ClearSpace-1

Weltraumschrott – ESA lässt den Erdorbit säubern

Robert Klatt

Das Unternehmen ClearSpace-1 beginnt im Auftrag der ESA 2025 damit Weltraumschrott aus dem Erdorbit zu entfernen. Die Testmission hat dafür 100 Millionen Euro Budget erhalten.

Paris (Frankreich). Derzeit befinden sich im Erdorbit bereits tausende Teile Weltraumschrott, ausgebrannte Raketenendstufen und abgeschaltete Satelliten. Dies werden für neue Mission zunehmend zu einer Gefahr, weil sie wie Geschosse die Erde umkreisen. Die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) hat deshalb erstmals an das Schweizer Unternehmen ClearSpace-1 einen Auftrag zur Beseitigung von Weltraumschrott vergeben, der zurückgeholt werden soll und dann in der Atmosphäre verglüht.

Holger Krag, Leiter des Programms Weltraumsicherheit der ESA erklärt, dass „es rund 23.000 Objekte gibt, von denen man weiß, wo sie sind.“ Es handelt sich dabei um Weltraumschrott mit einer Größe von mindestens zehn Zentimetern. Insgesamt geht die Astronomie von etwa einer Million Teile ab einer Größe von einem Zentimeter aus, die insgesamt 8.500 Tonnen wiegen. Verantwortlich dafür sind die mehr als 5.500 Starts in den letzten 60 Jahren der Raumfahrt.

Weltraumschrott nimmt zu

Laut Rolf Densing, ESA-Direktor für den Missionsbetrieb wird dieses Problem in Zukunft durch Projekte wie Starlinks von SpaceX weiter zunehmen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erklärt, dass „typische Beispiele für Weltraummüll ausgediente Raketenoberstufen und abgeschaltete Satelliten sind, das verloren gegangene Werkzeug eines Astronauten gehört aber auch dazu.“ Den größten Anteil haben laut den Wissenschaftler des DLR aber Trümmer, die durch Explosionen und Kollisionen entstanden sind. Tausende neue Satelliten, die in den kommenden Jahren starten sollen, erhöhen also das Risiko für neuen Weltraummüll signifikant.

Ausweichmanöver der ISS nötig

Bereits ein zehn Zentimeter großes Teil könnte laut den Forschern bei einer Kollision mit einem Satelliten eine Trümmerwolke auslösen. Große Trümmerteile, die mehr als eine Tonne wiegen, treten außerdem manchmal unkontrolliert in die Erdatmosphäre ein und bilden damit eine Restgefahr für den Menschen.

Auch die Internationale Raumstation (ISS) muss mehrmals pro Jahr Ausweichmanöver fliegen, um Kollisionen mit Weltraumschrott zu verhindern. Um die Auswirkungen eines Zusammenstoßes zu erklären, vergleicht die ESA den Effekt eines ein Zentimeter großen Teils, das mit einer Geschwindigkeit von 40.000 Kilometern pro Stunde die ISS trifft mit einer Handgranate, die unmittelbar neben der Raumstation explodiert.

ClearSpace-1 Mission erhält 100 Millionen Euro Budget

Das Ziel des Projekts ClearSpace-1 ist vorerst zu zeigen, dass Weltraumschrott der Raumfahrtgeschichte beseitigt werden kann. Die erste Mission des Projekts hat dafür ein Budget von 100 Millionen Euro erhalten, 86 Millionen Euro kommen davon aus dem Etat der ESA.

Laut Krag soll dabei eine Rückholtechnik entwickelt werden, die später als Dienstleistung kommerzialisiert angeboten werden kann. Starten soll das erste Raumfahrzeug mit vier Greifarmen 2025. Geplant ist die Entsorgung eines mehr als 100 Kilogramm schweren Schrottteils in einem Orbit zwischen 650 und 800 Kilometer Höhe.

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