29 Milliarden Lichtjahre

Viele unsichtbare Galaxien im Universium?

Robert Klatt

Im Universum könnte es zehn bis 20 Prozent mehr Galaxien geben, als die Astronomie bisher entdeckt hat. Das Weltraumteleskop James Webb soll diese bald systematisch suchen.

Kopenhagen (Dänemark). Wissenschaftler der Universität Kopenhagen haben mit dem Radioteleskop ALMA zwei Galaxien in 29 Milliarden Lichtjahren Entfernung zur Erde entdeckt, die für das Weltraumteleskop Hubble unsichtbar waren. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Nature ist dies ein Indiz dafür, dass es im frühen Universum deutlich mehr Galaxien gegeben haben könnte, als die Astronomie bisher angenommen hat.

Dass das Weltraumteleskop Hubble die beiden Galaxien nicht entdeckten konnte, liegt laut den Autoren daran, dass deren sichtbares Licht durch kosmischen Staub auf seinem langen Weg geschluckt wurde. Bis zur Erde gelangen deshalb nur Signale im Radiospektrum.

10 bis 20 Prozent unsichtbare Galaxien

Ein Vergleich mit bisher vorliegenden Daten zum Universum einige Hundert Millionen Jahre nach dem Urknall zeigt laut den Autoren, dass die Astronomie bisher zehn bis 20 Prozent der Galaxien nicht sehen konnte. Die neuen Erkenntnisse können laut den Forschern unter anderem Auswirkungen auf die Theorien zur Galaxienentstehung haben.

REBELS-12-2 und REBELS-29-2

Die mit dem ALMA (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array) neuentdeckten Galaxien haben die Namen REBELS-12-2 und REBELS-29-2. Die Wissenschaftler haben sie entdeckt, als sie Galaxien, die durch das Weltraumteleskop Hubble entdeckt wurden, genauer analysiert hatten. Dabei stellten sie fest, dass zwei dieser bekannten Galaxien Nachbarn haben, die auf den Bildern von Hubble nicht zu sehen waren. Anhand von Daten des Teleskops ALMA konnte die Existenz von REBELS-12-2 und REBELS-29-2 dann bestätigt werden.

13 Milliarden Jahre

Das Licht der Galaxien war laut der Analyse rund 13 Milliarden Jahre zur Erde unterwegs. Aufgrund der weiteren Ausdehnung des Universums sind die Galaxien inzwischen aber 29 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt. Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, wie die bisher übersehenen Galaxien im frühen Universum gefunden werden können. Dazu soll laut dem Astronomen Pascal Oesch vom Niels-Bohr-Institut das Weltraumteleskop James Webb verwendet werden, das in einigen Wochen startet.

Nature, doi: 10.1038/s41586-021-03846-z

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