Fahrt durch Jezero

Marsrover bricht nach 45 Kilometern einen Weltraumrekord

 Dennis Lenz

Marsrover bricht nach 45 Kilometern einen Weltraumrekord
(Symbolbild) Der Marsrover Perseverance hat die bislang größte Fahrstrecke auf der Oberfläche einer anderen Welt erreicht. Der Rekord entstand während einer Erkundungsfahrt außerhalb des Jezero-Kraters. Das Fahrzeug hat seinen ursprünglichen Streckenplan inzwischen deutlich übertroffen. Hinter der Leistung stehen widerstandsfähige Technik und eine weitgehend selbstständige Navigation. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Der Marsrover Perseverance ist weiter gefahren als jedes Fahrzeug zuvor auf der Oberfläche einer anderen Welt. Am 11. Oktober 2026 erreichte sein Kilometerzähler 45,22 Kilometer und übertraf damit den bisherigen Rekord von Opportunity. Für diese Strecke benötigte Perseverance fünfeinhalb Jahre. Eine einzelne Fahrt über gut 91 Meter brachte ihn über die entscheidende Marke.

Auf der Erde wären 45 Kilometer eine überschaubare Fahrt. Auf dem Mars bedeuten sie jahrelange Arbeit in einem Gelände ohne Straße, Werkstatt oder Bergungsfahrzeug. Der neue Rekord fiel am 2006. Marstag der Mission, während Perseverance durch die Region Lac de Charmes auf das Gebiet Idubi zufuhr. Die NASA bestätigte die Rekordfahrt am 12. Oktober und veröffentlichte dazu eine Aufnahme der Navigationskamera.

Der vorherige Rekordhalter Opportunity hatte insgesamt 45,16 Kilometer zurückgelegt. Dafür war er von 2004 bis 2018 unterwegs. Perseverance erreichte eine größere Strecke in deutlich kürzerer Zeit. Der Unterschied bedeutet nicht, dass eine Mission wissenschaftlich wertvoller als die andere war. Er zeigt zunächst, wie sehr sich die Fähigkeit verbessert hat, ein schweres Forschungsfahrzeug über unbekanntes Gelände zu bewegen und dabei immer neue Untersuchungsorte zu erreichen.

Warum der Marsrover nicht einfach von der Erde gelenkt wird

Ein Rover auf dem Mars funktioniert nicht wie ein ferngesteuertes Auto in unmittelbarer Sichtweite. Die Verbindung zur Erde erlaubt keine fortlaufende Bedienung mit der Reaktionszeit einer Person neben dem Fahrzeug. Deshalb müssen viele Entscheidungen bereits vorbereitet oder direkt an Bord getroffen werden. Menschen legen wissenschaftliche Ziele und geeignete Zwischenpunkte fest. Die genaue Passage durch das lokale Gelände kann das Fahrzeug anschließend selbst beurteilen.

Perseverance nutzt dafür AutoNav. Während der Fahrt nimmt er seine Umgebung auf, erstellt eine räumliche Darstellung und bewertet Hindernisse. Er muss also nicht für jeden neuen Blick vollständig stehen bleiben. Nach den Angaben zur Rekordfahrt wurden mehr als 90 Prozent seiner gesamten Strecke mit dieser autonomen Geländebewertung zurückgelegt. Bei Opportunity und Spirit lag der entsprechende Anteil wesentlich niedriger. Der Fortschritt betrifft damit nicht nur das Tempo der Räder, sondern die Entscheidungen zwischen zwei geplanten Wegpunkten.

Ohne GPS muss Perseverance seinen Standort anders bestimmen

Die Hinderniserkennung beantwortet zunächst eine lokale Frage: Welche Strecke unmittelbar vor dem Fahrzeug ist befahrbar? Davon zu unterscheiden ist die genaue Position innerhalb einer größeren Karte. Auf dem Mars steht dem Rover kein GPS zur Verfügung. Fehler in einer fortlaufenden Positionsschätzung können sich deshalb während einer längeren Fahrt aufsummieren.

Eine bereits im Februar vorgestellte Technik zur selbstständigen Standortbestimmung erweitert die Fähigkeiten des Rovers an dieser Stelle. Mars Global Localization hilft Perseverance, seine Position mit Karteninformationen abzugleichen. Das ist eine andere Aufgabe als das unmittelbare Umfahren eines Steins. Beide Fähigkeiten ergänzen sich: Ein Fahrzeug muss wissen, wo es gerade steht und welcher Weg von dort aus sicher weiterführt.

