datenpunkt, den es ohne die Beobachter schlicht nicht gäbe.

Die nun wiederentdeckte Art Ptilotus senarius ist ein schlanker, nur etwa 50 bis 60 Zentimeter hoher Strauch aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse mit purpurrosa Blüten, die an explodierende Federbüschel erinnern. Die Pflanze wächst ausschließlich in einem schwer zugänglichen Landstrich nahe dem Golf von Carpentaria im Norden des Bundesstaats Queensland und wurde seit 1967 nicht mehr gesammelt. Weil die Art zudem empfindlich auf den Beweidungsdruck durch Rinder reagiert, kamen Fachleute zu dem Schluss, dass sie höchstwahrscheinlich ausgestorben ist. Über Jahrzehnte existierte Ptilotus senarius damit nur noch als getrockneter Beleg in Herbarien, bis eine Verkettung glücklicher Zufälle im Jahr 2025 alles änderte.

Wie ein Handyfoto die verschollene Pflanze zurückbrachte

Der Gärtner und Vogelfreund Aaron Bean half auf einer abgelegenen Farm im Outback bei der Beringung von Vögeln, als ihm ein ungewöhnlicher Strauch auffiel. Er fotografierte die Pflanze mit dem Smartphone und lud die Bilder hoch, sobald er wieder Netzempfang hatte. Auf der Plattform stieß ausgerechnet der Botaniker Anthony Bean vom Queensland Herbarium auf die Aufnahmen, der die Art ein Jahrzehnt zuvor selbst wissenschaftlich beschrieben hatte, und erkannte sie sofort. Mit Hilfe des kooperativen Landbesitzers konnte ein Belegexemplar gesammelt und die Identität zweifelsfrei bestätigt werden, wie das Team um Thomas Mesaglio von der UNSW Sydney im Fachjournal Australian Journal of Botany dokumentiert. Die Namensgleichheit der beiden Beans ist dabei reiner Zufall, die Männer sind nicht verwandt.

Vom Totenschein zurück auf die Rote Liste

Statt als ausgestorben wird Ptilotus senarius nun als vom Aussterben bedroht geführt, womit die Art erstmals gezielt geschützt werden kann. Nach Einschätzung der Forscher hängt ihr Überleben am seidenen Faden, doch anders als zuvor wissen Naturschützer jetzt, wo sie ansetzen müssen, wie die UNSW Sydney in ihrer Mitteilung schildert. Der Fall steht exemplarisch für einen wachsenden Trend, bei dem Laien mit Smartphones verloren geglaubte oder gänzlich unbekannte Arten aufspüren, denn iNaturalist-Daten flossen bereits in wissenschaftliche Studien aus 128 Ländern ein. Ähnliche Glücksfälle gab es zuletzt mehrfach, etwa als eine verloren geglaubte Eichenart in Texas wiederentdeckt wurde. Die Forscher rufen deshalb ausdrücklich dazu auf, ungewöhnliche Beobachtungen zu fotografieren und hochzuladen, denn die nächste vermeintlich ausgestorbene Art wartet womöglich am Wegesrand.

Australian Journal of Botany, Rediscovery of a presumed extinct plant species, Ptilotus senarius (Amaranthaceae), through iNaturalist; doi:10.1071/BT25063

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