Frischer Einschlagkrater

SpaceX-Rakete reißt 18 Meter großes Loch in den Mond

 Dennis Lenz

SpaceX-Rakete reißt 18 Meter großes Loch in den Mond
(Symbolbild) Am 5. August 2026 schlug die ausgediente Oberstufe einer SpaceX-Rakete mit rund 8.700 Kilometern pro Stunde auf dem Mond ein. Der Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA hat den frischen Krater nun aus der Umlaufbahn fotografiert. Die Aufnahmen verraten überraschende Details über den unfreiwilligen Aufprall und liefern der Forschung zugleich ein seltenes Experiment unter realen Bedingungen. (Foto: © Forschung und Wissen)

Auf dem Mond klafft ein neuer Krater, und verantwortlich ist kein Brocken aus dem All, sondern ausgediente Raumfahrttechnik. Am 5. August 2026 traf die Oberstufe einer SpaceX-Rakete mit rund 8.700 Kilometern pro Stunde die Mondoberfläche. Jetzt hat die NASA die ersten hochaufgelösten Bilder der Einschlagstelle veröffentlicht. Sie zeigen einen 18 Meter breiten Mondkrater mit einem auffälligen Muster, das den Forschern mehr verrät, als der Aufprall selbst vermuten ließ.

Der Mond besitzt keine nennenswerte Atmosphäre, die anfliegende Objekte abbremsen oder verglühen lassen könnte. Jeder Körper, der ihn trifft, schlägt deshalb ungebremst ein und hinterlässt eine Narbe, die sich über Jahrmillionen kaum verändert. Genau das macht den Erdtrabanten zu einem einzigartigen Archiv: Seine Oberfläche dokumentiert die Einschlagsgeschichte des inneren Sonnensystems lückenlos. In diesem Archiv findet sich seit August auch die Spur einer SpaceX-Rakete. Für Wissenschaftler ist ein solcher Einschlag ein Glücksfall, denn anders als bei natürlichen Meteoriten sind Masse, Geschwindigkeit und Anflugwinkel des Objekts genau bekannt. Damit lässt sich präzise nachvollziehen, wie viel Energie freigesetzt wurde und wie die Oberfläche darauf reagiert, was bei zufälligen kosmischen Treffern praktisch nie möglich ist.

Beobachtet wird der Mond seit 2009 vom Lunar Reconnaissance Orbiter, kurz LRO, der den Erdtrabanten alle rund zwei Stunden von Pol zu Pol umrundet. Seine Kameras erkennen Strukturen von weniger als einem Meter Größe und haben in den vergangenen Jahren zahlreiche frische Krater aufgespürt, darunter auch die Einschlagstellen gezielt zum Absturz gebrachter Sonden. Die Sonde ist damit das wichtigste Instrument, um Veränderungen auf der Mondoberfläche zu dokumentieren. Als klar wurde, dass eine ausgediente Raketenstufe auf Kollisionskurs war, richtete sich die Aufmerksamkeit der Fachwelt deshalb früh auf die Frage, ob und wie schnell der Orbiter die frische Wunde im Mondboden aufspüren würde und was ihre Form über den Aufprall verraten könnte.

Wie die SpaceX-Rakete auf dem Mond einschlug

Die betroffene Falcon 9 startete am 15. Januar 2025 vom Kennedy Space Center und brachte mit der Mission Blue Ghost 1 kommerzielle Mondlander auf den Weg. Während die wiederverwendbare Erststufe zur Erde zurückkehrte, blieb die Oberstufe nach getaner Arbeit im All zurück, wie es bei solchen Flügen üblich ist. Rund vier Tonnen schwer und etwa zwölf Meter lang driftete sie über ein Jahr durch den erdnahen Raum. Sonnenaktivität und die Schwerkraft von Erde und Mond veränderten ihre Bahn dabei so lange, bis eine Kollision unausweichlich wurde. Am 5. August 2026 um 6:35 Uhr Weltzeit schlug die Stufe schließlich nahe dem Krater Einstein am äußersten Westrand des Mondes ein, wie die NASA in ihrer Auswertung der neuen Aufnahmen bestätigt.

Dass die Einschlagstelle überhaupt so schnell gefunden wurde, ist einer internationalen Kette von Berechnungen zu verdanken. Unabhängige Astronomen hatten die Bahn der Stufe zunächst aus öffentlich zugänglichen Beobachtungsdaten rekonstruiert. Das Zentrum für erdnahe Objekte der NASA am Jet Propulsion Laboratory verfeinerte diese Vorhersage anschließend auf etwa einen Kilometer genau. Die südkoreanische Mondsonde Danuri fotografierte die vorhergesagte Region bereits wenige Stunden nach dem Aufprall mit ihrer hochauflösenden Kamera und entdeckte den frischen Fleck tatsächlich nur rund einen Kilometer neben der berechneten Position. Ihre Koordinaten gingen anschließend an das LRO-Team, das damit seine eigenen Beobachtungen exakt planen konnte. Der Fall zeigt, wie präzise sich selbst taumelnder Weltraumschrott inzwischen verfolgen lässt.

