Robert Klatt
Die Umgebungstemperatur beeinflusst die Paarungsrufe von Fröschen stark. Der Klimawandel könnte deshalb dazu führen, dass sich die Paarungszeiten verschieben und die Eier unter nicht optimalen Bedingungen abgelaicht werden.
David (U.S.A.). Der Klimawandel sorgt in vielen Regionen dafür, dass die Temperaturen deutlich früher im Jahr steigen. Laut einer Studie der University of California, Davis (UCD) führt dies dazu, dass sich die Paarungsrufe von Fröschen verändern. Die Wissenschaftler haben für ihre Untersuchung an der Lassen Field Station und dem Ufer des Quail Ridge Ecological Reserve, die beide zum UC Natural Reserve gehören, die Rufe des Sierran chorus frog (Pseudacris sierra) aufgezeichnet, um zu analysieren, ob diese von der Umgebungstemperatur abhängen.
Laut den Aufzeichnungen haben die männlichen Amphibien in den ersten, kühleren Frühlingswochen langsame und schwerfällige Rufe, die bei höherer Umgebungstemperatur deutlich intensiver und schneller werden, um Weibchen anzulocken und die Chancen bei der Partnerwahl zu erhöhen.
„Der Gesang von Fröschen hängt wirklich stark von der Temperatur der Umgebung ab. Wenn sich die Teiche erwärmen, wechseln die männlichen Frösche von langsam und träge klingend zu schneller und beinahe verzweifelt. Ich kann es mit meinen menschlichen Ohren hören, und auch die weiblichen Frösche achten darauf.“
Die Rufe werden außerdem von den weiblichen Fröschen als deutlicher Hinweis darauf gedeutet, dass sich die Umweltbedingungen für die Fortpflanzung eignen.
„Was ich daran besonders spannend finde, ist die Möglichkeit, dass Weibchen auf diese Weise verfolgen, wie sich die Saisonalität im Laufe der Zeit verändert. Wenn sich der Teich erwärmt, tauchen auch die sexy klingenden Rufe der Männchen früher auf.“
Wenn die männlichen Frösche aufgrund der steigenden Temperaturen davon ausgehen, dass sich die Paarungszeit nähert, sammeln sie sich in den umliegenden Gewässern, deutlich bevor die ersten Weibchen ankommen. Anschließend nutzen sie ihre Rufe, um paarungsbereite Weibchen anzulocken. Dabei ist es jedoch entscheidend, dass der Zeitpunkt der Eiablage Bedingungen bietet, bei denen die Eier langfristig überleben können.
„Es liegt im besten Interesse der Männchen, so früh wie möglich vor den anderen Männchen am Teich zu sein. Aber es liegt im besten Interesse der Weibchen, dann dort zu erscheinen, wenn es tatsächlich an der Zeit ist, ihre Eier abzulegen.“
Laut den Wissenschaftlern kann es jedoch durch den Klimawandel dazu kommen, dass die männlichen Frösche zu früh damit beginnen, die Weibchen anzulocken, etwa dann, wenn sie aufgrund weniger warmer Tage davon ausgehen, dass die Bedingungen sich gut für die Paarung eignen. Wenn die Eiablage dadurch zu früh im Jahreszyklus erfolgt, kann es passieren, dass die Eier größtenteils absterben. Dies ist besonders kritisch, weil viele Amphibienarten (41 %) bereits vom Aussterben bedroht sind. Wenn der Klimawandel, der für wechselhafteres Wetter und häufigere Extremwettereignisse sorgt, dazu führt, dass sich die Paarungszeiten zunehmend verschieben und öfter Eier zu unpassenden Zeiten abgelegt werden, gefährdet dies die Frösche zusätzlich.
Quellen:
Pressemitteilung der University of California, Davis (UCD)
Studie im Fachmagazin Frontiers in Ecology and the Environment, doi: 10.1002/fee.70031