45 Kilometer bestehen aus sehr unterschiedlichen Abschnitten

Der Kilometerzähler summiert die tatsächlich gefahrenen Abschnitte. Er beschreibt nicht die Luftlinie zwischen Landestelle und aktuellem Standort. Auch liefert die Gesamtstrecke keinen gleichmäßigen Tagesdurchschnitt für den laufenden Betrieb. Manche Tage dienen der Fahrt, andere der Untersuchung von Gestein, der Planung oder technischen Aufgaben. Aus mehreren Jahren Missionsdauer und einer einzigen Gesamtdistanz lässt sich deshalb keine gewöhnliche Reisegeschwindigkeit ableiten.

Die kurze Rekordfahrt macht diesen Unterschied anschaulich. Die gut 91 Meter vom 11. Oktober waren für sich genommen keine außergewöhnlich große Tagesstrecke. Entscheidend war, wo der Kilometerzähler danach stand. Der Rekord entstand somit nicht durch einen einzelnen extremen Sprint, sondern durch die Summe vieler erfolgreicher Fahrten. Jede zusätzliche Etappe verlangt, dass Navigation, Räder und übrige Fahrzeugsysteme weiterhin zusammenarbeiten.

Die Fahrt führt zu besonders alten Gesteinen

Perseverance sammelt seine Kilometer nicht als Selbstzweck. Die Region Lac de Charmes liegt außerhalb des westlichen Randes des Jezero-Kraters. Dort untersucht das Team sehr altes Gelände. Im Gebiet Idubi hofft es auf Spuren früherer hydrothermaler Systeme, in denen erwärmtes Wasser mit Gestein wechselwirkte. Das ist eine Suchaufgabe und noch kein bestätigter Nachweis solcher Systeme am neuen Ziel.

Für die Marsforschung zählt dabei der Zusammenhang zwischen einem Gestein und seiner Umgebung. Eine Probe erhält zusätzliche Aussagekraft, wenn bekannt ist, in welcher Schicht und neben welchen anderen Strukturen sie lag. Dass Landschaftsformen auch aus der Entfernung neue Fragen aufwerfen, zeigen beispielsweise die ungewöhnlichen Klippen auf anderen Marsbildern. Ein Rover kann ausgewählte Stellen anschließend aus unmittelbarer Nähe untersuchen, statt ausschließlich ihre äußere Form aus dem Orbit zu betrachten.

Der ursprüngliche Fahrplan ist längst übertroffen

Der anfängliche Missionsplan sah eine Fahrstrecke von knapp 20 Kilometern vor. Perseverance hat inzwischen mehr als das Doppelte erreicht. Die NASA meldete im Zusammenhang mit dem Rekord, dass die Mobilitätssysteme weiterhin vollständig einsatzfähig seien. Die im Oktober begonnene Missionsverlängerung soll die Erkundung ungefähr bis Ende 2028 ermöglichen. Das ist der aktuelle Plan, keine Garantie für eine bestimmte zusätzliche Kilometerzahl.

Die verbleibende Leistung wird sich nicht allein daran messen lassen, wie schnell der nächste runde Wert erreicht wird. Ein längerer Aufenthalt an einem geologisch besonders interessanten Ort kann wichtiger sein als viele weitere Meter. Der Fahrrekord zeigt jedoch, dass Perseverance solche Entscheidungen aus einer ungewöhnlich günstigen Position treffen kann: Das Fahrzeug ist nach Jahren der Erkundung weiterhin beweglich und erreicht Gelände, das am Anfang der Mission weit außerhalb seiner unmittelbaren Umgebung lag.

Die 45 Kilometer stehen damit für mehr als Ausdauer. Sie markieren, wie weit die praktische Erkundung eines anderen Planeten inzwischen reicht. Ein rollendes Labor kann sich durch unbekanntes Gelände bewegen, Gefahren selbst einschätzen und seine wissenschaftliche Umgebung Schritt für Schritt erweitern. Der neue Rekord fiel auf dem Weg zur nächsten Frage, nicht am Ende der Reise.

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