Als das System Swift J1727 im Jahr 2023 aufflammte, wurde es binnen Tagen zu einer der hellsten Röntgenquellen am gesamten Himmel. Astronomen der University of Warwick haben den Ausbruch mit dem Very Large Telescope über Monate begleitet und dabei etwas Unerwartetes gemessen. Das Schwarze Loch verschlang das Gas seines Begleitsterns nicht einfach, sondern schleuderte eine mindestens vergleichbare Menge wieder hinaus. Selbst bei einem Hundertstel der Spitzenhelligkeit riss der Strom nicht ab.
Ein Schwarzes Loch von wenigen Sonnenmassen ist für sich genommen unsichtbar. Sichtbar wird es erst, wenn ein Stern in ausreichender Nähe steht. Dann zieht die Schwerkraft Gas aus dessen äußeren Schichten ab. Weil dieses Gas einen Drehimpuls mitbringt, stürzt es nicht geradewegs hinein, sondern ordnet sich zu einer flachen, rasend rotierenden Scheibe. In ihr reiben Gasschichten unterschiedlicher Geschwindigkeit aneinander, wodurch sich das Material auf Millionen Grad aufheizt und den Großteil seiner Energie als Röntgenstrahlung abgibt. Solche Paare heißen Röntgendoppelsterne. Sie verhalten sich über Jahre unauffällig und flammen dann plötzlich auf, wenn sich genug Material angesammelt hat. Zusätzlich können senkrecht zur Scheibe gebündelte Materiestrahlen entstehen, sogenannte Jets, die mit nahezu Lichtgeschwindigkeit ins All schießen.
Genau ein solcher Ausbruch ereignete sich 2023. Das System Swift J1727 war zuvor unbekannt und stieg innerhalb kurzer Zeit in die oberste Helligkeitsklasse auf, was Beobachtungszeit an großen Instrumenten rechtfertigte. Anders als bei früheren Ereignissen blieb es nicht bei einer Momentaufnahme, denn das Team konnte den gesamten Zyklus verfolgen, vom Höhepunkt bis zum langsamen Abklingen. Wie unterschiedlich sich Schwarze Löcher dabei verraten, zeigt der Vergleich mit einem anderen Fall, bei dem sich ein wanderndes Schwarzes Loch durch die Zerstörung eines Sterns verriet, während hier ein dauerhafter Begleiter das Material nachliefert und den Vorgang über Monate in Gang hält.
Die Grundlage der Auswertung bilden dreizehn optische Spektren, die an elf verschiedenen Zeitpunkten mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile aufgenommen wurden. Ein Spektrum zerlegt das Licht in seine Wellenlängen und macht dadurch sichtbar, welche Gase vorhanden sind und wie schnell sie sich bewegen. Verschiebt sich eine Spektrallinie zum blauen Ende, strömt das Material auf den Beobachter zu. Genau solche Signaturen fanden sich über den gesamten Zeitraum, und sie stammten von vergleichsweise kühlem, dichtem Gas, das die Scheibe verlässt. Wie die Mitteilung der University of Warwick darlegt, hielten diese Scheibenwinde auch dann noch an, als die Röntgenstrahlung bereits auf ein Prozent ihres Höchstwerts gefallen war.
Aus der Stärke der Linien lässt sich abschätzen, wie viel Masse pro Zeiteinheit nach außen getragen wird. Dieser Wert erreichte mindestens die Größenordnung dessen, was gleichzeitig vom Begleitstern einströmte. Ein Schwarzes Loch behält also längst nicht alles, was in seine Nähe gerät. Bemerkenswert ist zudem, dass Jet und Scheibenwind hier parallel auftraten. Eine Untersuchung an einem anderen Röntgendoppelstern hatte Anfang 2026 nahegelegt, dass sich beide Formen der Ausströmung gegenseitig ausschließen und immer nur eine von beiden aktiv ist. Der neue Datensatz widerspricht dieser Verallgemeinerung. Zugleich änderte sich die Scheibe selbst deutlich, während der Jet arbeitete, was auf eine enge Rückkopplung zwischen dem einströmenden und dem ausgestoßenen Material hindeutet.
Folgen hat das vor allem für die Bilanz solcher Systeme. Wenn ein erheblicher Teil des Gases wieder entweicht, verschiebt sich die Rechnung, wie schnell ein Schwarzes Loch überhaupt wachsen kann. Das ausgestoßene Material bleibt außerdem nicht folgenlos, denn es heizt die Umgebung auf, verändert die Gasverteilung im Doppelsternsystem und beeinflusst, wann der nächste Ausbruch möglich wird. Wie viel in bereits vorhandenen Beobachtungsdaten steckt, zeigt sich derzeit auch anderswo, etwa wenn eine Auswertung von Archivmaterial offenlegt, dass ganze Frequenzbereiche bislang kaum durchsucht wurden. Für schwache Ausströmungen bei geringer Helligkeit fehlt bislang die nötige Empfindlichkeit, die erst das im Bau befindliche Extremely Large Telescope liefern soll.