Was die NASA-Bilder des Mondkraters zeigen

Zwischen dem 11. und 12. August überflog der Lunar Reconnaissance Orbiter die Einschlagstelle in rund 90 Kilometern Höhe und nahm im Abstand von jeweils 117 Minuten mehrere Bilder aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf. Dafür musste die Sonde eigens gekippt werden, denn schon eine Verzögerung von zehn Sekunden hätte das Ziel um viele Kilometer aus dem Bildfeld wandern lassen. Die Auswertung ergab einen Krater von 18 Metern Durchmesser, dessen Tiefe die Forscher anhand der Schattenlänge auf weniger als drei Meter bestimmten. Die Detailaufnahmen und eine Vorher-Nachher-Animation hat das Kamerateam der Mission veröffentlicht. Vor dem Aufprall hatte die NASA einen etwa gleich breiten, aber deutlich tieferen Krater erwartet, die reale Narbe fiel also flacher aus als berechnet.

Besonders aufschlussreich ist das Muster des ausgeworfenen Materials. Vom Krater gehen helle und dunkle Strahlen aus, die unterschiedliche Schichten des Mondbodens abbilden. Die dunklen Fahnen bestehen aus Staub und Gestein der obersten rund 46 Zentimeter, das über Jahrmilliarden durch Sonnenwind, kosmische Strahlung und Mikrometeoriten verwittert ist. Die hellen Strahlen stammen dagegen aus größerer Tiefe und zeigen frisches, unverändertes Material. Auffällig ist zudem ein V-förmiges Auswurfmuster an der Südseite des Kraters. Es entspricht genau dem Bild, das natürliche Einschläge in flachem Winkel hinterlassen, und belegt damit, dass die Raketenstufe schräg über die Oberfläche einschlug statt senkrecht aufzuprallen. Für die Modellierung von Einschlägen ist diese Übereinstimmung ein wertvoller Praxistest.

Warum der Einschlag für die Forschung ein Glücksfall ist

Ein Sicherheitsproblem war der Treffer nach Einschätzung der NASA zu keinem Zeitpunkt, denn der Mond wird ständig von Meteoriten, Asteroidenbruchstücken und Kometenresten getroffen. Der Unterschied liegt im Wissen über das Geschoss: Da Masse, Geschwindigkeit und Winkel der Raketenstufe exakt bekannt sind, können Forscher aus Kratergröße, Tiefe und Auswurfmuster ableiten, wie der Mondboden auf definierte Energiemengen reagiert. Solche Daten kalibrieren Einschlagsmodelle, die sonst nur auf Schätzungen beruhen. Bereits 2009 hatte die NASA diesen Effekt gezielt genutzt und mit der Mission LCROSS eine Raketenstufe in einen Südpolkrater gesteuert, um Wasserspuren im Auswurf nachzuweisen. Die Behörde verlängert die wissenschaftliche Ausbeute ihrer Missionen generell mit großem Aufwand, wie zuletzt auch das riskante Manöver zeigte, mit dem die Raumsonde Voyager 2 zusätzliche Betriebszeit erhielt.

Weltraumschrott erreicht immer öfter den Mond

Der Fall wirft zugleich ein Schlaglicht auf ein wachsendes Problem. Schon 2022 hatte eine ausgediente Raketenstufe unbeabsichtigt den Mond getroffen und dabei einen ungewöhnlichen Doppelkrater hinterlassen, und mit der steigenden Zahl von Mondmissionen dürften solche Ereignisse häufiger werden. Das gezielte Entsorgen von Oberstufen auf der Mondoberfläche gilt in der Raumfahrt zwar als akzeptierte Praxis und ist für manche Missionen in niedrigen Mondumlaufbahnen sogar die einzige praktikable Option, unkontrollierte Treffer wie der aktuelle zeigen jedoch, wie schwer alte Raumfahrtreste über Jahre vorhersagbar bleiben. Wie dicht der erdnahe Raum inzwischen bevölkert ist, verdeutlicht auch die Auswertung von Bahndaten, mit der rund 1200 Starlink-Satelliten die obere Atmosphäre kartierten. Jeder dokumentierte Einschlag hilft künftig, Landefähren, Habitate und Infrastruktur auf dem Mond besser gegen die Folgen solcher Treffer auszulegen.

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