Vor 13.000 Jahren

Komet könnte Menschheitsgeschichte entscheidend beeinflusst haben

Conny Zschage

Vor tausenden von Jahren schlugen vermutlich Fragmente eines Kometen mit einem Durchmesser von etwa vier Kilometern in mehrere Kontinente ein. Das Ereignis gilt unter Experten als vermutlich größter Einschlag seit der Auslöschung der Dinosaurier. Doch bisher gab es nur Hypothesen und Vermutungen zu dem Event. Doch eine neue Studie zeigt nun, dass der Einschlag tatsächlich stattfand und die Menschheitsgeschichte entscheidend beeinflusste.

Edinburgh (Schottland). Vor etwa 13.000 Jahren kam es zu einer Eiszeit, welche nur etwa 1.000 Jahre anhielt. Der Grund dafür ist bisher nicht vollständig bekannt. Zeitgleich starben viele Tierarten aus, etwa der Arctodus, ein riesiger Bär mit einem Gewicht von über 950 Kilogramm, der Amerikanische Löwe oder das Mastodon, ein Verwandter des Mammuts.  

Zudem wird vermutet, dass etwa um diese Zeit die Steinzeit endete und die damaligen Jäger- und Sammler zu Hirten- und Bauern wurden. Dass ein größeres Ereignis diese Entwicklung beeinflusste, ist schon länger eine Theorie. Bereits 1694 vermutete der Universalgelehrte Edmond Halley, dass es vor tausenden Jahren eine größere Flut aufgrund eines beinahe Kometeneinschlags gegeben hatte.

Zahlreiche Beweise für Kometeneinschlag

In den letzten Jahren wurden immer mehr Beweise für einen Einschlag gefunden und die waghalsige Hypothese entwickelte sich mehr und mehr zu einer tatsächlichen Theorie. Besonders im Nordamerika und Grönland werden regelmäßig große Mengen an Platin und sogenannte Nanodiamanten gefunden. Platinvorkommen weisen auf das Schmelzen von Materialien bei enorm hohen Temperaturen hin, wie es bei einem Kometeneinschlag der Fall sein kann. Nanodiamanten existieren in Kometen und entstehen bei Explosionen mit viel Energie.

Eindeutige Unterschiede in Gesteinsschichten

In Gebieten, wo vermutlich Fragmente des Kometen einschlugen, z.B. im US-Staat Arizona, lassen sich zudem eindeutige Unterschiede in den betroffenen Gesteinsschichten feststellen. In der unteren Schicht befinden sich unter anderem Fossilien von Mammuts, Wildpferden und dem Arctodus, während diese in den oberen vollständig fehlen. Hinzukommt, dass die untere Schicht sehr abrupt endet, was ein weiterer Beweis für ein größeres erdgeschichtliches Ereignis ist.

Ältester Tempel als weiteres Indiz

Ein weiterer, wenn auch sehr umstrittener Beweis für einen Kometeneinschlag findet sich in „Göbelki Tepe“, einem Hügel in der Türkei, in welchem sich vor etwa 10.000 Jahren eine prähistorische Siedlung befand. Bemerkenswert sind vor allem die zahlreichen monolithischen Pfeiler, welche in dem Gebiet gefunden wurden. Auf mehreren Pfeilern fanden sich Darstellungen von diversen Tieren, Menschen oder anthropomorphen Figuren, aber auch von etwas, das als anfliegender Komet gedeutet werden könnte.

Kometeneinschlag führte vielleicht zum Untergang der Azteken

Auch auf die Menschheitsgeschichte hatte der mögliche Einschlag laut Wissenschaftlern der Universität von Edinburgh große Auswirkungen: Damalige Windpferde, sogenannte Equus, starben in Nord- und Südamerika vollständig aus. Die Menschen dort mussten also ohne das hilfreiche Nutztier auskommen und entwickelten sich auch deshalb wahrscheinlich langsamer als ihre europäischen Nachbarn. Als um 1500 die Spanier Mexikos eroberten und die Maya und Azteken auslöschten, hatten sich nicht nur Schusswaffen und eiserne Rüstungen, sondern auch Pferde. Falls diese in Amerika nicht ausgestorben wären, wäre das Treffen zwischen der Alten und Neuen Welt laut der im Fachmagazin Earth-Science Reviews publizierten Studie höchstwahrscheinlich gravierend anders ausgegangen.

Earth-Science Reviews, doi: 10.1016/j.earscirev.2021.103677

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