Robert Klatt
Der 430 Lichtjahre entfernte Jungstern WISPIT 2 wird von mindestens zwei Jungsternen umkreist. Die erst zweite bekannte Mehrplanetenkinderstube ähnelt der Frühphase unseres Sonnensystems.
Garching (Deutschland). Die Planeten in unserem Sonnensystem sind aus einer Staub- und Gasscheibe entstanden, die um die junge Sonne rotiert ist. Die Astronomie hat ähnliche Prozesse bereits mehrmals bei protoplanetaren Scheiben anderer Sterne beobachtet, jedoch fast ausschließlich mit einem einzelnen Jungplaneten. Lediglich beim Jungstern PDS 70, der sich etwa 370 Lichtjahre von der Erde entfernt befindet, wurde ein solcher Vorgang mit zwei entstehenden Jungplaneten dokumentiert.
Astronomen des European Southern Observatory (ESO) haben nun eine weitere Mehrplanetenentstehung beim 430 Lichtjahre entfernten Jungstern WISPIT 2 entdeckt. WISPIT 2 ist erst fünf Millionen Jahre alt und wird von einer protoplanetaren Scheibe mit mehreren Lücken umkreist. In dieser Scheibe wurde 2025 ein 4,9 Jupitermassen schwerer Jungplanet entdeckt. Es kam dabei aber die Vermutung auf, dass noch weitere Jungplaneten um den Stern WISPIT 2 rotieren.
„Die Präsenz von bis zu vier Ringen mit dazwischen liegenden Lücken weckte Spekulationen darüber, dass es sich hier um ein Mehrplanetensystem in der Bildungsphase handeln könnte.“
Um zu untersuchen, ob sich noch weitere Planeten um den Jungstern WISPIT 2 bewegen, haben die Forscher des ESO diesen mit dem SPHERE-Infrarot-Spektrographen und dem GRAVITY+-Instrument am Very Large Telescope (VLT) untersucht. Dabei fanden sie einen weiteren Jungplaneten, dem sie den Namen WISPIT 2c gegeben haben. WISPIT 2c umkreist seinen Stern laut einem sichtbaren Lichtpunkt deutlich enger als der bereits zuvor bekannte Jungplanet WISPIT 2b. Der neuentdeckte Gasriese ist rund acht bis zwölf Jupitermassen schwer.
Der Jungstern WISPIT 2 besitzt somit mindestens zwei Jungsterne und ist damit das erst zweite bekannte Sonnensystem mit mehr als einem Jungstern. Laut den Astronomen ähneln die protoplanetare Scheibe und der Stern unserem Sonnensystem in seiner Frühphase.
Die Entdeckung ist von hoher Bedeutung für die Astronomie, weil es nun erstmals möglich ist, zwei Mehrplanetenkinderstuben zu vergleichen. Die dabei entdeckten Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen WISPIT 2 und PDS 70 sollen dabei helfen, individuelle und allgemeine Merkmale von jungen Planetensystemen zu identifizieren.
„Die Bestätigung von zwei Planeten im jungen WISPIT-2-System liefert uns einen wertvollen Vergleichsfall.“
Zudem haben die Forscher in den Beobachtungsdaten einen weiteren auffälligen Bereich in der protoplanetaren Scheibe von WISPIT 2 entdeckt. Es ist demnach wahrscheinlich, dass der Jungstern noch einen weiteren Jungplaneten besitzt. Angesichts dessen möchten die Astronomen weitere Beobachtungen durchführen, um die Existenz des dritten Jungplaneten zu verifizieren.
„Wir vermuten, dass ein dritter Planet diese Lücke freiräumt. Aufgrund der geringeren Breite und Tiefe der Lücke könnte es sich potenziell um ein Objekt mit Saturnmasse handeln.“
Quellen:
Pressemitteilung des European Southern Observatory (ESO)
Studie im Fachmagazin The Astrophysical Journal Letters, doi: 10.3847/2041-8213/ae4b3b