Schwarze Witwe & Co.

Diese Spinnen fressen sogar Schlangen

Conny Zschage

Seit Jahren gibt es Berichte über Spinnen, die angeblich Schlangen fressen. Bisher war diese ungewöhnliche Ernährungsweise noch nicht wissenschaftlich anerkannt. Um endlich Licht ins dunkle Spinnennest zu bringen, haben sich nun Forscher der Universität Basel mit mehreren internationalen Forschungsinstituten zusammengetan, um eine Studie zu veröffentlichen, welche eindeutig belegt, dass einige Spinnenarten Schlangen fangen und fressen.

Basel (Schweiz). Spinnen sind nicht sonderlich wählerisch. Alle Lebewesen, die in ihrem Nest feststecken können, stehen prinzipiell auf ihrer Nahrungsliste. Dabei können sie Tiere, welche bis zu 30-mal größer als sie selbst sind, überwältigen. Die meisten Spinnen betäuben dabei ihr Opfer erst durch einen Giftstoff, um es danach einzuspinnen und zu fressen.

Schlangen gehen bei der Jagd ähnlich vor. Giftschlangen betäuben und töten ihr Opfer, um es danach langsam zu schlucken, während Würgeschlangen es mit ihrem Körper umschlingen, um es zu ersticken. Einige wenige Arten benutzen beide Taktiken bei der Jagd.

Nur wenige Spinnen haben die richtige Ausrüstung

Doch was würde nun geschehen, wenn Spinnen und Schlangen aufeinandertreffen? In den meisten Fällen würde die Schlange wahrscheinlich einfach unbeeindruckt an der Spinne vorbeischlängeln, da nur sehr wenige Schlangen wie die Grasnatter, sich von Insekten ernähren. Und die Spinne hätte in den meisten Fällen auch nicht das nötige Netz, um die Schlange einzufangen. Denn mit den klassischen zweidimensionalen Radnetzen lässt sich natürlich keine Schlange einfangen. Doch es gibt zahlreiche Spinnengattungen mit vielen verschiedenen Netzarten. Und manche davon haben sich auf das Fangen von Käfern mithilfe von trichterartigen Raumnetzen fokussiert. Wie die neue Studie festgestellt hat, können diese Raumnetze auch Schlangen zum Verhängnis werden.

Fast jeder Kontinent hat schlangenfressende Spinnen

Das eine Schlange sich in einem Spinnennetz verfängt, ist trotzdem außergewöhnlich. Von den 319 Fällen, die die Forscher der Universität Basel für ihre Studie untersuchten, traten die meisten in Asien und Afrika auf. In Australien und den USA gab es nur 8 % der Fälle und in Europa weniger als 1 %. In der Schweiz, von wo die Studie ausging, gab es keinen beobachteten einzigen Fall. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass die in der Schweiz heimischen Schlangen zu groß für Spinnennetze sind. Falls es dazu kam, dass sich eine Schlange in einem passenden Netz verfing, war sie in den meisten Fällen trotzdem nicht in Gefahr. Denn kleinere Spinnen, welche mit einer Schlange in ihrem Netz konfrontiert sind, wagen sich nicht an den oftmals übermächtigen Gegner heran. Doch einige größere Spinnen sind teilweise sehr erfolgreich.

Schwarze Witwe als erfolgreichster Jäger

Die Schwarze Witwe gehört zu den wohl berühmtesten Spinnen der Welt und ist durch ihre 13 roten Punkte auf ihrem schwarzen Körper einfach zu erkennen. Sie gilt aufgrund ihres starken Giftes als besonders gefährlich für Menschen, kann aber auch Schlangen besiegen. Denn die ausgewerteten Falldaten der Studie zeigten, dass Schwarze Witwen rund die Hälfte aller gefangenen Schlangen töten konnten. Im Durchschnitt waren die Schlangen, die Spinnen zum Opfer fielen 26 Zentimeter lang. Meistens handelte es sich um frisch geschlüpfte Jungtiere. Die Ergebnisse der Studie, welche im The Journal of Arachnology veröffentlicht wurden, können in Zukunft dabei helfen, den genauen Effekt von Spinnengiften auf Nervensysteme von Wirbeltieren zu analysieren. Denn während die Schwarze Witwe bereits ausgiebig untersucht wurde, sind auch die vielen anderen Spinnenarten weltweit interessant für die Wissenschaft. Und aus manchen lassen sich sogar Medikamente herstellen.

Journal of Arachnology, doi: 10.1636/JoA-S-20-050

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