Trotz Weltraumstrahlung

Mäusesperma nach 6 Jahren im Weltraum noch voll funktionsfähig

Conny Zschage

Wie stark beeinflusst kosmische Strahlung Spermazellen? Dieser Frage ging ein Forscherteam der Universität Yamanashi in Japan nach, indem sie Mäusesperma zur Internationalen Raumstation schickten. Nach sechs Jahre ist es nun von dort zurück auf die Erde gekommen. Das überraschende Ergebnis: Die Spermazellen funktionieren noch immer einwandfrei.

Kofu (Japan). In einigen Jahrhunderten, vielleicht sogar Jahrzehnten, wird das Reisen durch den Weltraum wahrscheinlich Normalität sein. Neben der Erde könnten mehrere Planeten innerhalb und womöglich sogar außerhalb unseres Sonnensystems besiedelt werden. Doch damit menschliche Kolonien auf fremden Planeten überleben können, wäre es von Vorteil, wenn diese sich auch dort fortpflanzen könnten. Aber ginge das überhaupt?

Kosmische Strahlung beeinflusst den menschlichen Körper. Wie stark, ist bisher noch nicht bekannt. Als wahrscheinlich gilt allerdings, dass kosmische Strahlung ähnlich wie die UV-Strahlung die Wahrscheinlichkeit für Krebs erhöht und die DNA mutieren lässt. Da diese Mutationen vererbt werden können, steigt die Chance auf ein behindertes Kind. Ob langzeitreisende Astronauten auf dem Weg zu fremden Planeten in der Lage wären gesunde Kinder zu bekommen, falls sie dort ankämen, ist noch unklar. Zwar haben mehrere Astronauten bereits eine lange Zeit im Weltraum verbracht, so etwa der Russe Gennady Padalka, der insgesamt 879 Tage im Weltraum war. Die genauen Einflüsse von Weltraumstrahlung auf die Fruchtbarkeit von Menschen sind bisher aber wenig erforscht.

Mäusesperma verbrachte mehrere Jahre auf der ISS

Um nun also die Einflüsse von kosmischer Strahlung auf Spermazellen zu untersuchen, schickte ein Forscherteam der Universität Yamanashi das Sperma von 12 Mäusen zur ISS. Da es dort allerdings nicht langwierig gelagert werden kann, wurden die Spermazellen vorher getrocknet. Nach drei Jahren wurde der erste Teil zurück auf die Erde geschickt, nach drei weiteren Jahren der zweite Teil. Zurück auf der Erde wurde das Sperma rehydriert, um mehrere Mäuse künstlich zu befruchten. Die daraus entstandenen Mäuse wurden dann mit Mäusen aus denselben Spermazellen, welche nicht im Weltraum waren, verglichen.

Studie hat ein großes Problem

Weder bei dem Aussehen der Mäuse noch bei ihrer DNA konnten Unterschiede festgestellt werden. Auch ihre Kinder und Enkel waren gesund. Für zukünftige Weltraumreisen ist dies eine positive Erkenntnis. Doch die Studie, welche in der Fachzeitschrift Sciences Advances veröffentlich wurde, hat einen großen Haken. Kosmische Strahlung ist dafür bekannt, dass sie DNA schädigt, indem sie Wassermoleküle in betroffenen Zellen zerstört.

Da das Sperma getrocknet wurde, war kein Wasser vorhanden. Dadurch könnte es besonders resistent gegenüber Strahlung sein. Da Sperma allerdings nicht in getrockneter Form in Organismen auftritt, könnte die Weltraumstrahlung trotzdem negative Effekte haben. Diesbezüglich sollen in Zukunft weitere Studien erfolgen. Falls die Planeten Mars oder Venus in Zukunft für eine menschliche Kolonie ausgewählt werden, könnten weitere Experimente, die die Fruchtbarkeit von Menschen im Weltraum untersuchen, anstehen.

Sciences Advances, doi: 10.1126/sciadv.abg5554

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