Rucksack mit Solarzelle

Insekten-Cyborg mit Fernsteuerung entwickelt

Robert Klatt

Insekten-Cyborg )NEKIRgrobyC-netkesnI(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • In Japan wurde aus Madagaskar-Kakerlaken ein Insekten-Cyborg gebaut
  • Das Mischwesen auf einem lebenden Organismus und einer Maschine kann ferngesteuert werden und erhält per Solarzelle Strom
  • Laut den Forschern kann der Cyborg in Kriegsgebieten, bei Umweltkatastrophen und zur Spionage verwendet werden

In Japan wurde ein Insekten-Cyborg mit Fernsteuerung und Solarantrieb entwickelt. Das Mischwesen aus einer lebenden Kakerlake und einer Maschine soll in Kriegsgebieten, bei Umweltkatastrophen und zur Spionage verwendet werden.

Wakō (Japan). Wissenschaftler des japanischen Riken Cluster for Pioneering Research (CPR) haben einen Insekten-Cyborg erschaffen. Das Mischwesen auf einer lebenden Kakerlake und einer Maschine lässt sich laut der Publikation im Fachmagazin npj Flexible Electronics über ein kompaktes Steuermodul fernsteuern.

Laut den Forscher kann der fernsteuerbare Cyborg in Kriegsgebieten, bei Umweltkatastrophen und zur Spionage verwendet werden. Das Hauptproblem bei der Entwicklung war es, die Insekten über einen längeren Zeitraum fernsteuern zu können, damit diese auch für längere Missionen verwendbar sind.

„Es ist von grundlegender Bedeutung, dass die Batterie immer ausreichend aufgeladen ist - niemand möchte, dass plötzlich ein Team von Cyborg-Schaben herumläuft, das außer Kontrolle gerät.“

Insekten-Cyborg mit Solarzelle

Die Wissenschaftler um Kenjiro Fukuda entwickelten deshalb einen kleinen Rucksack, der die Steuerungselektronik und einen Pufferakku enthält. Während einer Mission wird der Akku permanent durch eine nur vier Mikrometer dicke, flexible Solarzelle mit Strom versorgt. Die Insekten müssen somit auch während langer Missionen nicht zu einer Ladestation zurückkehren.

Experimente mit Madagaskar-Kakerlaken

In den Experimenten verwendeten die japanischen Wissenschaftler Madagaskar-Kakerlaken (Gromphadorhina portentosa) , die mit einer Körperlänge von sechs Zentimetern zu den größeren Insekten gehören. Damit die Elektronik, der Akku und das organische Solarmodul auf dem Rücken der Tiere bleiben, entwickelten die Forscher ein spezielles Haftsystem, das die Bewegungen der Insekten kaum einschränkt.

Bei den Versuchstieren hielt die Befestigung des Systems, die aus einem elastischen Polymer in 3D-Druck produziert wurde, für mehr als einen Monat. In Zukunft soll das Haltesystem auch für Käfer oder Zikaden entwickelt werden.

Fernsteuerung über Elektrostimulation

Die Fernsteuerung des Insekten-Cyborgs erfolgt über ein Modul, das über Drähte elektrische Impulse an die Beinsegmente der Madagaskar-Kakerlaken sendet. Es ist dadurch möglich, die Laufrichtung der Insekten zu kontrollieren.

Neben Japan forschen auch andere Staaten und Organisationen, darunter das US-Militär, an ähnlichen Technologien. Ethiker und Tierschützer kritisieren solche Experimente hingegen entschieden.

npj Flexible Electronics, doi: 10.1038/s41528-022-00207-2

Spannend & Interessant
VGWortpixel