Robert Klatt
Lachse, die Kokain oder das Stoffwechselprodukt Benzoylecgonin konsumieren, schwimmen deutlich weiter als nüchterne Lachse. Es ist noch unklar, wie die Ökosysteme dadurch beeinflusst werden.
Umeå (Schweden). Der Kokainkonsum hat in den letzten Jahrzehnten in vielen Regionen deutlich zugenommen. Es gelangen deshalb immer mehr Kokainrückstände über das Abwasser in Flüsse und Seen. Es ist bereits bekannt, dass Kokain das Nervensystem von Fischen beeinflussen kann. Forscher der Swedish University of Agricultural Sciences (SLU) haben untersucht, welche Auswirkungen die Droge Kokain auf Lachse (Salmo salar) hat. Dazu haben sie jungen Lachsen ein spezielles Implantat eingepflanzt, mit dem sie kleine Chemikaliendosen kontrolliert über einen längeren Zeitraum abgeben können.
Die Studie hat insgesamt 105 Lachse genutzt, von denen eine Gruppe Kokain erhielt, eine Gruppe Benzoylecgonin, das zentrale Stoffwechselprodukt, das entsteht, wenn Menschen die Droge konsumieren, und eine Gruppe weder Kokain noch Benzoylecgonin.
„Die Vorstellung, dass Kokain Auswirkungen auf Fische haben könnte, mag überraschend erscheinen, doch in Wirklichkeit sind Wildtiere bereits täglich einer Vielzahl von vom Menschen stammenden Drogen ausgesetzt.“
Das Experiment zeigt, dass Lachse, in deren Körper regelmäßig Benzoylecgonin freigesetzt wurde, rund doppelt so weit schwimmen wie die Vergleichsgruppe und auch weiter als die Lachse, die statt des Stoffwechselprodukts Kokain erhalten haben. Die Fische aus der Benzoylecgoningruppe haben im achtwöchigen Studienzeitraum rund 12,3 Kilometer mehr zurückgelegt. Laut den Forschern war die Konsummenge der Lachse nicht unrealistisch hoch, sondern entspricht der Menge, die sie auch in vielen Gewässerökosystemen aufnehmen.
„Das Ungewöhnliche daran ist nicht das Experiment, sondern das, was bereits in unseren Gewässern geschieht.“
Die Autoren erklären, dass die Studie belegt, dass die bisher kaum beachtete Art der Gewässerverschmutzung potenziell einen großen Einfluss auf Ökosysteme haben kann.
„Wo Fische hinschwimmen, bestimmt, was sie fressen, wovon sie selbst gefressen werden und wie sich die Populationen zusammensetzen. Wenn die Umweltverschmutzung diese Muster verändert, kann dies Auswirkungen auf Ökosysteme haben, die wir erst langsam zu verstehen beginnen.“
In Anbetracht der neuen Erkenntnisse möchten die Forscher weitere Studien durchführen, um zu untersuchen, wie viele psychoaktive Substanzen tatsächlich in die Gewässer eingeleitet werden und welche Arten dadurch besonders beeinflusst werden. Es ist denkbar, dass die Drogen die Fortpflanzung der Fische stören und dadurch die Überlebenschancen der Arten reduzieren.
Quellen:
Studie in Fachmagazin Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2026.03.026