Tote Elefanten hinterlassen in der Savanne mehr als Knochen. An ihren früheren Liegeplätzen fressen Pflanzenfresser noch Jahre später besonders intensiv. Eine Untersuchung im Kruger-Nationalpark verbindet diesen Effekt mit einem lang anhaltenden Nährstoffeintrag. Die Vielfalt von Pflanzen und Bodenbakterien fällt dort allerdings geringer aus.
Ein einzelner Elefant kann das Leben auf einer kleinen Fläche noch beeinflussen, wenn sein Körper längst zerfallen ist. Ein internationales Team um die Ökologin Courtney Reed untersuchte, was an solchen Stellen im südafrikanischen Kruger-Nationalpark zurückbleibt. Beteiligt waren unter anderem die University of California in Santa Barbara und südafrikanische Forschungseinrichtungen. Im Mittelpunkt standen Boden, Pflanzen und die Nutzung der Flächen durch andere Tiere.
Die Forscher verglichen Proben von 40 Kadaverstellen mit Proben außerhalb der jeweiligen Stelle. Die Tiere waren zwischen acht Tagen und 7,7 Jahren zuvor gestorben. Im Durchschnitt enthielten die betroffenen Böden 31-mal so viel Ammonium, siebenmal so viel Nitrat und dreimal so viel Phosphor wie die Vergleichsflächen. Die mikrobielle Bodenatmung war für etwa ein bis zwei Jahre erhöht. Die Beweidung lag selbst bei mehr als sieben Jahre alten Stellen noch über dem Dreifachen des Vergleichswerts.
Ammonium und Nitrat sind unterschiedliche Formen gebundenen Stickstoffs. Ihre Messung beschreibt deshalb genauer als ein bloßer Hinweis auf nährstoffreiche Erde, welche chemischen Vorräte Pflanzen und Mikroorganismen vorfinden. Die genannten Faktoren sind Mittelwerte aus den untersuchten Stellen. Sie bedeuten nicht, dass an jedem Kadaver dieselbe Konzentration herrscht oder alle Nährstoffe gleichermaßen zunehmen. Auch bezeichnen sie keine Verdreifachung der gesamten Tierpopulation im Nationalpark, sondern einen örtlichen Unterschied in der Beweidung.
Wie dieser Stofftransport funktioniert, hatte eine frühere Untersuchung derselben Forschungsgruppe bereits genauer betrachtet. Dafür wurden zehn Kadaverstellen ausgewählt, deren Alter zwischen einem und 26 Monaten lag. Eine Hälfte lag auf Böden aus Granitgestein, die andere auf Böden aus Basalt. Von jeder Stelle aus entnahmen die Forscher Boden- und Grasproben in vier Himmelsrichtungen und in unterschiedlichen Entfernungen bis zu 15 Metern. So konnten sie prüfen, ob die Veränderungen tatsächlich zum früheren Liegeplatz hin stärker wurden.
In dieser Untersuchung in Biogeosciences enthielt Gras nahe den Kadavern mehr Stickstoff. Auch das Verhältnis unterschiedlich schwerer Stickstoffatome lieferte Hinweise auf einen Eintrag aus den tierischen Überresten. Solche Isotope wirken wie eine chemische Spur: Sie helfen dabei, mögliche Herkunftswege von Stoffen zu unterscheiden. Der Befund stützt damit die Verbindung vom zerfallenden Körper über den Boden bis in lebende Pflanzen. Ein Elefantenkadaver ist folglich nicht nur Nahrung für Aasfresser, sondern kann auch die spätere Nahrung anderer Pflanzenfresser verändern.
Mehr verfügbare Nahrung führt an diesen Stellen nicht automatisch zu mehr Artenvielfalt. In der Untersuchung mit 40 Standorten waren hohe Ammoniumkonzentrationen mit einer geringeren Vielfalt von Bakterien und Pflanzen verbunden. Die Forscher sprechen deshalb zugleich von Orten intensiver ökologischer Prozesse und verringerter biologischer Vielfalt. Beides widerspricht sich nicht: Wie viele verschiedene Organismen vorkommen und wie viel Stoffumsatz stattfindet, sind unterschiedliche Eigenschaften eines Lebensraums. Wenige stark begünstigte Arten können sehr aktiv sein, während andere unter denselben Bedingungen schlechter bestehen.
Zunächst entsteht am Kadaver sogar eine weitgehend kahle Fläche. Das Gewicht des Tieres und die Aktivitäten von Aasfressern beschädigen den Bewuchs. Hinzu kommt der starke chemische Eintrag: Hohe Ammoniummengen können die Wiederbesiedlung durch Pflanzen zunächst hemmen. Später können einzelne schnell wachsende Arten dominieren. Ein nährstoffreicher Fleck muss deshalb weder sofort grün werden noch eine besonders artenreiche Wiese hervorbringen.
Die nachwachsenden Gräser können besonders nährstoffreich sein. Das bietet eine plausible Erklärung dafür, dass Pflanzenfresser solche Stellen weiter aufsuchen. Mit ihrem Kot tragen sie wiederum Stoffe ein, sodass die ursprüngliche Veränderung durch weitere Tierbesuche verstärkt werden kann. Die Größe einer Grasfläche allein sagt deshalb wenig über ihren Wert als Futterplatz aus. Häufiger abgefressenes Gras kann gerade dort stehen, wo Tiere besonders gern fressen.
Für die Einordnung ist die Unterscheidung zwischen Nährstoffgehalt und Wachstum wichtig. Ein stickstoffreicheres Blatt belegt für sich genommen noch keine höhere jährliche Pflanzenproduktion. Ebenso lässt ein kurzer Grasbestand nicht unmittelbar erkennen, ob wenig nachwächst oder viel abgeweidet wird. Um solche Einflüsse auseinanderzuhalten, untersucht das Team auch eingezäunte Vergleichsflächen. Ergebnisse dieses zusätzlichen Experiments sind noch kein Bestandteil der hier berichteten Befunde.
Die Daten stammen aus einem Vergleich unterschiedlich alter Kadaverstellen. Die Forscher begleiteten also nicht jeden der 40 Standorte vom Tod eines Elefanten an über fast acht Jahre. Dieser Ansatz erschließt eine große Zeitspanne, lässt aber Unterschiede zwischen Standorten bestehen. Bodeneigenschaften, Niederschlag und Tierbesuche können sich zusätzlich auf das Ergebnis auswirken. Eine fortlaufende Untersuchung derselben Flächen könnte genauer klären, wie einzelne Veränderungen aufeinanderfolgen.
Ebenso wenig markieren 7,7 Jahre einen Zeitpunkt, an dem die Wirkung zwangsläufig endet. Das ist das höchste Alter der in dieser Untersuchung berücksichtigten Stellen. Wie lange die Veränderungen darüber hinaus bestehen und wie gut sie auf andere Landschaften übertragbar sind, bleibt offen. Nachgewiesen ist ein langfristiges örtliches Erbe im untersuchten Savannensystem. Damit erweitert sich der Blick auf den ökologischen Einfluss großer Tiere: Auch ihr Tod gehört zu den Vorgängen, die Lebensräume formen.
Proceedings of the National Academy of Sciences, Nutrient legacies from elephant megacarcasses create coldspots of biodiversity and hotspots of ecosystem processes; doi:10.1073/pnas.2605332123
Biogeosciences, Elephant megacarcasses increase local nutrient pools in African savanna soils and plants; doi:10.5194/bg-22-1583-2025
University of California Santa Barbara, Elephants continue to shape the savanna even after death