Indischer Ozean

Unbekannte Blauwal-Population durch Zufall entdeckt

Robert Klatt

Wissenschaftler haben mit einem Überwachungsnetzwerk, das Atombombentests erkennen soll, im Indischen Ozean eine unbekannte Blauwal-Population entdeckt.

Sydney (Australien). Wissenschaftler der University of New South Wales (UNSW) in Sydney haben mithilfe des International Monitoring System (IMS) zufällig eine unbekannte Blauwal-Population entdeckt. Das im Rahmen des Comprehensive Nuclear Test-Ban Treaty (CTBT) eingeführte Überwachungsnetzwerk aus über 300 Messstationen dient eigentlich dazu, Atomwaffentests zu erkennen, die unterirdisch oder im Meeresbereich erfolgen. Zu diesem Zweck können die Messstationen nicht nur Radionuklide erkennen, sondern durch Kooperation mit internationalen Partnern auch Infraschall, Hydroakustik und Seismik erfassen.

In der Vergangenheit konnte die Wissenschaft anhand dieser zentral im CTBT-Hauptquartier in Wien gesammelten Daten neben Atombombentests bereits andere Ereignisse erkennen. Japan nutzt die Daten des globalen Überwachungsnetzwerks beispielsweise zum Erkennen von Unterwasserbeben, die Tsunamis verursachen könnten, um die Bevölkerung früher warnen zu können.

Messdaten aus 20 Jahren analysiert

Entdeckt hat das Team um Emmanuelle Leroy von der School of Biological, Earth and Environmental Sciences an der UNSW die unbekannte Blauwal-Population laut ihrer Publikation im Fachmagazin Scientific Reports anhand von Walgesängen, die sechs Messstationen in den letzten 20 Jahren aufgezeichnet hatten.

Neben der neuen Blauwal-Population offenbart die Analyse der Messdaten laut eines Artikels im Magazin Bulletin of the Atomic Scientists außerdem, dass die Blauwale eine Menge noch unbekannter Lieder unter Wasser abgeben. „Es gab nicht nur ein paar davon, sondern eine große Menge“, erklärt Leroy. Anhand der Walgesänge, die einen Großteil des Klangbildes der letzten zwei Jahrzehnte der Messstationen ausmachen, konnten die Forscher die Blauwal-Population in mehrere Gruppen unterteilen. Dies ist möglich, weil Gruppen ein individuelles Muster bei ihren Gesängen werden, das relativ konstant ist.

Lebensraum im Indischen Ozean

Die nun entdeckte Population lebt laut den Daten der Messstationen in der Nähe einer Inselgruppe im Indischen Ozean. Derzeit suchen die Wissenschaftler noch nach den Tieren, damit ihr Lebensraum zu einer Schutzzone erklärt werden kann. Dies ist unter anderem notwendig, weil die Schifffahrt durch ihren Lärm die Walwanderungen behindern kann und die Routinen der Tiere stört.

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-021-88062-5

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